Suppe 3.-, Hauptspeise 5.-, Dessert 3.-

4. November 2008, 17:00
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In Zeiten wie diesen empfiehlt Bernhard Hlavicka einen günstigen Klassiker am Stubenring: das Hedrich, ein Kochstar a.D.

In Zeiten wie diesen, wenn die Börsenkurse schneller als Fallobst purzeln und Gürtel-enger-Schnallen als Wort des Jahres bereits fest zu stehen scheint, bleiben dem kulinarisch interessierten Menschen zwei Möglichkeiten. Man kann sein ganzes Vermögen in Wein statt in Aktien anlegen. Bei Kursschwankungen der Weinpreise kann man sein Anlagevermögen dann immer noch austrinken. Oder man besinnt sich der wenigen, guten Lokale, die mit minimalem Einsatz das Beste machen und dabei mehr als preiswert bleiben.

In unmittelbarer Nähe der Urania am Stubenring gibt es seit Jahrzehnten ein Lokal namens Hedrich. Es ist nicht besonders groß, hat fünf Nischentische und drei freistehende Tische und eine Schank, alles im Stil der 70er, schnörkellos. Aus der Küche blickt Herr Hedrich, hinter der Schank steht seine Frau. Die beiden schupfen den Laden mit Übersicht.

Übersichtliche Karte

Die Karte ist kurz und bündig. Es gibt Suppen, drei oder vier, dabei eine Krebsensuppe - ausgezeichnet. Und ein paar Hauptspeisen wie ein feines, saftiges Butterschnitzel mit Erdäpfel-Vogerlsalat, oder gebackener Wolfsbarsch mit dem selben Salat, Schinkenknöderln oder Reisfleisch, Rahmlinsen mit Knödel und Nachspeisen wie Walhnußauflauf mit Nougatcreme - sehr fein und sehr süß - oder vier verschiedene Variationen von Buchteln. Auch der gute, alte Maronireis findet sich.

All dies kommt in einfacher, sehr guter Qualität auf den Tisch. Dazu gibt es Zwettlerbier oder sehr guten glasweisen Wein. Zur Saison auch ein Glas Sturm. Sehr charmant und zuvorkommend altmodisch herzlich. Es ist keinesfalls cool, wird aber von einem ordentlichen Hauch Kultcharakter umweht.

Höhepunkt Preis

Der Höhepunkt beim Hedrich sind die Preise. Die Suppen kosten 3,-, die Hauptspeisen zwischen 5,- und 6,-, die Nachspeisen wieder 3,- oder 4,- Euro. Ein kleines Bier kostet 2,-.

Zur Mittagszeit werden die in den umliegenden Büros arbeitenden wohl des öfteren zum Hedrich gehen, statt in die Kantine. Abends ist dann weniger los. Wochenends geschlossen.

Vor vielen Jahren, in den achtzigern, als die Wirtschaftslage noch besser war, gab es den Hedrich schon. Damals war er einer der Stars von Wien, kochte mehrgängige, geniale Menüs und war auch schon günstig.

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

  • Hedrich1010 WienStubenring 2Telefon: 01/5129588
    foto: wikipedia.org/gerhard juengling

    Hedrich
    1010 Wien
    Stubenring 2
    Telefon: 01/5129588

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