
Österreichs drei Medizin-Unis (im Bild das AKH Wien) bieten derzeit 2400 Studienplätze an. Kommen 1050 weitere dazu, wird es in ein paar Bereichen eng.
Wien - Wenn fünf Studierende versuchsweise einen Patienten abhorchen oder eine Patientin abklopfen oder sich sonst wie an ihm oder ihr zu schaffen machen oder einfach nur um das Bett herumstehen und zuschauen, dann geht das ja noch. "Aber wenn sie 25-mal abgehorcht werden, dann werden auch die Patienten aufbegehren", warnt der Betriebsratsvorsitzende der Medizin-Uni Innsbruck, Martin Tiefenthaler. Das nämlich könnte passieren, wenn - wie von SPÖ, Grünen und FPÖ noch vor der Wahl beschlossen - die Medizin-Studienplätze bis 2011 wirklich um 1050 auf 2400 aufgestockt werden sollten. Denn irgendwie müssen die angehenden Mediziner ja ihren Job lernen, auch am lebenden Objekt.
Mit den bestehenden Kapazitäten der drei Medizin-Universitäten in Wien, Graz und Innsbruck seien die zusätzlichen Studierenden aber nicht adäquat auszubilden, warnen Med-Uni-Vertreter. "Die Erhöhung der Plätze wird eine Verschlechterung der Ausbildung bringen, wenn nicht ausreichend finanziert wird", sagt Tiefenthaler.
Derzeit arbeiteten die Med-Unis "mit einem sehr ambitionierten Studienplan", der auf frühen Patientenkontakt und viel Kleingruppenunterricht setze. Es mache einen großen Unterschied, ob er im Praktikum für Innere Medizin fünf statt drei Studierenden beibringen muss, wie eine klinische Untersuchung geht: "Da kommt man mit fünf schon an die Grenzen. Wenn ich acht oder zehn Studierende habe, wird es schwierig", begründet Tiefenthaler seine Sorgen.
Gerhard Schuhmann, Betriebsratschef an der Medizin-Uni Graz, erinnert daran, dass seine Uni ursprünglich auf 250 Studierende ausgelegt gewesen sei und schon "jetzt mit allen Mühen 300 Plätze anbietet". Auch er sieht im Patientenkontakt ein Nadelöhr. Es gebe ein zumutbares Maß an studentischer Zuwendung in einer Klinik. Der - unerwünschte - Ausweg könnte eine Rückkehr zu mehr Frontalunterricht sein. "Wenn man mehr Leute ausbilden möchte, muss man zwei oder drei Medizin-Unis neu auf die Wiese setzen" - die aber brauche Österreich nicht, glaubt Gerhard Schuhmann.
Allerdings brauche "Österreich in Zukunft sicher nicht weniger aktive Ärzte als heute", meint Thomas Szekeres, Betriebsratsvorsitzender der Medizin-Uni Wien. Die Ausbildung in den Lehrkrankenhäusern sei nicht nur eine "Frage der Architektur, es gibt im Moment auch viel zu wenig Personal, um die Ausbildung zu leisten". Wer A wie Aufstockung der Studienplätze sage, müsse auch F wie Finanzierung des Personals und der Infrastruktur sagen, fordert Szekeres.
"Strukturell falsch"
Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) spricht sicherheitshalber noch im Konjunktiv, da er hofft, dass die rot-grün-blaue Studienplatz-Aufstockung doch nicht umgesetzt wird, denn, so Hahn im Standard-Gespräch: "Wir brauchen ja gar nicht so viele Mediziner." Die EU-Quotenregelung - die 75 Prozent der Plätze für Österreicher, 20 Prozent für EU-Bürger, fünf für Nicht-EU-Bürger reserviert - sei auf den erwarteten Medizinerbedarf Österreichs abgestellt.
Hahn kann sich aber eine Diskussion "über eine moderate Anhebung der Medizin-Plätze, inklusive Zahnmedizin, von 1500 auf 1700 in ein bis zwei Jahren vorstellen".
