Die Enden der Welt

29. Oktober 2008, 19:25
posten

Markus Krottendorfers Ausstellung "The World is Not Enough" in der Wiener Galerie Charim


Im Ausloten des eigenen fotografischen Blicks und den Möglichkeiten seiner Hasselblad liegt der spezielle dokumentarische Zugang von Markus Krottendorfer begründet. In der Ausstellung "The World is Not Enough" präsentiert er Aufnahmen von Orten, die exemplarisch für die Komplexität globaler Kreisläufe oder auch Auswüchse stehen.

Üblicherweise holen einen Fotografien von der Wall Street mitten in die repräsentativen Hallen der dort ansässigen Finanzinstitute hinein. Bei Krottendorfer bleibt man als Betrachter außen vor und sieht bloß hinein in die noblen Foyers, die der Künstler von der Straße durch die riesigen Eingangstüren und Fenster fotografierte. Der Künstler bringt die Betrachter so auf Distanz zu der repräsentativen Macht dieser Orte, deren Potenz er zudem auf mittlere Bildformate herunterschraubt.

Während die Serie"Financial Showcases" 2004 in den Straßen New Yorks entstanden ist, hat er sich für die Arbeit "ALICE, Cern" Zugang zum Kernforschungszentrum bei Genf verschafft: "ALICE" zeigt einen riesigen Magneten, der zum jüngst in Betrieb genommenen Teilchenbeschleunigungsring gehört. Durch die Abstraktheit des Bildes wird die uneinsehbare Kraft der unterirdischen "Supermaschine" sehr schön vermittelt, die die Kernforschung in Zukunft ultimativ vorantreiben soll.

Bleibt nur zu hoffen, dass das, was in Genf 100 Meter unter der Erde passiert, an der Oberfläche nie so deutlich sichtbar ist wie die Spuren, die 150 Jahre Ölförderung in Aserbaidschan hinterlassen haben: In der Ausstellung fördert ein Dia nach dem anderen die Auswirkungen der Ölindustrie auf die Landschaft zutage, während die Serie "Spenrath" in ein nicht weniger apokalyptisch wirkendes Geisterdorf im Ruhrgebiet führt.

In idealisierter Form taucht Landschaft in der Ausstellung überhaupt nur als Relikt vergangener "Weltbilder" auf: und zwar als gemaltes Bild, das sich im Barockgarten Schwetzingen am Ende eines Laubenganges befindet und den Besucher - zumindest laut Volksmund - nur einem weiteren "Ende der Welt" gegenüberstellt. (cb / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.10.2008)

 

Galerie Charim. Dorotheergasse 12, 1010 Wien.  Bis 29. 11.

  • In der Serie "Spenrath": (2008) zeigt Markus Krottendorfer ein Geisterdorf im Ruhrgebiet
    foto: krottendorfer

    In der Serie "Spenrath": (2008) zeigt Markus Krottendorfer ein Geisterdorf im Ruhrgebiet

Share if you care.