Immoeast-Millionenanleihe wird zum Phantom

30. Oktober 2008, 09:55
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Immoeast sieht Constantia Packaging für 520 Millionen-Darlehen haftbar - Auch Schadenersatzansprüche gegen Constantia Privatbank werden geprüft

Wien-  Im Fall eines offenbar verschwundenen 520-Millionen-Euro-Kredites, den die Immoeast an die angeblich von ihr unabhängige Firma Immofinanz Beteiligungs AG (IBAG) gegeben hat, will die Ost-Tochter der Immofinanz-Gruppe auf eine Haftungserklärung der Constantia Packaging zurückgreifen und prüft Schadensersatzansprüche gegen die Constantia Privatbank (CPB), erklärt der Vorstand der Immoeast am Mittwochabend in einer ad hoc-Aussendung. Um die offenen Fragen aufzuklären, werde man der Staatsanwaltschaft eine Sachverhaltsdarstellung übergeben.

 

"Es besteht der begründete Verdacht, dass diese Geldmittel zwar von der IMMOEAST an die IBAG überwiesen wurden, die Organe der IBAG aber davon nichts wussten und auch nicht selbst über diese Geldmittel verfügt haben. Deshalb muss überprüft werden, wer bei der Constantia Privatbank über die Konten der IBAG verfügt hat und was mit diesen Mitteln geschehen ist."

Die Constantia Privatbank hat ihrerseits ihre Innenrevision beauftragt, eine millionenschwere Überweisung der Immoeast an die Immofinanz Beteiligungs AG "umfassend zu prüfen", teilte die Bank am Donnerstag in einem kurzen Statement mit. Die Ergebnisse der Revision würden der IBAG "so rasch wie möglich mitgeteilt".Ansonsten bestätigt der Vorstand der CPB lediglich, dass er von der IBAG informiert worden sei, "dass ohne Wissen des Vorstands oder des Aufsichtsrats der Immofinanz Beteiligungs AG über ein Konto der Immofinanz Beteiligungs AG bei der Constantia Privatbank Zahlungsein- und -ausgänge erfolgt seien".

Ein Sprecher der Privatbank erklärte, "dass die derzeitigen Vorstandsmitglieder der Constantia Privatbank nicht über die Transaktion informiert gewesen" seien. Aktuell wird die Bank von Karl Arco und Norbert Gertner geleitet. Letzterer war bis Ende Juni 2008 auch Vorstand von Immofinanz und Immoeast gewesen. Das Nichtwissen Gertners beziehe sich auf seine Person und nicht nur auf seine aktuelle Funktion als CPB-Vorstand, sagte der Sprecher auf Nachfrage.

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Wien - Die Causa Immofinanz und Immoeast wird nun endgültig zu einem Krimi. Vor zwei Wochen erst ließen die damaligen Manager der börsennotierten Immoeast (sie gehört zu 54,6 Prozent der Immofinanz AG, der Rest steht im Streubesitz) mit einer Neuigkeit aufhorchen: Immoeast habe nach der vergangenen Kapitalerhöhung im Frühjahr 2007 eine Anleihe im Volumen von 900 Mio. Euro gezeichnet _ - begeben von einer gewissen Immofinanz Beteiligungs AG. Näheres zu Sinn und Zweck des Geldverleihs wurde nicht bekannt; nur, dass noch 520 Mio. offen seien.

Laut damaliger Auskunft des damaligen Immofinanz-Präsidenten und Immoeast-Vizepräsidenten, Wienerberger-Chef Wolfgang Reithofer, sollte Ende Oktober die nächste Tranche von 150 Mio. Euro fließen. Und: Die Transaktion sei „am Aufsichtsrat" vorbeigegangen, er sehe die weitere Rückzahlung an Immoeast aber nicht gefährdet.

