"Es kann existenzbedrohend werden"

27. Oktober 2008, 14:36
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FH sehen nach Abschaffung der Uni-Gebühren Wettbewerbsnachteil - FH-Präsident:"Bund muss ins Tascherl greifen"

"Warum soll jemand, der Wirtschaftsingenieur werden will, eine Fachhochschule besuchen und Gebühren dafür bezahlen, wenn er das auch an einer Universität tun kann, die kein Geld dafür verlangt?" FH-Präsident Werner Jungwirth bringt das Dilemma, in dem sich die Fachhochschulen nach der Abschaffung der universitären Studiengebühren möglicherweise bald befinden werden, im Gespräch mit derStandard.at auf den Punkt. Vor allem FH-Studiengänge, deren Fachbereiche auch an Universitäten angeboten werden, werden vorraussichtlich Einbrüche bei den Studierendenzahlen erleben.

Mehr Geld vom Bund nötig

Eine Abschaffung der Gebühren kann oder will man sich derzeit in vielen Bundesländern nicht leisten, denn woher das Geld nehmen, das dadurch entfällt? Die studienplatzbezogene Förderung des Bundes sei seit 1993 trotz steigender Inflation nicht angehoben worden, sagt Jungwirth. Hier habe man dieses Jahr aber mit den Wissenschaftsministerium eine Erhöhung um 15 Prozent ausverhandeln können. Ein Entschließungsantrag bei der Nationalratssitzung am 24. September sieht jetzt sogar eine Erhöhung um 34 Prozent vor. Was für die neue Regierung allerdings gelten wird, ist unklar. "Sollte die Förderung des Bundes um 34 Prozent erhöht werden, dann können wir sicher auch auf die Einhebung der Studiengebühren verzichten", meint Jungwirth. "Ich gehe davon aus, dass dafür eine Verzichtserklärung unterschrieben werden muss, in der man klarstellt, dass man aufgrund der erhöhten Beiträge vom Bund keine Studiengebühren mehr einheben wird."

Wettbewerbsverzerrung

Sollte die Förderung des Bundes nur auf 15 Prozent angehoben werden, werden viele Fachhochschulen im Gegensatz zu den Universitäten weiterhin Studiengebühren einheben müssen. Dann käme es zu einer Wettbewerbsverzerrung, so Jungwirth. "In weiterer Folge kann es auch existenzbedrohend werden", glaubt er.  Da die studienplatzbezogene Förderung nur für wirklich belegte Studienplätze ausbezahlt wird, könnte sich durch ein Abwandern der Studierenden auf die Unis auch die finanzielle Situation der Fachhochschulen verschlechtern. 

ECTS-Berechnung macht keine Unterschied

Dass es auch ohne Studiengebühren geht, zeigen derzeit die Bundesländer Oberösterreich, Burgenland. Hier haben sich die Länder dazu bereit erklärt, das entfallene Geld zur Verfügung zu stellen. An der FH Joanneum wird ebenfalls keine Gebühr und in Vorarlberg überlegt man ebenfalls auf sie zu verzichten. Eine neue Verrechnung der Studiengebühren nach ECTS-Punkten, würde an den Fachhochschulen nicht viel ändern. "Es ist ja an den FH's von Haus aus klar, wie viele ECTS Punkte man pro Semester machen muss. Letztendlich ist es egal, wie es verrechnet wird", erklärt der FH-Präsident.

Die ungewisse finanzielle Zukunft beschäftigt nicht nur die Universitäten sondern auch die Fachhochschulen. "Es ist eine schwierige Situation für alle Beteiligten", sagt Jungwirth. Er hofft, dass der Bund dazu bereit ist "ins Tascherl zu greifen". Es brauche sowieso einen langfristigen Finanzierungs- und Entwicklungsplan für die Fachhochschulen, denn dieser würde 2010 auslaufen. "Wir werden alles daran setzen, dass man diese Problematik im Zuge der Koalitionsgespräche auch berücksichtigt", verspricht Jungwirth. (Teresa Eder/derStandard.at, 27.10.2008)

  • FH-Präsident Werner Jungwirth: "Sollte die Förderung des Bundes um 34 Prozent erhöht werden, dann können wir
sicher auch auf die Einhebung der Studiengebühren verzichten."
    foto: fachhochschulkonferenz

    FH-Präsident Werner Jungwirth: "Sollte die Förderung des Bundes um 34 Prozent erhöht werden, dann können wir sicher auch auf die Einhebung der Studiengebühren verzichten."

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