2035 braucht unser Lebensstil zwei Planeten

29. Oktober 2008, 00:01
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"Living Planet Report 2008": Beinahe ein Drittel der natürlichen Ressourcen der Erde wurde seit 1970 aufgebraucht, sagt der WWF - mit Audio-Interviews

Wien / New York - Werden keine drastischen Maßnahmen ergriffen, steuert die Welt auf eine ökologische Krise zu, die selbst die gegenwärtige Finanzkrise und die Gefahr einer Rezession in den Schatten stellt - so die dringlichste Warnung des WWF-Weltumweltberichts "Living Planet Report 2008", der heute weltweit vorgestellt wird.

Die Ressourcen der Erde werden schneller aufgebraucht, als sie erneuert werden können. So sei allein in den vergangenen 35 Jahren beinahe ein Drittel des ökologischen Kapitals der Erde verlorengegangen, heißt es in der aktuellen Studie. "Sollte unser Anspruch an die Erde in diesem Maß steigen, bräuchten wir im Jahre 2035 zwei Planeten, um unseren Lebensstil aufrechtzuerhalten", so die Geschäftsführerin von WWF Österreich, Hildegard Aichberger.

Der Weltumweltbericht des WWF, der alle zwei Jahre erscheint, geht davon aus, dass mehr als drei Viertel aller Menschen heute in Ländern leben, die "ökologische Schuldner sind, deren nationaler Konsum die biologischen Kapazitäten ihres Landes übersteigt". Im internationalen Vergleich liegt Österreich in dieser Liste hinter der Schweiz auf Platz 20. Deutschland landete im Ranking auf dem 30. Platz. Die größten Öko-Schuldner sind die Vereinigten Arabischen Emirate vor den Vereinigten Staaten und Kuwait.

Da besonders die Wasservorräte der Erde durch Klimawandel und Konsumverhalten bedroht sind, wurde heuer eine neue Messzahl - der globale Wasser-Fußabdruck - eingeführt. "Etwa 50 Länder müssen sich derzeit mit Wasserproblemen auseinandersetzen und die Zahl an Menschen, die unter saisonaler oder ganzjähriger Wasserknappheit leiden, wird als Folge des Klimawandels weiter steigen", so der Bericht.

Der Wert beschreibt den Wasserkonsum eines Landes. Neben dem "normalen" Alltagsverbrauch wird auch der Wasserbedarf für die Produktion von Gütern, die importiert werden, eingerechnet. Ein Baumwoll-T-Shirt benötigt beispielsweise in seiner Herstellung durchschnittlich 2900 Liter Wasser, für die Erzeugung von jedem Kilogramm Rindfleisch sind es sogar 15.500 Liter. Rein rechnerisch verbraucht ein Mensch so 1,24 Millionen Liter Wasser pro Jahr, die stärksten Verbraucher sind laut WWF-Liste die Vereinigten Staaten vor Griechenland, Malaysia und Italien.

Explodierende Preise

Akuten Handlungbedarf sehen auch die Vereinten Nationen. Sie warnten, dass die Anzahl der weltweit an Hunger leidenden Menschen im kommenden Jahr auf mehr als eine Milliarde ansteigen wird. Schuld daran seien vor allem die steigenden Lebensmittelpreise. UNO-Schätzungen vom September zufolge hungern derzeit 925 Millionen Menschen. Bei den ursprünglichen Schätzungen für das kommende Jahr sei der dramatische Anstieg der Lebensmittelpreise noch nicht miteinkalkuliert, sagte der UNO-Sonderbeauftragte Olivier De Schutter.

"Seither hungern 44 Millionen Menschen zusätzlich." Die Antwort müsse sein, Lebensmittel leistbarer für die Hungrigen zu machen und nicht einfach das Angebot zu erhöhen. "Wenn die Zahl der Supermärkte in New York verdoppelt wird, werden die Hungrigen dennoch hungrig bleiben, wenn ihr Einkommen nicht erhöht wird." Am härtesten seien weltweit Frauen von der Entwicklung betroffen, Mädchen seien auch die Ersten, die aus der Schule genommen würden, wenn das Leben zu teuer wird. (Marion Gollner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. 10. 2008)

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