"Gnadenloses Kostenmanagement"

29. Oktober 2008, 11:48
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Leistbar zu bleiben erfordert von den Bauträgern viel Schweiß und innovative Wege, wissen Sozialbau-Chef Ludl und Familienhilfe-Chef Raffelsberger

Für Herbert Ludl, den Generaldirektor der Sozialbau, ist Leistbarkeit kein abstraktes Konzept. Mit einer Durchschnittsmiete von 3,06 Euro pro Quadratmeter für gut ausgestattete Wohnungen müssen Sozialbau-Mieter nicht auf anderes verzichten, um sich eine adäquate Unterkunft zu leisten. "Wir haben keine Billigwohnungen, die nur für Leute mit dem geringsten Einkommen zumutbar sind, so wie in den vorfabrizierten Kartons in den Niederlanden und Frankreich", sagt Ludl. "Wir haben soziale Durchmischung, und gerade einfache Menschen haben ein Recht auf Schönheit."

Kaum Leerstand

Dass seine Wohnung preisgünstig sind, liest Ludl an der kaum vorstellbar geringen Leerstandsquote von 0,09 Prozent ab. "Leistbarkeit kann man objektiv messen. Wenn Wohnungen aus finanziellen Gründen leerstehen, dann ist das ein klares und messbares Zeichen."

Aber auch Sozialbau-Mieter – auf Eigentum verzichtet die Genossenschaft – sind mit dem Mietniveau nicht unbedingt zufrieden, räumte Ludl ein. "Zumutbarkeit ist eine subjektive Grenze, und wirklich zumutbar ist eine Miete nie, vor allem wenn sie schneller steigt als das Einkommen oder die Pension. Schiach wie der Zins, sagt man in Wien. Denn die Miete kommt jedes Monat mit tödlicher Sicherheit daher und zehrt einen großen Teil des Einkommens auf."

"Jedem Cent nachlaufen"

Das günstige Preisniveau erzielt die Sozialbau durch eine schlanke Verwaltung und professionelle Bewirtschaftung ihrer Anlagen, sagt Ludl. "Unser Geld muss selbst verdient werden, durch gnadenloses Kostenmanagement und langfristige Betriebsplanung. Wir müssen im Neubau jedem Cent nachlaufen, und wir sind nicht bereit, jedes Grundstück zu bebauen, wir müssen oft Nein sagen." Vor allem müsse man "rascher bauen, als die Bauordnung novelliert wird".

Leo Raffelsberger, der Geschäftsführer der Bau- und Siedlungsgemeinschaft Familienhilfe sieht die Aufgabe des Gemeinnützigen Sektors weniger im sozialen Bereich als im Kostendämpfen für die breite Mitte. Doch der Sektor habe über die Jahre fast alle seiner Kostenvorteile verloren und könne deshalb immer weniger weitergeben.

Anbieter- und Nachfragekartell

Ein gewisses Einsparungspotenzial würde eine Strukturverbesserung der rund 200 Gemeinnützigen in Österreich bieten, etwa ein Zusammenschluss kleiner Genossenschaften. Aber auch abseits echter Fusionen könnten kleine Gesellschaften beim Einkauf, beim Abschluss von Telekom-Verträgen oder gegenüber den Banken bei der Finanzierung enger kooperieren und dadurch Kosten sparen. Raffelsberger: "Wir stehen in Wien einem Anbieterkartell gegenüber – warum sollen wir nicht ein Nachfragekartell bilden?"

Eine Chance zum Senken der effektiven Wohnkosten sieht Raffelsberger auch in der thermischen Sanierung und dem Bau von Passivhäusern. (ef, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.10.2008)

  • Herbert Ludl (Sozialbau) weiß, dass Miete nie "zumutbar" ist.
    foto: standard/newald

    Herbert Ludl (Sozialbau) weiß, dass Miete nie "zumutbar" ist.

  • Leo Raffelsberger (Familienhilfe) setzt auf ein "Nachfragekartell".
    foto: standard/newald

    Leo Raffelsberger (Familienhilfe) setzt auf ein "Nachfragekartell".

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