"Das System hat viele Fehler"

28. Oktober 2008, 18:49
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    foto: corn

    Nach der Lebensmittelindustrie ("We feed the World") beschäftigt sich Erwin Wagenhofer in "Let's make Money" mit dem Finanzsystem.

In seinem neuen Film "Let's make Money" zeichnet Erwin Wagenhofer die Strukturen des globalen Finanzsystems nach - warum ihn das Thema interessierte und wie er arbeitet, erzählte er im Interview

STANDARD: Was hat Sie veranlasst, nach "We feed the World" einen Film über das Finanzsystem zu machen?

Wagenhofer: Ich bin seit vielen Jahren der Meinung, dass es drei Branchen gibt, die uns am meisten ausnehmen: Das sind die Banken, die Versicherungen und der Lebensmittelbereich. Der Film findet jetzt durch die Ereignisse, die über uns hereinbrechen, eine Bestätigung, die er sonst nicht gehabt hätte.

STANDARD: Der Film deckt viele Facetten des kapitalistischen Systems ab - Rohstoffe in Afrika, Fondsmanager in Asien, die spanische Immobilienblase, Steueroasen wie Jersey, den ehemaligen US-Agenten John Perkins, der erzählt, wie die USA andere Staaten in wirtschaftliche Anhängigkeit zwingen. Wird das außer Finanzexperten jemand verstehen?

Wagenhofer: Ich denke, dass die so genannten Leute von der Straße am allermeisten verstehen. Bei einer Preview in Frankfurt war dann anschließend eine Podiumsdiskussion, da war jemand von der Commerzbank und andere Experten, auch aus dem universitären Bereich, und redeten. Die Leute begannen zu buhen und fragten, ob man sie jetzt verarschen will und warum sie nicht beim Film anknüpfen. Also so dumm sind die Leute nicht. Die Frage ist, warum sie so träge sind und sich das alles gefallen lassen.

STANDARD: Lösungsansätze kommen im Film nicht vor. War das kein Punkt, auf den Sie in der Recherche Wert gelegt haben?

Wagenhofer: Nein, stellen Sie sich vor, da kommen hinten zehn Minuten Lösungen, dann ist der Film kaputt. Der lebt davon, dass man in so eine Welt hineinschaut, die ganz alltäglich ist. Es ist ja nichts Kriminelles drinnen oder Illegales. Während wir hier sitzen, geht es draußen lustig so weiter. Aber ich höre ja mit einem kleinen Lösungsansatz auf. Der deutsche Bundestagsabgeordnete Scheer sagt, die kleinen Leute haben keinen Einfluss auf diese Dinge, außer sie organisieren sich.

STANDARD: Anders als Michael Moore halten Sie sich im Hintergrund. Ihre Protagonisten demaskieren sich selbst.

Wagenhofer: Mit Michael Moore habe ich gar nichts am Hut. Er sagt auch immer, das Wichtigste an seinen Filmen ist die Unterhaltung und nicht die Information. Er ist ein Aktionist, tritt in seinen Filmen selbst auf, geht direkt zu Politikern und hält ihnen das Mikro unter die Nase. Das ist formal etwas, das mich eher abstößt. Ich muss jetzt viel Marketingarbeit leisten, weil sonst nichts da ist, aber ich fühle mich viel wohler hinter der Kamera. Ich glaube auch nicht, dass es sinnvoll ist, eine Unterscheidung zu machen zwischen gut uns böse: Mirko Kovats ist böse und wir sind gut. Das glaube ich überhaupt nicht. Ich glaube, das System hat viele Fehler und ich bin an den Systemfehlern interessiert und schaue, wie kann ich sie filmisch transparent machen.

STANDARD: Wie gehen Sie vor?

Wagenhofer: Ich schreibe ein Skript, das ist fast wie für einen fiktionalen Film. Wir überlegen, wen nehmen wir, wen bekommen wir? Ich suche fast immer Leute, die ganz hoch in der Verantwortung sind. Da unterscheide ich mich auch von Moore. (Gabriele Kolar/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. 10. 2008) 

Zur Person

Erwin Wagenhofer (47) ist ausgebildeter Nachrichtentechniker und macht seit 1987 Filme. Sein Film "We feed the World" (2005) war der bislang erfolgreichste österreichische Dokumentarfilm.

