"Sieg Heil"-Ruf: Wiener Straßenbahnfahrer entlassen

27. Oktober 2008, 12:06

Hatte "Abschiedsrede" bei Fahrt der 1er-Linie gehalten - Staatsanwaltschaft prüft, ob nationalsozialistische Wiederbetätigung vorliegt

Nach der Durchsage "Sieg Heil" am vergangenen Samstag ist ein Wiener Straßenbahnfahrer entlassen worden. Der Mann hatte sich bei der letzten Fahrt der Ringlinie 1 von den Fahrgästen via Mikrofon verabschiedet und seine Ausführungen mit dem nationalsozialistischen Gruß beendet. Die Wiener Linien zogen nun die Konsequenzen: "Der Mitarbeiter holt sich schon seine Unterlagen", so ein Sprecher.

Der Spruch des Mitarbeiters sei unsäglich und richte sich von selbst. Mit den Vorwürfen konfrontiert habe dieser auch nichts zu beschönigen versucht, so der Wiener-Linien-Sprecher. Bis dahin sei der knapp 35-Jährige ein unbeschriebenes Blatt gewesen. Ihm habe erst im Nachhinein gedämmert, dass er hier eine Grenze überschritten habe.

Dem Mann drohen nun auch strafrechtliche Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft Wien wird von Amts wegen prüfen, ob eine nationalsozialistische Wiederbetätigung vorliegt, gab Behördensprecher Gerhard Jarosch am Montagnachmittag bekannt. Sollte sich die Verdachtslage erhärten, könnte ein Strafverfahren nach Paragraf 3 g des Verbotsgesetzes eingeleitet werden. Das hätte für den Mann schwerwiegende Konsequenzen: Wer sich dieser Gesetzesbestimmung zufolge im nationalsozialistischen Sinne betätigt, hat mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren zu rechnen.

Video auf YouTube

Der Vorfall, durch einen Bericht der Internet-Zeitung "Die Jüdische" bekanntgeworden, wurde auch von einem Youtube-Video dokumentiert, das zeigt, wie sich der Tram-Lenker von den feiernden Gäste in seinen "Führerstand" verabschiedete, wie er sich ausdrückte. Kurz darauf war über Lautsprecher die Abschiedsdurchsage zu hören, die mit "Sieg Heil" endete. Von Fahrgästen konfrontiert, rechtfertigte sich der Fahrer mit: "Versteht's Ihr keinen Spaß?"

Auch die für die Wiener Linien zuständige Stadträtin Renate Brauner meldete sich am Montag zu Wort: "Geisteshaltungen wie diese haben in Wien nirgendwo Platz und werden von der Stadt aufs Hefigste bekämpft." Zuvor hatten die Grüne Konsequenzen gefordert. "Solche Äußerungen sind kein Kavaliersdelikt, sondern müssen streng geahndet werden", so Gemeinderätin Ingrid Puller. (APA)

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sagamal...
27.01.2009 19:15
ob sie wohl auch die kontrollorin entlassen

die vor einigen tagen zu einem schwarzen sagte: "hearst, geh ham zu dein busch!"
?

RS69
27.01.2009 20:13

Wäre zu begrüssen.

Otsch1 
04.01.2009 17:44
Verjähren eigentlich solche Sager?

Ich kenn' nämlich etliche Leut', die sowas und Ähnliches gerufen haben.

Otsch1 
04.01.2009 17:38
Natürlich strengstens zu ahnden!

Der Mann ist eine Gefahr für unser Staatswesen. Ich bin nur froh, dass durch sein berufliches Wirken in seiner aktiven Zeit als Fahrer noch kein nachweisbares Unglück passiert ist.

ralf ganimed
09.12.2008 15:16
also ich weiß ned

für mich klingt das nach dem (misslungenen) versuch einer hitler-parodie. War sicherlich ziemlich daneben und geschmacklos, aber keine wiederbetätigung. Eher ein patscherter Versuch lustig zu sein. Ich glaub des is ka Nazi, sondern afoch a Trottl.