Heute ist alles anders - personell und sachlich: Am Dienstag bekamen die zwei Immos eine neue Aufsichtsratsspitze: Immofinanz-Präsident ist nun Herbert Kofler (sitzt bereits im Immoeast-Aufsichtsrat), sein Vize wurde Michael Knap vom Interessenverband der Anleger, IVA. In der Immoeast wurde Knap Präsident, Kofler (einer breiteren Öffentlichkeit als Doktorvater Karl-Heinz Grassers bekannt) sein Vize.

Auf beide kommen, ob der sachlichen Neuerungen, spannende Zeiten zu. Denn die Verantwortlichen dieser Immofinanz Beteiligungs AG (sie gehört laut Firmenbuch den Liechtensteinischen Stiftungen Camilla und Stephanie, Anm.) und vor allem die Wirtschaftsprüfer von Deloitte & Touche haben die Vorgänge und Bücher penibel geprüft. Das Ergebnis stehe völlig außer Streit, sagt ein Aufsichtsrat zum Standard: „Die Immofinanz Beteiligungs AG hat keine Anleihe begeben, schuldet daher auch der Immoeast kein Geld." Trotz Aufforderung habe auch keiner der Involvierten einen Anleihevertrag vorlegen können.
Ein Ende auch für die im Markt kolportierte Vermutung, die Gesellschaft, die vom früheren Notar Gerhard Pauser geführt wird, könnte mit dem (vermeintlich) geliehenen Geld übriggebliebene Aktien gekauft haben. „Es ist absolut auszuschließen, dass die Gesellschaft Immoeast-Aktien gekauft hat", so der Aufsichtsrat. All das werde im Bericht des Wirtschaftsprüfers nachzulesen sein.

Die Konsequenz: In den kommenden Tagen werden die Organe der Immofinanz Beteiligungs AG(Aufsichtsratschef ist Ex-Raiffeisen-Banker Helmut Falschlehner, weitere Kontrollore die Uni-Professoren Christian Nowotny, Johann Bertl und Eduard Lechner) eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft einbringen.

Laut Standard-Informationen soll sich die Sache so abgespielt haben: Mitarbeiter der Constantia Privatbank (CPB; gehörte bis vor kurzem zum Vermögen der Turnauer-Tochter Christine de Castelbajac und wurde bis vor kurzem von Karl Petrikovics geführt; wie Immoeast und Immofinanz auch) hätten den Betrag von Immoeast-Konten (bei CPB) zunächst auf Konten der Immofinanz-Beteiligungs AG (bei der CPB) überwiesen, von dort floss es weiter. All das sei ohne Wissen der Immofinanz Beteiligungs AG geschehen. Diese Gesellschaft verwaltete viele Jahre Verlustbeteiligungsmodelle und sollte spätestens 2010 liquidiert werden. Mit der börsennotierten Immofinanz hat sie nur den Firmensitz gemeinsam.
Stellungnahmen der Involvierten waren zu all dem nicht zu erhalten.

Die Frage, wohin das Geld floss, werden wohl die Ermittler beantworten müssen. Derzeit liegt viel im Dunkeln - zumal die Mütter der Immofinanz Beteiligungs AG in Liechtenstein (die beiden Stiftungen) verschwunden sein dürften. Im Öffentlichkeitsregister in Vaduz (wo sie bis vor kurzem noch registriert waren) scheinen sie jedenfalls nicht mehr auf. Immofinanz-Aufsichtsratsmitglied Guido Nikolaus Schmidt-Chiari hatte dem Standard vor kurzem erklärt, die Stiftungen seien vor Jahrzehnten von Herbert Turnauers Berater Camillo Andina (beide sind verstorben) errichtet worden.(Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.10.2008)

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    Viel Geld verbrannt wurde auch im Wein-, Wald-, Most- und Industrieviertel mit hochkomplizierten Finanzprodukten, die Gemeinden von Banken angedient worden sind.

  • Herbert Kofler kontrolliert die heißen Immos.
    foto: standard/regine hendrich

    Herbert Kofler kontrolliert die heißen Immos.

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