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11 Postings
Dante Alighieri
71
30.10.2008, 19:12

Die Blinden sprechen von der Farbe ^^

Para Dox
00
13.11.2008, 00:14

Irgendwelche konkreten Kritikpunkte, oder brabelst du einfach nur so vor dich hin?

Arno Niesner
 
01
29.10.2008, 14:00
Das Gespür, für dumm verkauft zu werden reicht noch nicht, ...

um sich zu organisieren. Deshalb bedarf es diesbezüglich unterstützender Strukturen. Die Schwierigkeit, diese umzusetzen besteht darin, die notwendige Selbstbeschränkung in Form eines attraktiven Angebotes zu formulieren. Und so schnell geht das nicht, denn wie wir wissen: die guten Dinge dauern. Um diese zu beschleunigen sind alle kritischen Geister herzlich eingeladen, sich unter oekosozialmarkt.com anzumelden, konstruktive Ideen zu deponieren und so am Bau einer zivilgesellschaftlichen Selbstorganisation mitzuwirken.

Wir schreiben uns.

Couchsurfer
11
29.10.2008, 02:07
Für Hintergründe unserer Probleme:


80 % aller Österreicher bezahlen mehr Zinsen, als sie auch mit gespartem Geld einnehmen können!

Mögliche andere Gründe für die immer größere Einkommensschere zwischen Arm und Reich und unserem Zwang von Wirtschaftswachstum von mindestens 2 % pro Jahr, erläutert

Helmut Creutz in

Die 29 Irrtümer rund ums Geld od.
Das Geldsyndrom

Das Geldsyndrom ist gratis und legal auch unter folgendem Link beziehbar:
http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw... pdf/gs.pdf

DVD Tipp: Gerechtes Geld - gerechte Welt (auch in der Bibliothek Wien erhältlich)

Couchsurfer
00
29.10.2008, 02:05
War heute bei der Premiere


Schöne Bilder und ein paar nette Kommentare von Personen, die sehr eng mit den Finanztransaktionen zu tun haben, aber dann in Gesamtsumme leider nur Aussagen, die ein jeder der sich mit der Problematik schon länger auseinandersetzt kennt.

Erst im Gespräch, erwähnt er die immer extremere Vermögensverteilung von Privathaushalten bei uns, aber auch global betrachtet. Im Film wird es nur 1mal erwähnt. Vom Gold das in einem Entwicklungsland gewonnen wird, gehen 3 % der Erlöse dorthin und 97 % an die Industriestaaten.

Des weiteren spricht er im Gespräch dann unseren Zwang zum Wirtschaftswachstum und Renditen, Zinsproblem an.

politisch verfolgt
111
28.10.2008, 21:08
danke

nach dem orf-interview gestern interessiert mich der film nicht mehr. was dieser herr an politisch einseitig gefärbtem naiv-gelaber von sich gegeben hat, war schwer zu ertragen.

Simply Bombastic
05
29.10.2008, 16:57
Nicht nur naiv, sondern - wie die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise eindeutig zeigt - für die ganze Welt bombengefährlich ist vielmehr...

...der ideologische Wahn der Neoliberalen, die seit Jahrzehnten "Mehr privat, weniger Staat" predigen, die totale Deregulierung fordern und von ominösen Selbstheilungskräften des "freien Marktes" faseln!

Ich kann LET'S MAKE MONEY jedem Nicht-Hirntoten nur wärmstens empfehlen. Der Film ist übrigens um Welten besser als die bekannten Michael-Moore-Infotainment-Saucen. :-)

dryeti
02
29.10.2008, 11:57
Der Film ist sehr empfehlenswert.

Einseitig ideologisch ist derzeit jedenfalls unser Finanzsystem ausgerichtet.

Chain Chen
13
29.10.2008, 08:52
naiv

fand ich eher den ORF- interviewer. Wagenhofer war sehr konkret und kann die sachen beim namen nennen. mutig und ehrlich - das tut weh und vor allem:

"change" heisst was machen, da muss man schon selber auch was dazu beitragen.

meinen sie das mit naiv?

politisch verfolgt
31
30.10.2008, 15:09
nein

ich meine sätze wie: "die weltbank ist heute das, was die kolonialmächte früher waren".

mandamanda
03
1.11.2008, 16:41
und was...

....ist ihrer meinung an dieser aussage falsch?
möchte ich wirklich wissen

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