Angriffslustig und reaktionsschnell

27. Oktober 2008, 18:22
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Fröhliches Gedenken: Handverlesener Slapstick zu Ehren von Manny Farber

Lachen, bis es wehtut: Auf diese Devise allein lässt sich vermutlich kein gan- zes Leben als Chronist des Kinos aufbauen. Aber es ist eine passende Überschrift für das kleine Filmprogramm, mit dem die Viennale an Manny Farber erinnert, den US-Kritiker und Maler, der kürzlich 91-jährig gestorben ist.

Lachen, bis es wehtut führt in eine Zeit des Kinos, in der es noch sehr nah an den billigen Vergnügungen war, die vom bürgerlichen Publikum anfangs geringschätzig aufgenommen wurden. Für Farber, der seine wichtigsten Texte in den 50er- und 60er-Jahren schrieb, lag jedoch in der physischen Komik und in der Reaktionsschnelligkeit der Protagonisten ein zentrales Motiv: Er wandte sich später gegen Gravität und Pathos, gegen Schauspieler, die Sinn auf ihre Gesichter schrieben, und gegen Regisseure, die deklamatorisch und schwerfällig ihre Kunst ausstellten.

Er erfand dafür sprechende Begriffe: "weiße Elefantenkunst" oder auch "Wasserbüffelkunst" war ihm verhasst, er favorisierte stattdessen - in seinem berühmtesten Text White-Elephant Art vs. Termite Art - eine "termitische Kunst", eine Kunst, die unter der Oberfläche lebendig war und auf subversive Weise nicht überdeutlich auf sich aufmerksam machte.

Farber entwickelte so unter der Kategorie Underground-Film seine eigene Version dessen, was wenig später in Frankreich die "Politik der Autoren" werden sollte: Er schrieb in die Hollywood-Produktion seiner Zeit eine Linie des "virilen Actionfilms" ein, die er mit Namen wie Raoul Walsh, Samuel Fuller, Phil Karlson verband und die ihm zur Abgrenzung von angesehenen Künstlern wie Fred Zinneman half. Immer wieder bezog er sich in seinem Schreiben auf Malerei, der Blick auf abstrakte Bilder schärfte seine Sensibilität für Nuancen, die dem Publikum häufig entgingen.

Niemand schrieb außerdem besser (und angriffslustiger) über Schauspieler. Bei alldem war Farbers Stil das, was ihn eigentlich auszeichnete - und irgendwann auch zum Verstummen brachte: Er schrieb selbst "termitisch", anspielungs- und invektivenreich, er spielte riskant mit Begriffen und passte irgendwann nicht mehr in die amerikanische intellektuelle Landschaft. Er zog sich zurück, malte. Nach seinem Tod müssen seine Texte dafür sorgen, dass er nicht zum Wasserbüffel wird. (Bert Rebhandl, SPEZIAL - DER STANDARD/Printausgabe, 28.10.2008)

28. 10., Metro, 18.30

  • Ein Filmprogramm, eingeleitet von Jean-Pierre Gorin, erinnert an Manny Farber, der im August 91-jährig verstarb.
    foto: viennale

    Ein Filmprogramm, eingeleitet von Jean-Pierre Gorin, erinnert an Manny Farber, der im August 91-jährig verstarb.

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