Biologische Sammlung, besonders wertvoll

28. Oktober 2008, 18:59
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Proben für zukünftige Forschungsprojekte: Biobanken sind eine wichtige Grundlage für Forschungsarbeiten in der Veterinärmedizin

Knochentumoren (Osteosarkome) bei Hunden sind relativ seltene, aber sehr bösartige Erkrankungen, bei denen die meisten Tiere derzeit trotz Behandlung bald an der Krankheit sterben. Viele Fragen zu ihrer Entstehung sind noch ungeklärt. Wenn darüber eine neue Hypothese aufgestellt wird, muss sie an einer genügend großen Anzahl von Fällen überprüft werden, um statistisch haltbare Daten zu bringen. Damit stößt man sehr schnell an Grenzen, weil dieses Material nicht verfügbar ist und erst über Jahre gesammelt werden muss.

Hier kommen die Biobanken ins Spiel: Dabei handelt es sich um Sammlungen von biologischen Materialien wie zum Beispiel Blut, DNA oder Gewebe. Material, das bei medizinischen Untersuchungen oder therapeutischen Maßnahmen im Rahmen von Operationen oder Biopsien anfällt. Um diese wertvollen Proben für zukünftige Forschungsprojekte zu erhalten, werden sie meist in flüssigem Stickstoff bei extrem niedrigen Temperaturen (-196 °C) gelagert und sind damit praktisch unbegrenzt haltbar.

Diese Sammlungen stellen für die Forschung einen unschätzbaren Wert dar. Die Proben beinhalten zahlreiche wichtige molekulare Informationen über die verschiedenen Erkrankungen (z.B. genetische Veränderungen bei bestimmten Krebszellen).

Da sich sowohl die Diagnose- als auch die Therapiemöglichkeiten zunehmend auf die molekulare und genetische Ebene verlagern, gewinnen diese Daten ständig an Bedeutung. Das gilt auch für die Tiermedizin, daher hat die Veterinärmedizinische Universität Wien vergangenes Jahr die Einrichtung einer Biobank (VetBioBank) in Angriff genommen. Mittlerweile wurden mehrere hundert Proben in dieser Sammlung archiviert und so für zukünftige Forschungsprojekte gesichert. Durch die Ähnlichkeit vieler Erkrankungen bei Mensch und Tier, insbesondere bei der Tumorentstehung, können sich hier auch wertvolle Kooperationen zwischen Human- und Veterinärmedizin ergeben.
Ihrer Aufgabe können die Biobanken nur gerecht werden, wenn das in ihnen gesammelte Material von hoher, möglichst standardisierter Qualität ist. Einerseits spielt hier die Behandlung der Probe ab dem Zeitpunkt der Entnahme während der Operation bis zur Einlagerung eine entscheidende Rolle, andererseits die Dokumentation der mit der Probe verknüpften Daten (Alter des Patienten, Diagnosen, usw.).

Obwohl Millionen von Gewebe-Proben bereits in den Archiven der Spitäler vorhanden sind, ist deren Verwendbarkeit und gemeinsame Auswertung nur begrenzt möglich. Diese Einschränkung ergibt sich aus der außerordentlich unterschiedlichen Bearbeitung der Proben vor der Einlagerung und ihrer nichtkompatiblen Datensammlung. Um diese Nachteile in Zukunft zu vermeiden, werden auf europäischer Ebene große Anstrengungen unternommen, um möglichst einheitliche Qualitätsstandards bei der zukünftigen Probenarchivierung zu erreichen.

Im Bereich der humanen Biobanken sind mit der umfangreichen elektronischen Dokumentation und Archivierung der mit einer Probe einhergehenden Daten aus der Sicht des Patienten verständlicherweise gewisse Sorgen begründet, ob diese Daten, zum Nachteil des Patienten, nicht auch an Dritte weitergegeben werden. Ein klar definierter rechtlicher Rahmen und absolute Transparenz in der Probenverwaltung sind daher notwendig, um das Vertrauen der Patienten sicherzustellen und die Biobanken wirklich zum Kapital für die Forschung der Zukunft zu machen. (Ingrid Walter, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. Oktober 2008)

  • Zur PersonDie Histologin Ingrid Walter wurde 1965 in Wels geboren und
studierte Biologie an der Universität Wien. Seit 2007 ist sie Leiterin
der VetBioBank.
    Foto: privat

    Zur Person
    Die Histologin Ingrid Walter wurde 1965 in Wels geboren und studierte Biologie an der Universität Wien. Seit 2007 ist sie Leiterin der VetBioBank.

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