Smart per Handy mieten - und einfach stehen lassen

28. Oktober 2008, 08:32
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Mal im Vorbeigehen ein Auto mieten und nach Gebrauch es einfach woanders abstellen: Mit einem innovativen Konzept will Daimler Carsharing einen neuen Kick geben und das Smart-Geschäft beleben.

Was mit Zweirädern (mehr oder weniger gut) funktioniert, warum sollte das nicht auch mit vierrädrigen Gefährten, sprich Autos, möglich sein: Sie in Ballungszentren für eine Fahrt kurzfristig mieten und in der Nähe des Zielorts einfach wieder abstellen? "car2go" nennt sich ein neues Carsharingprojekt, das der Autohersteller Daimler am Wochenende in der schwäbischen Donaustadt Ulm mit 50 Smarts fortwo gestartet hat.

Ablauf

Und so funktioniert es: Im Stadtgebiet werden flächendeckend die spritsparenden Zweisitzer bereitgestellt. Nach einmaliger Registrierung können die Nutzer auf die Fahrzeuge zugreifen und beliebig lange fahren. Dabei sieht das Konzept vor, dass innerhalb weniger Gehminuten immer zuverlässig ein freies Fahrzeug zur Verfügung steht. Der Nutzer steigt ein, kann sofort losfahren und stellt den Miet-Smart nach Fahrtende einfach auf einen Stellplatz innerhalb des Stadtgebiets zurück.

Abrechnung

Die Abrechnung funktioniert dabei so einfach wie mobiles Telefonieren: Abgerechnet wird im Minutentakt. Für das Pilotprojekt in Ulm kalkuliert Daimler erst einmal mit 19 Cent pro Minute, für die Stunde gilt ein Höchstpreis von 9,90 Euro, und pro Tag werden maximal 49,90 Euro fällig. Verwaltung, Versicherung, selbst der Sprit ist inklusive.

Bei der Anmeldung zu car2go - zum Beispiel am Bahnhof, im Rathaus oder in der Fußgängerzone - wird der Führerschein des Nutzers mit einem Funkchip versehen, der als "Smart-öffne-Dich" bei allen Fahrzeugen funktioniert.

Vom Fleck weg nutzen

Zu seinem Leihwagen kann der Nutzer auf unterschiedlichen Wegen kommen. Zum Beispiel ganz spontan: Wo immer ein freier Smart steht, kann er diesen "vom Fleck weg" mieten. Dazu hält er seinen Führerschein an ein Lesegerät im Bereich der Windschutzscheibe, steigt ein, entnimmt dem Handschuhfach den Schlüssel, tippt im Fahrzeug seine persönliche Geheimzahl ein und fährt los.

Freie Fahrzeuge können auch über das Internet oder eine Telefon-Service-Hotline aufgefunden werden. Alternativ zur Spontanmiete ist eine Buchung bis zu 24 Stunden im Voraus möglich. In diesem Fall erhält der Nutzer rechtzeitig vor der geplanten Abfahrt eine SMS mit dem Standort des reservierten Fahrzeugs.

Miete

Die Mietzeit kann beliebig lange dauern. Während der Zwischenstopps - wie etwa beim Einkaufen - bleibt das Fahrzeug für den Teilnehmer durch das Verriegeln mit dem Zündschlüssel reserviert.

Dass ein jeder Kunde bei jeder Fahrt ein einwandfrei sauberes und schadenfreies Fahrzeug vorfindet, dafür sorgt ein Serviceteam, das die Autos wartet und betankt. Dieses ist per GPS (globales Positionsbestimmungssystem) über die Position des Fahrzeugs informiert. Auch die Strafzettel-Frage ist geklärt: Wer falsch parkt, zahlt.

Testphase

Nutznießer des Carsharing-Konzepts sind derzeit die rund 400 Mitarbeiter des Ulmer Forschungsstandorts von Daimler. In einer zweiten Phase sollen im Frühjahr 2009 deutlich mehr Autos bereitgestellt werden und das Projekt auch für "Otto Normalverbraucher" geöffnet werden. Eine Ausdehnung des Versuchs auf andere Städte ist derzeit nicht geplant.

Seitens Daimler wird beteuert, mit den smarten Mietautos keine Konkurrenz zu Taxis aufbauen zu wollen - schließlich gehören diese ja vielfach zur Stammklientel des Autoherstellers. Eingesetzt werden derzeit Smart mit Dieselmotoren. Konsequent wird nach Auffassung von Verkehrs- und Umweltexperten das Projekt jedoch nur, wenn man künftig auf Elektro- oder zumindest Hybrid-Smarts setzt.

Nutzen

Schlägt car2go ein und geht dann doch auf (internationale) Städtetour, bedeutet dies für Daimler sicher auch eins: Rückenwind, Präsenz und wohl auch nennenswerte Mehrverkäufe für die Marke Smart. (Karin Tzschentke / DER STANDARD Printausgabe, 28.10.2008)

  • Artikelbild
    foto: daimler
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