
Die Bagger am Bettlerkopf stehen still. Der Zusammenschluss der Skigebiete Mellau und Damüls interessiert nun die EU.
Nun prüft die EU das Projekt.
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Mellau - Damals, als die Vorarlberger Geistlichkeit etwas gegen den Twist und andere unmoralische Bewegungen hatte, war Mellau weltweit als "sündiges Dorf" berühmt. Im schicken Bregenzerwälder Wintersportort gab man sich modern und international, widersetzte sich dem Bischof. Lange zehrten die Mellauer vom Ruhm der Sixties und mussten schließlich erkennen, dass sie die Nachbarorte längst touristisch überholt hatten. Der Zusammenschluss der Skigebiete Mellau und Damüls sollte die Lösung der wirtschaftlichen Probleme bringen.
Im Winter 2009/2010 wollten Mellau und Damüls ihr neues Skigebiet eröffnen. Wollten, denn die Bagger hoch oben am Bettlerkopf stehen still. Schuld daran sind, glaubt man den Projektbefürwortern, die Umweltschützer.
Für die Verzögerung des 22-Millionen-Euro-Projekts gibt es mehrere Gründe: Für die Deponierung des Abbaumaterials am Bettlerkopf wurde keine Genehmigung eingeholt. Die Beschwerde der Naturschutzanwaltschaft über die geplante Deponie im Hochmoor liegt beim Unabhängigen Verwaltungssenat. Das "Aktionskomitee gegen die geplante Skigebietsneuerschließung" war im EU-Petitionsausschuss erfolgreich. Das Fehlen einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) irritiert die EU-Politiker. Im Frühling will eine Delegation das Projekt an Ort und Stelle prüfen. Herbert Frick, Mehrheitseigentümer der Bergbahnen Mellau ist der Resignation nahe: "Wir können uns nicht rühren." Das Projekt werde sich weiter verzögern.
Auch die Geologie macht den Betreibern das Bauen schwer. "Beim Sprengen sind ihnen die Felsbrocken um die Ohren geflogen", munkelt man im Dorf. Das Gelände sei "geologisch außer Kontrolle", wollen Naturschützer wissen. "Die oberen Felsschichten sind lockerer als gedacht", sagt Frick. "Adaptierungen sind notwendig, sagt Geologe Pius Manser, "aber das ist bei einem solchen Projekt normal." Die Pistenführung bleibe gleich, müsse aber an die geologische Situation angepasst werden, was das Projekt verteuern könnte. Vom Bau eines Skitunnels, wie von den Betreibern immer wieder diskutiert, rät der Geologe ab.
Stopp am Berg, Bau im Tal
Emsig gebaut wird hingegen im Dorf selbst. Dort, wo früher die legendäre Sonnenwirtin Margret Bischofberger ihre Gäste twisten ließ, entsteht ein Luxushotel. Zehn Millionen Euro investiert Norbert Bischofberger, ein in den USA als Chemiker erfolgreicher Sohn der bekannten Wirtin, in das "Sonne Lifestyle Resort". Das Spa-Hotel der Kategorie Vier Sterne plus wird im Dezember eröffnet. "Natürlich hätten wir gerne den Anfangshype des neuen Skigebiets genützt", sagt Hoteldirektor Klaus Riezler. Die Skigebietserweiterung sei für den Ort aber wichtiger als für das neue Hotel. Für manche Gastronomen, so der Obmann der Gastwirtevereinigung, sei sie "eine Frage der Existenz", denn Banken würden Kreditvergaben vom Bau des Skigebiets abhängig machen. (Jutta Berger/DER STANDARD-Printausgabe, 28.10.2008)
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