Edle Pilze

4. November 2008, 14:28
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Erster Trüffelfund auf einer österreichischen Trüffelplantage - Kulturen des Pilzes sind auch in Österreich möglich

Wien - Seit zehn Jahren arbeitet der Pilzforscher Alexander Urban vom Department für Botanische Systematik und Evolutionsforschung der Universität Wien an Möglichkeiten zur Trüffelzucht in Österreich. 2004 hat er gemeinsam mit dem aus Frankreich stammenden Forstwirt und Trüffelsucher Tony Pla das Start-up-Unternehmen "TrüffelGarten" gegründet. Nun konnten die beiden Experten erstmals - im wahrsten Wortsinn - die Früchte ihrer Arbeit ernten.

Auch in Österreich möglich

Die erste Trüffel in der rund 1.500 Quadratmeter großen Plantage wurde von einem Trüffelhund direkt unter einer etwa mannshohen Baumhasel erschnüffelt. "Damit konnte der Beweis erbracht werden, dass die Trüffelkultur auch in Österreich möglich ist", freut sich der Wissenschafter. Man habe gewusst, dass sich die Plantage gut entwickelt, allerdings würden erst die nächsten Jahre zeigen, wie sich der Ertrag entwickle, so Urban. Die erste "Ernte" nach fünf Jahren "lässt schon hoffen".

Trüffel leben in einer als Mykorrhiza ("Pilzwurzel") bezeichneten Symbiose mit Bäumen. In der Plantage wird diese Symbiose unter kontrollierten Bedingungen hergestellt. Allerdings wächst das Pilzmyzel sehr langsam, speziell auf mageren Böden, wie etwa in Wiener Neustadt, wo die Trüffel am besten gedeihen. Erste Ernten seien deshalb zwischen dem vierten und zehnten Jahr nach der Pflanzung zu erwarten. Bei entsprechend guter Witterung kann das Myzel dann jährlich die edlen Speisepilze hervorbringen.

Ungeklärte Fragen

Der "TrüffelGarten" wurde 2004 vom Universitären Gründerservice INiTs als Start-up gefördert. Mittlerweile müssen aber Urban und sein Kompagnon wieder alleine zurecht kommen. Urban interessiert sich aber nicht nur aus unternehmerischen Gründen für die unterirdisch wachsenden Knollen, sondern vor allem auch aus wissenschaftlicher Sicht. So gebe es noch zahlreiche ungeklärte Fragen, etwa über den Lebenszyklus des Pilzes, also etwa die Abfolge der sexuellen und asexuellen Vermehrung oder das zunehmende Vorkommen von asiatischen Trüffel-Arten, die für die Gastronomie in großen Mengen eingeführt werden, mittlerweile aber auch schon wild vorkommen. Jedenfalls sei die Trüffel im Vergleich mit anderen Nutzpflanzen noch fast überhaupt nicht beforscht, so Urban.

In Österreich ist rund ein Dutzend Trüffelarten nachgewiesen, wobei aber nur wenige essbar sind. In anderen Ländern, etwa Italien, gibt es schon länger Trüffelplantagen, mit dem Erfolg in der Wiener Neustädter Plantage sei nun gezeigt worden, dass der auch in unseren Breiten möglich sei. (APA)

 

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