Das Geld bleibt im Börsel

27. Februar 2003, 17:14
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Erste Bilanz von "Graz 2003": Besucher stürmen Galerien und Theater, der Handel profitiert kaum

Die Besucher stürmen die Galerien und Theatervorstellungen der Kulturhauptstadt. Auch die Nächtigungszahlen entwickeln sich zur Freude der Touristiker prächtig. Die Geschäfte und Boutiquen der Grazer Innenstadt merken von dem Kulturboom jedoch herzlich wenig.


Graz - Die blonde Dame im 2003 Infoshop in der Grazer Herrengasse legt los: "Also, wir haben derzeit folgende Ausstellungen ..." Das junge deutsche Urlauberpaar scheint vom aufgezählten Angebot leicht überfordert. Die beiden wollten eigentlich "nur so in ein Museum der Kulturhauptstadt gehen". Sie entscheiden sich dann doch für "was Modernes" in der Neuen Galerie. Anders die schwarz gekleidete Wienerin in der coolen 03-Bar. Sie weiß exakt, was sie hier will. Sie ist extra wegen eines Videoprojektes nach Graz gekommen.

Die Besucherbilanzen weisen jedenfalls darauf hin, dass die Programmmacher von Graz 2003 richtig lagen. Die Häuser sind voll. "Es ist schon fast gespenstisch, aber der Programm-Mix scheint total aufzugehen", meint Graz 2003 Pressechefin Astrid Luxenberger-Bader. So zog etwa Henning Mankells stets ausverkauftes Stück "Butterfly Blues" weit mehr als 6000 Besucher an. Ausstellungen, wie "Grenz.Räume" von Inge Morath oder "Latente Utopien" (bisher mehr als 20.000 Besucher) werden regelrecht gestürmt. Auch Karten für "sperrigere" Angebote, wie die Konzertreihe "Ikonen des 20. Jahrhunderts" seien heiß begehrt, so Bader.

Graz meets Nordsee

Fazit: Die Touristiker sind hocherfreut. "Wir ziehen durch 2003 einfach weitere Kreise", sagt Graz Tourismus- Chef, Dieter Hardt-Strehmayr. Erstens sei ein Nächtigungszuwachs von 30,5 Prozent im Jänner (45.269 Nächtigungen) "fulminant". Und zweitens habe man neue Kunden, wie etwa jene aus Norddeutschland, ansprechen können.

Doch nicht alle sind guter Dinge: So hat der Innenstadt- Einzelhandel bisher nicht vom Besucherstrom profitiert. "Leider merken wir gar nix von 2003", meint etwa eine eingesessene Textilhändlerin im Gespräch mit dem STANDARD. Da sei es noch besser gewesen, "wie der Dalai- Lama vergangenes Jahr da war". Auch in den Luxusboutiquen rührte sich wenig. "Vielleicht kommt das noch", hofft die Managerin eines Nobelschuhgeschäfts.

Die Erfahrungen der Gastronomen hingegen sind unterschiedlich: Während die eher italienisch angehauchten Restaurants bereits zu 2003-Profiteuren zählen, sind andere enttäuscht. Zusätzliche Öffnungszeiten am Sonntag hätten sich bisher nicht gelohnt, meint etwa ein Wirt: "Bis jetzt gratulieren uns eher nur die Stammgäste dazu, dass sie am Sonntag nicht kochen müssen." (DER STANDARD, Printausgabe, 28.2.2003)

Von Andrea König
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