Der Fluss verborgener Welten im "Universum"

27. Oktober 2008, 17:29
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Ein Naturschatz nicht weit von Wien: Zwei Jahre erforschte Franz Hafner die March-Auen, zu sehen am Dienstag, 20.15 Uhr

Wald, von Wasser durchdrungen, Lichtungen als kleine Seen, sattes, triefendes Grün: Man könnte sich hier am Amazonas wähnen, stattdessen durchpflügen prachtvolle Rothirsche, das eben erst gewachsene Geweih stolz emporhebend, durch die glitzernden Wasserstraßen; stapfen Wildschweine schmatzend durch die sumpfigen Ufertümpel.

In seinem Dokumentarfilm "Fluss ohne Grenzen" zeigt Franz Hafner die Auenwildnis an der March - jenes unfassbar schöne, wildromantische Rückzugsgebiet für hunderte Tierarten, das sich als grüner Gürtel zwischen Österreich und die Slowakei gelegt hat. Es ist dies die letzte ungezähmte Flusslandschaft dieser Größe in Europa. Das regelmäßige Hochwasser verliert sich hier seenartig in den breiten Auen: Man sieht hier Wälder, sagt Hafner, die "regelmäßig ein Fußbad nehmen". Das Wasser verändert aber auch die Lebensgewohnheiten der Tiere. Die an der March angesiedelten Graugänse etwa, normalerweise Bodenbrüter, haben es gelernt, ihre Nester in den Baumkronen zu erbauen. Fette Wildkarpfen verlassen während der Überschwemmungen das ursprüngliche Flussbett und schlängeln sich auf den überfluteten Wiesen zwischen Grashalmen hindurch - wenn es dann länger nicht regnet, müssen sie schauen, dass sie rechtzeitig zum eigentlichen Fluss zurückkehren, sonst sind sie ein schnelles Futter für Füchse und Wildschweine. Wenige Tage später watscheln die kleinen Graugänse über diese Wiese, die eben noch ein See war.

Der hervorragende Film Hafners bereichert um vielerlei Erkenntnis: Wie viele sonst in die Enge getriebene seltene Tierarten sich hier in dieser Auenlandschaft ausbreiten können, möchte man im nicht weit entfernt liegenden Wien kaum vermuten. (Isabella Hager, DER STANDARD; Printausgabe, 28.10.2008)

 

Universum mit "Fluss ohne Grenzen", am Dienstag, 20.15, ORF 2

  •  Franz Hafner (Regie, links im Bild) und Dietrich Heller (Kamera).
    foto: orf/interspot

    Franz Hafner (Regie, links im Bild) und Dietrich Heller (Kamera).

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