Familiäres Wohnen in der Gemeinschaft

29. Oktober 2008, 12:06
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In Villach wurde mit der "Muldensiedlung" ein Musterprojekt für sozialen Wohnbau geschaffen

Das 1949 gestartete Notwohnprogramm wurde über die Jahrzehnte erneuert, die revolutionäre Idee blieb gleich.

Es war der letzte Baustein eines revolutionären Wohnbauprojekts, das sich über Jahrzehnte entwickelt hatte. Im September übergab die Villacher gemeinnützige Wohnbaugenossenschaft "Meine Heimat" 18 Wohnungen an die neuen Mieter in der Villacher "Muldensiedlung".

Revolutionäres Konzept...

Mit der neu errichteten Wohnanlage ist das Gesamtprojekt "Muldensiedlung" beendet, das im Jahre 1949 mit einem sozialen Not-Wohnbauprogramm der Stadt Villach begonnen hatte. Damals errichtete man in der "Au" kleine gelbe Baracken, um für wohnungslose Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue Heimstätte zu schaffen. Mittlerweile hat sich die Muldensiedlung zu einem ganzen Stadtteil in Villach-Auen entwickelt.

Die ursprünglich 33 eingeschoßigen Baracken bestanden aus Einheiten mit je drei Räumen und WC. In der Wohnküche befand sich die Wasserstelle. Alle Wohneinheiten hatten kleine Grünstreifen und Vorgärtchen. Das alles war damals im sozialen Wohnbau einmalig.

Diese kleinteilige Konzeption mit Grünfläche wollte man im Zuge der seit 1989 begonnenen baulichen Erneuerung der Muldensiedlung beibehalten.

Zug um Zug wurden die Baracken abgerissen und dreigeschoßige Wohnblöcke mit je sechs bis maximal 18 Wohneinheiten geschaffen. Die Philosophie des "individuellen Gemeinschaftswohnens" wurde damit beibehalten. Es gibt auch ein multifunktionales Gemeinschaftshaus, in dem Veranstaltungen oder private Feiern abgehalten werden können.

Schon der Ausdruck "Auen" beschreibt die Ruhelage mitten im Grünen. Die Muldensiedlung liegt im Villacher Naherholungsraum nahe des Stadtteils Warmbad mit seinen seit Paracelsus bekannten Thermalquellen. Aber auch bis zur Gail oder ins Stadtzentrum sind es nur wenige Gehminuten.

... neu aufgelegt

Die 21 Häuser mit insgesamt 320 Wohneinheiten wirken hell und einladend. Die Vorderfronten mit hölzernem Portikus und Vordach, flankiert von zwei Säulen, erinnern eher an die um die Jahrhundertwende entstandene Wörthersee-Architektur als an den herkömmlichen nüchtern- funktionellen Stil im sozialen Wohnbau. Das Gleiche gilt für die heimeligen, überdachten Holzbalkone, die sich senkrecht über die Mittelachsen ziehen.

Die einzelnen Häuserblocks liegen inmitten gepflegter Grünanlagen. Jedes Haus ist gewissermaßen allein inmitten seines Grünanteils. Auch die drei Tiefgaragen sind unter dem grünen Rasen "versteckt".

Auch "Kunst am Bau" ist bei den Häusern der Muldensiedlung großgeschrieben. So hat etwa der Kärntner Künstler Karl Brandstätter extravagante bunte Glaslaternen für den Außenbereich entworfen.

"Die Muldensiedlung ist ein ganz besonderes Beispiel für die Entwicklung des sozialen Wohnbaus", freut sich auch der "Meine-Heimat"-Obmann und Villacher Bürgermeister Helmut Manzenreiter (SPÖ): "Kleinteiligkeit und familiäres Ambiente entsprechen dem Bedürfnis der Menschen."

"Wir wollten keine Wohnbatterien schaffen, sondern modernen, leistbaren Wohnraum in einer sehr schönen Umgebung", beschreibt "Meine Heimat"-Geschäftsführer Harald Repar die Unternehmensphilosophie.

Die Wohnungskosten betragen je nach Wohnbauförderung, die in den letzten Jahrzehnten mehrmals novelliert wurde, zwischen 5,70 bis 6,30 Euro pro Quadratmeter inklusive Heizkosten.

In der Muldensiedlung leben heute rund 1000 Menschen, der Großteil als Mieter. Ein kleiner Teil der Wohnungen wurde an die Mieter verkauft. Der Neu- und Ausbau des ehemaligen Notwohnungsprojekts "Muldensiedlung" hat rund 25 Millionen Euro gekostet. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.10.2008)

  • Die Villacher Muldensiedlung (im Hintergrund der Mittagskogel)
gilt schon lange als Musterbeispiel sozialen Wohnens.
 
    Foto: Heimat

    Die Villacher Muldensiedlung (im Hintergrund der Mittagskogel) gilt schon lange als Musterbeispiel sozialen Wohnens.

     

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