Biljana Plavsic: Vom Präsidentenpalast ins Gefängnis

27. Februar 2003, 17:07
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Den Haag - Es gibt ein symbolträchtiges Foto von Biljana Plavsic: Darauf steigt die damalige Präsidentin der bosnischen Serbenrepublik über einen ermordeten bosnischen Moslem hinweg, um den serbischen Milizenführer "Arkan" zu küssen. Aufgenommen wurde das Bild in den ersten Tagen des Bosnienkriegs im Jahr 1992 - ein schauriges Zeugnis ihres Machtwillens. Am Donnerstag wurde Plavsic vom UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zu elf Jahren Haft verurteilt. Sie habe sich während des Bosnien-Krieg zwischen 1992 und 1995 der Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht, glauben die Haager Richter. Sie ist die ranghöchste Angeklagte, die das Tribunal bis heute verurteilt hat.

Biographisches

Biljana Plavsic wurde 1930 im ostbosnischen Tuzla geboren. Sie stammt aus einer großbürgerlichen, serbisch-orthodoxen und anti-kommunistischen Familie. Sie studierte an der Universität von Zagreb Biologie, bekam 1956 eine Professur an der Universität von Sarajewo und arbeitete später in Prag und in den USA. Sie veröffentlichte rund hundert wissenschaftliche Schriften, bevor sie in die Politik wechselte - als Gründungsmitglied der Serbischen Demokratischen Partei (SDS) im Jahr 1990. Sie galt als enge Vertraute des Parteichefs Radovan Karadzic, der als bosnischer Serbenführer nach wie vor von den UN-Anklägern als Kriegsverbrecher gesucht wird. Schon bei den ersten freien Wahlen in Bosnien-Herzegowina im November 1991 wurde sie in die Präsidentschaft der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik gewählt.

Distanzierung Milosevics

Aus ihren radikalen Überzeugungen machte Plavsic keinen Hehl. In den Medien ging sie mit ihrer feindseligen Einstellung gegenüber den bosnischen Moslems hausieren. Dort bezeichnete sie die gewaltsame Vertreibung von Nicht-Serben aus weiten Teilen Bosniens als "natürliches Phänomen". Ein Ausspruch, der selbst dem damaligen serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic zu weit ging. Bei einer Zusammenkunft 1993 weigerte er sich, ihr die Hand zu schütteln. Er habe Zweifel an der geistigen Gesundheit der Dame und fordere ihren sofortigen Rückzug aus dem politischen Leben, verkündete Milosevic, der sich längst selbst vor dem UN-Tribunal rechtfertigen muss. Milosevics Frau Mirjana Markovic nannte Plavsic einen "weiblichen Mengele".

Aus Pragmatismus schlug die fanatische Nationalistin nach dem Ende des Bosnien-Kriegs gemäßigtere Töne an. Wegen ihres pro-westlichen Kurses wurde Plavsic 1997 aus Karadzics SDS ausgeschlossen und gründete den Serbischen Volksbund. Im Westen galt sie damals tatsächlich als "moderate Führerin". Dank internationaler Unterstützung gelang es ihr, die Kontrolle über Armee, Polizei und Medien zu erlangen und westliche Gelder für den Wiederaufbau des Landes locker zu machen. Als sie 1998 bei der Präsidentschaftswahl gegen den Kandidaten der Ultra-Nationalisten unterlag, zog sich Plavsic weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Am 14. Dezember 2000 legte sie auch ihr Parlamentsmandat nieder. (APA/AFP)

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