Osten blockt Krise ab

29. Oktober 2008, 14:58
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Der Gedanke einer euro­päischen Wirtschaftsre­gierung gefällt auch Erhard Busek. Süd-Ost-Europa wird von der Krise laut Experten eine Delle davontragen, bleibt aber auf Wachstumskurs

Wien - Eine europäische Wirtschaftsregierung wie Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sie jüngst beworben hatte, „kann man nur begrüßen", sagte Erhard Busek in seiner Funktion als Präsident des Vienna Economic Forum heute vor Journalisten in Wien: „Es fehlen neue Regeln. Ich hoffe, dass die EU-Mitgliedsstaaten die zentrale Bedeutung einer gemeinsamen europäischen Regierung in dieser Hinsicht erkennen und entsprechende
Schritte setzen."

Südosteuropa bleibt Wachstumsmarkt

Ansonsten war man sich heute einig: Von der Banken- und Finanzmarktkrise ist die Region Südosteuropa direkt weniger betroffen als die westeuropäischen Staaten, so Busek anlässlich der Ankündigung des „Vienna Economic Forum" kommende Woche. Auch in Zeiten der Finanzkrise sei hier mit Stabilität zu rechnen, die Investitionsmöglichkeiten blieben bestehen. „Derzeit ist es politisch mancherorts schwieriger als wirtschaftlicher - andrerseits haben auch wir keine stabile Regierung", so Busek.

Auch wenn die Wachstumsaussichten in Folge der Krise nun geringer ausfallen, drohe keine Rezession in Südosteuropa, so Friedhelm Boschert, Vorstand des Vienna Economic Forum und CEO der Volksbank International AG. Die Bank ist mit mehr als 600 Vertriebsstellen in neun Ländern in Mittel- und Osteuropa vertreten. Die Zahlen, die Boschert nennt, um seinen Optimismus zu begründen, sprechen eine deutliche Sprache: „Wir haben die Zuwachsraten von ursprünglich 50 bis 60 Prozent auf zehn bis 20 Prozent gekürzt. Somit liegen sie weiterhin deutlich über jenen hierzulande."

Unterschiedliche Stabilität

Boschert und Busek verweisen darauf, dass die Stabilität des Wachstums in den einzelnen Ländern unterschiedlich hoch ausfallen werde. "Tschechien und die Slowakei sind exportstarke Länder, Ungarn, die Ukraine, Rumänien und Serbien leiden an hohen Zahlungsbilanzdefiziten und schwachen Währungen." Von drohender Pleite - wie sie heute in den Raum gestellt wurde - könne in keinem der Länder die Rede sein. Auch Island wird als Vergleichsgröße herangezogen: Islands Bankaktiva mit dem neunfachen der Wirtschaftsleistung seien etwa nicht zu vergleichen mit Rumänien, wo die Bankaktiva auf gleicher Höhe mit der Wirtschaftsleistung lägen, so Boschert.

Vienna Economic Forum

Von 10. bis 11. November 2008 findet heuer in der Raiffeisen Hall, RZB zum fünften Mal das Vienna Economic Forum statt. Das Motto lautet "Investment Development in the Countries from the Adriatic to the Black Sea and the Caspian Region - Take the Real Chance". Das Vienna Economic Forum wurde im April 2004 mit dem Ziel gegründet, die wirtschaftliche Kooperation zwischen den Ländern von der Adria bis zum Schwarzen Meer vom Standort Wien aus zu fördern. (rb)

 

  • "Es fehlen neue Regeln. Ich hoffe, dass die EU-Mitgliedsstaaten die
zentrale Bedeutung einer gemeinsamen europäischen Regierung in dieser
Hinsicht erkennen und entsprechende Schritte setzen."
    foto: standard/newald

    "Es fehlen neue Regeln. Ich hoffe, dass die EU-Mitgliedsstaaten die zentrale Bedeutung einer gemeinsamen europäischen Regierung in dieser Hinsicht erkennen und entsprechende Schritte setzen."

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