Kommunalkredit blutet auch in Zypern

28. Oktober 2008, 22:06
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Die Probleme der Bank stammen auch aus Geschäften mit Swaps und anderen Derivaten

Wien - Die Turbulenzen, die den Gemeindefinanzierer Kommunalkredit in die Arme des Staates treiben sind etwas differenzierter als kolportiert. Wie der Standard berichtet hat, braucht das Institut (die Volksbanken haben die Mehrheit, 49 Prozent die französisch-niederländische Dexia) dringend Liquidität: 200 bis 300 Mio. Euro. Der Einstieg des Bundes wird gerade verhandelt; statt eines bis vor kurzem erwarteten Gewinns von rund 70 Mio. wird man heuer einenVerlust von 150 bis 200 Mio. Euro machen.

Neben Island (da geht es, wie berichtet, um 200 Mio.Euro), belasten dieBank auch Probleme in der Slowakei. Dort hat ein Darlehensnehmer angeblich mit falschen Zahlen operiert, es geht um rund 40 Mio.Euro; die lokale Aufsicht untersucht. Dieses Problem hat das Verhältnis zwischen Dexia und Österreichern abgekühlt:Beide mussten je rund 20 Mio. Euro zuschießen, um die Bank liquid zu halten. Zur Erklärung: Die slowakischeBank gehört (wie alle Ost-Töchter) zur Dexia-Kom-Gruppe: Sie steht mehrheitlich im Eigentum der Dexia, 49 Prozent gehören der Kommunalkredit.

Das Epizentrum der Probleme dürfte aber in Limassol auf Zypern sein. Dort ist die 100-Prozent-Tochter Kommunalkredit International Bank daheim; über Limassol laufen alle internationalen Kapitalmarktgeschäfte, die nicht mit Österreich, der Schweiz oder Osteuropa zu tun haben.
Jahrelang war die Zypern-Bank Cash-Cow der Gruppe: Sie holte Milliarden an billigem Geld, zeichnete Anleihen, übernahm Credit Default Swaps in Milliardenhöhe. Zu einemGroßteil betrafen diese Deals laut Kommunalkredit (einst) best geratete Staaten oder Banken. InFolge der Finanzkrise ist das Geschäft jedenfalls völlig ausgetrocknet, das Riesenrad, das da gedreht wurde, ist abrupt gestoppt worden.

Den Bankern fehlt nun das Geld, die Anleihen zurückzuzahlen, die Verpflichtungen aus den Milliarden-Swaps zu erfüllen. Allein für heuer braucht die Kommunalkredit International angeblich zwei Milliarden Euro Liquidität. (gra/DER STANDARD, Printausgabe, 29.10.2008)

 

  • Der Chef der Kommunalkredit, Reinhard Platzer, kämpft gegen den Liquiditätsengpass.
    foto: heribert corn

    Der Chef der Kommunalkredit, Reinhard Platzer, kämpft gegen den Liquiditätsengpass.

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