"Die UserInnen verwenden lieber Windows als Linux"

3. November 2008, 15:55
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Mike Nash, Senior Vice President von Microsoft, sieht im Interview mit derStandard.at einen Bedarf für ein Netbook-Betriebssystem und auch für Windows Vista

Auf der PDC 2008 konnte der WebStandard mit Mike Nash, seines Zeichens Senior Vice President von Microsoft ein kurzes Interview zu den kommenden Entwicklungen bei Windows führen. Die Conclusio für Nash - Unternehmen sollen Vista ausrollen und auf Netbooks ist Windows beliebter als Linux.

derStandard.at: Warum sollen Unternehmen Windows 7 einsetzen? Wie kompliziert wird der Umstieg von Windows Vista und XP auf Windows 7 sein?

Mike Nash: Windows 7 ist die logische Weiterentwicklung von Windows Vista. Den Weg, den wir mit Vista eingeschlagen haben, setzen wir mit Windows 7 fort. Wir werden keine wesentlichen Umstellungen in der Architektur machen - so wie bei Windows XP auf Windows Vista. Wir wollen sicherstellen, dass zum Start alle Vista-Applikationen unter Windows 7 laufen werden.

derStandard.at: Wie sieht es mit Windows XP aus?

Nash: Der Umstieg von Windows XP auf Windows 7 wird vergleichbar sein, mit jenem auf Windows Vista. Unternehmen sollten daher auch Windows Vista nicht auslassen. Es hat zu viele Vorteile. Wenn sie jetzt umsteigen, dann werden sie die Migrationsarbeit nur einmal machen müssen. Ich denke nur an die Sicherheitsfeatures. Kennen Sie das "Mojave Project" - hier haben wir AnwenderInnen, die zuvor Windows Vista mit einer Bewertung von rund 4,4 aus 10 Punkten bewertet haben, Windows Vista mit dem SP1 testen lassen und ihnen gesagt, das ist das kommende Windows Mojave. Sie waren begeistert und haben im Schnitt 8,7 Punkte von 10 gegeben. Dabei war es Windows Vista. Hier sieht man wie weit die Schere zwischen Realität und den Vorurteilen gegen Vista ist.

derStandard.at: Mit der ersten Version von Windows Vista ist das aktuelle mit Service Pack 1 aber auch kaum mehr vergleichbar. 

Nash: Ja. Am Anfang haben wir bei Vista den Markt zu wenig einbezogen. Die Hersteller waren noch nicht so weit. Fehlende Treiber und Rechner, die nicht gut genug ausgerüstet waren, haben das Windows Vista-Erlebnis gedämpft.

derStandard.at: Die letzten Tage auf der PDC 2008 haben bereits gezeigt, dass Microsoft diese Fehler bei Windows 7 nicht machen will.

Nash: Sicher nicht. Wir binden unsere Partner diesmal schon sehr früh ein. Hersteller und EntwicklerInnen sollen helfen, dass am Tag X alles passt. Wir haben bei Windows Vista vor fünf Jahren auf der PDC 2003 sehr viel angekündigt. Die Erwartungen der Leute waren hoch. Vieles hat sich im Zuge der Entwicklungen dann auch noch geändert. Diesmal wird das was wir sagen, auch erscheinen, nicht mehr, nicht weniger. Wir wollen den KundInnen und PartnerInnen und vor allem auch den Unternehmen eine Sicherheit garantieren. Alle Applikationen, die unter Vista laufen, laufen unter Windows 7.

derStandard.at: In seiner Keynote präsentierte Steve Sinofsky Windows 7 auf einem Netbook. Gibt es schon Mindest-Systemanforderungen von Windows 7?

Nash: Nein. Was wir fix sagen können, ist, dass Windows 7 auf der Vista-Hardware laufen wird. Aber der Bereich der Netbooks wird immer wichtiger. Es zeigt sich aber auch, dass in diesem Bereich Windows bei den AnwenderInnen beliebter ist, als Linux. Die AnwenderInnen wollen Windows auch auf den kleinen Rechnern haben. Wobei ich es interessant finde, dass die Preisunterschiede zwischen den Netbooks und Laptops, die für die meisten Bereiche vollkommen ausreichend sind, sehr gering sind. Viele Leute kaufen sich billige Netbooks und glauben, damit können sie ihren Desktop ersetzen. 

derStandard.at: Aber Linux hat in den letzten Monaten in diesem Bereich sehr viel Anteile gewonnen.

Nash: Wir sehen hier, dass Windows Vista und Windows XP auch hier wesentlich verbreiteter sind. Der Bedarf nach XP ist in diesem Bereich auch noch sehr hoch. Dies liegt nicht daran, dass Vista Probleme bereiten würde, sondern an der Tatsache, dass die Hersteller hier sehr kostensparend denken. So werden etwa die billigsten Speicherbausteine verbaut, die für Vista nicht geeignet sind.

derStandard.at: Sie haben erwähnt, dass Unternehmen Windows Vista ausrollen sollen? Warum? Warum nicht auf Windows 7 warten? Und was soll dann der Anreiz sein Windows 7 auszurollen?

Nash: Unternehmen sparen sich nichts, wenn sie Vista nicht ausrollen. Sie müssen die Migrationsarbeit ohnehin spätestens bei Windows 7 machen. Wer jetzt eine Version überspringt, bringt sich um die großen Vorteile, die Windows Vista bietet. Windows 7 wird dann wieder den eingeschlagenen Weg fortsetzen und neue Features bringen, die für Unternehmen nützlich sind.

derStandard.at: Welche Features wären das?

Nash: Da gibt es einiges. Hier auf der PDC haben wir unter anderem die Möglichkeiten zur sicheren Verschlüsselungen von USB-Sticks gezeigt. Aber auch die Änderungen bei der User Account Control (UAC) - diese kann nun von einem Administrator schnell und einfach für die einzelnen AnwenderInnen angelegt werden. (Gregor Kucera aus Los Angeles)

  • Mike Nash, Senior Vice President von Microsoft, über die Zukunft von Windows und den Sinn vom Wechsel auf Vista.
    foto: gregor kucera

    Mike Nash, Senior Vice President von Microsoft, über die Zukunft von Windows und den Sinn vom Wechsel auf Vista.

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