RHI überrascht mit guten Quartalszahlen und Chefwechsel

28. Oktober 2008, 11:45
8 Postings

CEO Andreas Meier verlässt das Unternehmen kurzfristig in Richtung Brüssel - Umsatz und Ertrag in den ersten drei Quartalen wurden deutlich verbessert

Wien - Der börsenotierte Feuerfestkonzern RHI hat Montag am späten Abend mit einem kurzfristig bekanntgegebenen Chefwechsel und vorgezogenen Quartalszahlen überrascht. Unternehmenschef Andreas Meier verlässt das Unternehmen spätestens per Ende März 2009 und geht nach Brüssel. Er bleibt in der Branche tätig und wird CEO bei der belgischen Lhoist, dem Weltmarktführer im Kalk- und Dolomitbereich. Meier war seit 23 Jahren bei der RHI tätig - seit 1999 im Vorstand, seit Anfang 2007 an der Unternehmensspitze. Er lässt erfreuliche Quartalszahlen und finanzkrisenbedingt massive Kurseinbrüche hinter sich.

Trotz der angespannten Situation auf den Rohstoffmärkten und erheblichen Preiserhöhungen bei Energie und Transport erzielte RHI in den ersten drei Quartalen 2008 inmitten der Finanzkrise zweistellige Wachstumsraten bei Umsatz und Ergebnis. Die RHI gab die Teuerungen in Form von effektiven Preiserhöhungen von rund 7 Prozent an ihre Kunden weiter - im ersten Quartal hatte sie die Preise um nur 3 Prozent (effektiv) erhöht.

Die Verkaufserlöse erhöhten sich in den ersten neun Monaten gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 12,4 Prozent auf 1,22 Mrd. Euro. Der Nettogewinn kletterte um 31,1 Prozent auf 107,2 Mio. Euro. Das unverwässerte Ergebnis je Aktie legte um 26,2 Prozent auf 2,84 Euro zu. Die Aussichten für das Gesamtjahr sind den Unternehmensangaben zufolge nach wie vor zufriedenstellend, jene für 2009 allerdings "gedämpft". Aufgrund "signifikanter Produktionsrücknahmen in der Stahlindustrie" würden sich die heuer bisher ausgewiesenen Wachstumsraten voraussichtlich nicht fortsetzen.

Aussichten für 2009 gedämpft

"Das Unternehmen ist gut aufgestellt - auch für schwierige Zeiten", sagte Noch-RHI-Chef Meier am Dienstag. Das Eigenkapital, das Ende Juni 2006 erstmalig wieder positiv war, sei per Ende September 2008 auf 203,4 Mio. Euro gestiegen. Die Finanzverbindlichkeiten verringerten sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 502,8 auf 448,3 Mio. Euro brutto - unter Einbeziehung der liquiden Mittel von 476 auf 383,9 Mio. Euro.

Der operative Gewinn (EBIT) legte um 19,6 Prozent auf 148 Mio. Euro zu. Die EBIT-Marge verbesserte sich von 11,4 auf 12,1 Prozent. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg um 15,1 Prozent auf 184,9 Mio. Euro. Weitaus weniger erfreulich verlief die Entwicklung des Aktienkurses, der seit Jahresanfang um fast 55 Prozent auf 12,7 Euro je Anteilsschein nachgab. Damit sank der Börsenwert der RHI heuer auf rund 480 Mio. Euro.

Stahlindustrie drosselt Produktion

Die weitere Entwicklung der Division Stahl in 2009 wird laut RHI stark vom globalen Umfeld abhängen, wobei die Beschäftigung im Automotiv-, Bau- und Maschinenbausektor für ihre Abnehmerindustrie entscheidend sei. "Derzeit reduziert die Stahlindustrie massiv die Produktion - das geht radikal nach unten, weil niemand mehr Stahl bestellt", so Meier. Dieser Einbruch habe in den vergangenen zwei bis drei Wochen eingesetzt.

In der Division Industrial bleibe abzuwarten, ob es zu Projektverschiebungen kommen werde. Während die Immobilienkrise in einigen Regionen der Welt auf den Zementverbrauch drücke, sehe man aktuell in der Glasindustrie wenige Auswirkungen der Finanzkrise auf geplante Investitionen.

Größere Investitionsprojekte speziell bei Nickel, Kupfer und Zink stehen unter dem Einfluss der stark gesunkenen Metall- und Legierungspreise und führen zu Auftragsverschiebungen. Die Division Rohstoffe/Produktion wird in den nächsten Monaten noch unter den hohen Energie- und Rohstoffpreisen leiden. Die zusätzliche Versorgung mit eigenen Rohstoffen aus China werde sich 2009 positiv auswirken. Vorerst spiegelten sich die Finalisierungskosten im chinesischen Rohstoffwerk im negativen Cash-Flow aus der Investitionstätigkeit der ersten drei Quartale 2008 (-57,5 Mio. Euro) wider. (APA)

  • Andreas Meier kehrt RHI den Rücken.
    foto: standard/regine hendrich

    Andreas Meier kehrt RHI den Rücken.

Share if you care.