Kämpfe und Massenflucht: UN-Truppen machtlos

28. Oktober 2008, 17:47
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Truppen des Tutsi-Rebellengenerals Nkunda rücken auf Provinzhauptstadt Goma vor - Zehntausende auf der Flucht

Goma - Nach Beginn einer Offensive im Osten des Kongo nähern sich Kämpfer des Tutsi-Rebellenführers Laurent Nkunda der Hauptstadt der Provinz Nord-Kivu, Goma. Zehntausende Zivilisten befinden sich auf der Flucht. Nkundas Miliz "Nationalkongress zur Verteidigung des Volkes" (CNDP) vertrieb die Armee aus einem ihrer Stützpunkte und griff bereits das rund 20 Kilometer von Goma entfernte Dorf Kibumba an. Die Städte Rutshuru und Kiwanja seien besetzt, sagte ein Sprecher der Rebellen. Als Nächstes wollten sie Goma selbst angreifen.

Die CNDP, die 2006 zum Schutz ostkongolesischer Tutsi vor Hutu-Milizen aus Ruanda gegründet wurde, ist längst ein Sammelbecken für Unzufriedene mit starkem Zulauf und beträchtlichem Erfolg. Bereits im Vorjahr waren die Rebellen gegen Regierungstruppen vorgegangen. Das Friedensabkommen vom Jänner, das die Entwaffnung der Milizen vorsieht, wurde kaum umgesetzt. Gleichzeitig steigen die Spannungen zwischen Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo durch den Konflikt in Kivu.

Kürzlich warf der kongolesische Präsident Joseph Kabila Ruanda vor, Truppen zur Unterstützung der Rebellen in den Kongo entsandt zu haben. Das Tutsi-Regime der ruandischen Regierung wiederum beschuldigt den Kongo seit Jahren, mit den Hutu-Milizen zusammenzuarbeiten, die für den Genozid 1994 verantwortlich seien. Die Nkunda-Miliz CNDP steht mit denselben Vorwürfen auf der Seite Ruandas.

Seit August sind aus Nordkivu rund 100.000 Menschen geflohen. Dem CNDP-Sprecher zufolge brachten sich allein seit Samstag 10.000 Menschen vor den Kämpfen in Sicherheit. In Goma hatten Demonstranten gegen die Untätigkeit der UN-Mission Monuc angesichts der vorrückenden Nkunda-Rebellen demonstriert. Vor dem UN-Hauptquartier wurde ein Mensch getötet, das Gebäude mit Steinen beworfen. Am Montagabend hatten Soldaten der Monuc dann in die Kämpfe mit den Rebellen eingegriffen. Die UN-Truppen unterstützten die Regierungsarmee mit Kampfhubschraubern und gepanzerten Fahrzeugen. Zuletzt setzte die Blauhelmtruppe im Dezember Kampfhubschrauber gegen Rebellen ein, um die Zivilbevölkerung zu schützen.

Zwischen den Fronten

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte die gezielten Rebellenangriffe auf die Blauhelmsoldaten. Geschwächt wurde die Monuc auch durch den Rücktritt ihres erst seit sieben Wochen amtierenden Kommandeurs Vicente Diaz de Villegas. Die Monuc wurde Ende 1999 ins Leben gerufen. Anlass war der Kongokrieg von 1998 bis 2002, in dem sich Regierungstruppen, Rebellen und Einheiten von benachbarten afrikanischen Staaten gegenüberstanden. In Kämpfe zwischen ruandischen und ugandischen Truppen griffen die Blauhelme damals nicht ein.

Erst nachdem die Monuc wiederholt von Rebellen beschossen und etliche UN-Soldaten getötet worden waren, wurde der Truppe durch ein Mandat nach Kapitel VII der UN-Charta erlaubt, Gewalt einzusetzen. Einige Male wurden der Monuc Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Pakistanische Soldaten sollen sich laut BBC an illegalem Gold- und Waffenhandel mit Milizen in Ituri beteiligt haben. (Reuters, AFP/DER STANDARD, Printausgabe, 29.10.2008)

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    Kongolesen auf der Flucht vor den vorrückenden Rebellen, Panzer der UN-Friedenstruppen kommen ihnen entgegen.

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    Die Bewohner des Dorfes Kibumba in der Nähe von Goma sollen bereits alle geflohen sein. Bisher waren die Rebellen von Laurent Nkunda gegen die Regierungstruppen und UN-Soldaten erfolgreich

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