Interview mit Josef Pröll: "Wollte rasch abwickeln"

27. Oktober 2008, 17:43
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Die Staatshilfe für die AUA hat die ÖVP ziemlich überrascht. Ihr designierter Parteichef Josef Pröll gibt offen zu, dass ihm ein Zuschlag an die deutsche Lufthansa lieber gewesen wäre

STANDARD: ÖVP-Vertreter haben sich beim AUA-Verkauf für den Zuschlag an die Lufthansa ausgesprochen. Sie auch?

Pröll: Ich bin für eine zügige Abwicklung des Privatisierungsprozesses eingetreten. Aber diese Linie war beim Koalitionspartner nicht konsensfähig.

STANDARD: Wie geht es jetzt mit der AUAweiter?

Pröll:Das Kaufangebot der Lufthansa muss der Regierung im Detail erklärt werden. Wir brauchen eine exakte Evaluierung, warum der Steuerzahler jetzt zur Kasse gebeten werden soll.

STANDARD: Es verwundert, dass eine noch bis vor kurzem angeblich sanierte Airline nun dringend 500 Millionen Euro vom Staat benötigt.

Pröll: Ich bin darüber ebenso ernüchtert wie überrascht. Wir werden uns sicher genau anschauen, was da in der AUA und in den Aufsichtsgremien gelaufen ist.

STANDARD: Könnte der Schaden fürs Budget noch steigen?

Pröll: Für mich ist eines klar: Wenn wir die Frist für den Verkauf verlängern, darf der Steuerzahler gegenüber dem Stand von heute um keinen Cent mehr belastet werden. Die Situation ist dramatisch genug. Sie darf nicht noch zusätzlich auf dem Rücken der Österreicher und Österreicherinnen ausgetragen werden. (as, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.10.2008)

Zur Person

Josef Pröll (40) ist designierter VP-Chef, Landwirtschafts- und Umweltminister. Foto: APA

  • Josef Pröll: "Für mich ist eines klar: Wenn wir die Frist für den Verkauf verlängern,
darf der Steuerzahler gegenüber dem Stand von heute um keinen Cent mehr
belastet werden."
    foto: standard/matthias cremer

    Josef Pröll: "Für mich ist eines klar: Wenn wir die Frist für den Verkauf verlängern, darf der Steuerzahler gegenüber dem Stand von heute um keinen Cent mehr belastet werden."

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