Kopf des Tages: Reinhard Platzer

27. Oktober 2008, 18:02
62 Postings

Kommunalkredit-Steuermann konnte die Krise nicht umschiffen

Manchmal empfiehlt es sich, die Dinge ganz pragmatisch zu sehen. Jetzt, in der größten aller Finanzkrisen, ist so ein Zeitpunkt gekommen. Seit Tagen lässt ein österreichischer Banker dem anderen den Vortritt, wenn es darum geht, als Erster unter den Rettungsschirm zu flüchten, den die Steuerzahler über den Banken aufgespannt haben. Hero oder Loser - die Frage stelle sich nicht, argumentiert im Bekanntenkreis jener, der nun als Erster die Reißleine ziehen musste: Reinhard Platzer, 54-jähriger Chef der Kommunalkredit.

Nachdem es das Gesetz nun einmal gebe und seine Bank nun einmal davon profitieren würde, gelte es, das Unvermeidliche zu tun, und zwar schnell.

Ein Schritt, der den Bekanntheitsgrad des begabten Netzwerkers über Nacht ziemlich gesteigert hat - jedenfalls außerhalb der Zäune der kleinen und bisher recht gemütlichen österreichischen Bankerwelt. In Letzterer kennt man den ehrgeizigen Innsbrucker schon lange, hat er doch gleich nach seinem Betriebswirtschaftsstudium 1979 in der Creditanstalt zu arbeiten begonnen und dann, ab 1984 Sprosse für Sprosse die Karriereleiter beim Spezialfinanzierer Investkredit (und dieser gehörte damals den großen Banken) erklommen.

"Wachsen, wachsen, wachsen" war ab 1995 als Chef der Kommunalkredit dann auch sein Motto. Der Vater zweier Töchter verleibte der Bank den Umwelt- und Wasserwirtschaftsfonds ein, holte sich da unbezahlbar wertvolle Kontakte - in Bundesländern und Gemeinden. Binnen weniger Jahre machte der Kunstliebhaber und Gemäldesammler aus der Nischenbank, deren Vorstand auch Kunstministerin Claudia Schmied entstammt, ein Institut mit 35 Milliarden Euro Bilanzsumme und Tochter für Südosteuropa.

Die Zeitläufte der Wirtschaftspolitik und EU-Budgetvorschriften spielten dem Banker, der aus der Bankzentrale in Wien-Alsergrund ein mittleres Museum moderner Kunst machte, das Geschäft mit Land und Ländern gleichsam in die Hände: Je mehr sich der Staat (maastrichtbedingt) als Geldgeber entzog, desto besser lief es für Platzer und seine Truppe.

Bis September, als die Finanzkrise das Geschäftsmodell zum Auslaufmodell machte. Gefeiert wurde trotzdem, am 2. Oktober. Da richtete der begeisterte Bootsfahrer ein Riesenfest aus, zum 50er seiner Bank. Dass rundherum Banken, und zwar auch sein Minderheitsaktionär Dexia, ertranken, focht ihn nicht an; von Titanic-Stimmung wollte er nichts wissen. (Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe, 28.10.2008)

  • Reinhard Platzer muss für die Kommunalkredit um Geld bitten.
    foto: der standard/fischer

    Reinhard Platzer muss für die Kommunalkredit um Geld bitten.

Share if you care.