Sollte das Plus-1050-Medizin-Plätze-Gesetz "wirklich exekutiert werden, kommt man wahrscheinlich um eine vierte Medizin-Uni nicht herum", warnt Hahn. "Dafür müsste mächtig viel Geld in die Hand genommen werden, das wäre strukturell falsch eingesetzt." Eine weitere Medizin-Uni würde laut Hahn die Steuerzahler 250 bis 300 Millionen Euro im Jahr kosten. (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD Printausgabe, 29. Oktober 2008)
Wie kommt man von der Aussage "wir bewältigen die 300 nur mit größter Mühe" auf die Aussage, statt 1050 mehr machen wir halt nur 200-300 mehr.
Die Unis können nicht mehr! Entweder wird dort wirklich mehr investiert, oder die Quote von 1050 muß komplett fallen. Aber lieber Hr. Hahn, eigentlich wäre das ja alles kein Problem, schließlich versprechen die ÖVP Bildungs- und Universitätsminister ja schon seit Jahren mehr Geld für die Unis. Nur passieren tut halt nichts.
wenn da vom "lebenden OBJEKT" die rede is....
das studium ist aktuell nicht schlecht- das prüfungssystem gehört allerdings überdacht.
und was den "ärztemangel" in zukunft angeht: hier wird leider zu wenig differenziert welche fachrichtungen vermehrt benötigt werden und welche eher nicht.
es wird vor allem zur betreuung von alten menschen ein mehr an ärzten notwendig sein.
...können die mediziner auch gleich gar nicht mehr studieren... das jetztige curriculum ist so aufgebaut dass es eine relativ persönliche betreuung mit sich bringt...das ist für mich als med studentin angenehm... medizin ist nicht als massenstudium wie bio durchführbar...davon hat keiner was...wenn deutschland den NC abschafft Österreich für studenten mit nicht österreichischen Reifezeugnis studiengebühren verlangt die dem entsprechen was die asbildung auch kostet, dann ok, dann sollen alle beschränkungen aufgehoben werden, aber sonst ist das doch WAHNSINN!!!!
es gab in wien allein schon über 2000 studienbeginner, das war in dern 80iger so und auch noch in den 90igern so. damals zeichnete sich die fakultät im gegensatz zur heutigen universität dadurch aus, dass sie improvisieren konnte. fast ein jeder der ein minimum an einsatz zeigte, konnte das studium absolvieren, zugegeben teilweise zum preis von hohen drop out quoten. doch selbst wenn man diese berücksichtigt, waren damals die absolventenzahlen höher, als die der heutigen erstsemestrigen. mir ist noch nicht zu ohren gekommen, dass die österreichischen mediziner schlechte sein sollen. eine kleine cilque hat sich durch dieses system ein elitensystem erschaffen. ein armutszeugnis für den österreichischen bildungsstandort.
Mein Gott... Bildung gehört der ÖVP weggenommen.
Das geht gar nicht um die Geldfrage sondern den Schaden möglichst gering zu halten nach der Gehrer. Hahn führt dies in beser Manier fort ...
Warum sind Bildungsstätten nicht ehrgeiziger und wollen möglichst viele möglichst gut ausbilden? Zuerst einmal lautstark jammern und überall Probleme sehen ....
Sehr schlau... waren sie schonmal in einem peripheren Krankenhaus ? Dann müssten sie auch ungefähr wissen wieviel Zeit dort der Durchschnittsarzt hat um Studenten Dinge zu erklären bzw beizubringen... richtig -gar keine ! Nur mit ein bissl Stethoskopschwingen wird man leider noch lange kein guter Arzt
auch in der Uniklinik gibt es Durchschnittsärzte...lernen kann man überall was, es muss ja nicht immer gleich die erste adresse sein :-))...und ein bissl Vorstadtluft würde den angehenden ÄrztInnen ohnehin gut tun, damit sie ein wenig mehr auf der Erde bleiben und den Menschen nicht aus den Augen verlieren, um den es auch geht....vielleicht fallen auch durch diese Variante einige der vielen Untalentierten weg...machbar und vorallem mit geringeren Aufwand finanzierbar müsste dies wohl sein...
jahrelanger övp-gehrer vernichtung.
gehrers erfüllungsgehilfen, die leider noch in amt und würden sind, ver-un-walten derzeit eine völlig am boden liegende med.uni -so zumindest in wien.
wer in den nächsten jahrzehnten einen arzt brauchen sollte, ist sehr arm dran.
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