Gerhard Schwarz 
10.12.2008 08:10

Das Widerlichste ist die Akzeptanz des Nazisagers durch ein besoffenes Partypublikum. Der Parteigruß der NSDAP ist eben nicht ein beliebiger Jux. Genausowenig wie die Verharmlosung von antisemitischen, xenophoben, minderheitenfeindlichen Sprüchen. Die widerspruchslose Hinnahme solcher Sprüche ist das Entsetzliche. In welchem Kontext der "harmlose" Juxsager des Strassenbahners steht, können Sie problemlos recherchieren - geben Sie einfach diese Worte ins YouTube-Suchfeld...

christian p.
16.03.2009 22:05
kein Thema

ich möchte es definitiv nicht gut heissen, was der gute Mann da von sich gegeben hat.
Nuur, fürchte ich, daß man gerade im besten Wege ist, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen.

Wie oft hört man entsprechende Aussagen nicht näher genannter, aber allseits bekannter Politiker.

Wo ist dort der kollektive Aufschrei zu finden?

Wo schreitet dort die Justiz ein?


(Stille ......)


Wenn Sie mit der Thematik vertraut sind, was ich Ihrem Posting entnemen kann, beantworten Sie mir doch bitte die Frage, warum in Österreich immer noch mit zweierlei Maß gemessen wird....?

Gerhard Schwarz 
17.03.2009 10:10

Der Unterschied zwischen faschistoiden Tendenzen in der Politik und dem "Alltagsvorfall" mit dem Strassenbahnfahrer besteht darin, dass im zweiten Fall für die unmittelbar Beteiligten beeinflussbare direkte Betroffenheit vorlag. Wer den Alltagsfaschismus, dem er unmittelbar Widerstand entgegensetzen kann, unwidersprochen hinnimmt, wird mitschuldig am Hochkommen faschistoider Politiker. Antifaschismus ist nicht bloss abstrakt und deklamatorisch "politisch" sondern erfordert auch Initiative und Zivilcourage im Alltag. Verniedlichung bereitet den Boden für Gewöhnung. Politisch kann ich mich deklarieren - im Alltag muss ich mich auch entsprechend verhalten. Rechte sind feige Mitläufer, drum ist es so wichtig, ihnen Grenzen zu setzen.

Kon01
08.12.2008 21:18
Gott sei Dank

Hab schon befürchtet, der könnte seinen Job behalten.

Ich bin klug
27.11.2008 13:19
Kann mich noch erinnern, dass der Fahrer betrunken war.

Das allein ist schon einen Rausschmiss wert.

Gerhard Schwarz 
28.11.2008 11:31

Nein. War er nicht. Der war (leider) nüchtern...

imanitram 
07.11.2008 19:47

Video auf http://www.dailymotion.com/at
Eingabe im Suchfeld: Sieg heil

FFluXXuSS
05.11.2008 21:25
ist der Straßenbahner während seines Sagers

vor dem Parlament vorbeigefahren? Dort ist ein "Graf" mit einer passablen Mehrheit gewählt worden, von dem man laut DÖW etliches annehmen müsste. http://www.doew.at
Oder hat der eine nur die schlechtere Nachred?

Gerhard Schwarz 
07.11.2008 23:28

Der unakzeptable 3.Nationalratspräsident von Rechtsaussen hat die Verniedlicher und Verharmloser von Nazisprüchen als Voraussetzung für seine politische Karriere. Die Spaßgesellschaft, die Nazisager als Gag sieht, ist der Sumpf, auf dem braune Blasen blubbern.

Gerhard Schwarz 
02.11.2008 14:55
Wegschauen, weghören, verharmlosen, Täter zu Opfern machen -

so funktioniert die Gehirnwäsche mittels der Nazijargon und Nazidenken wieder salonfähig gemacht werden soll.
Manche Beiträge in diesem Leserforum beweisen das sehr anschaulich. der Strassenbahnfahrer wurde offenbar gezielt mißbraucht - sein Verschulden ist, da mitgespielt zu haben. Und von jenen, die ihn zum Wurschtel machten und mißbrauchten, wurde er durch die YouTube- Veröffentlichung auch noch bloßgestellt, was ihn auch noch den Job kostete. Was die Mißbraucher zu heuchlerischer Empörung hinreißt. Ein infames Spiel.

frank franki
05.11.2008 00:41

ein wunderbares paradoxon: der, der ein fehlverhalten verurteilt, wird für die folgen des fehlverhaltens verantwortlich gemacht! gratulation an alle, die diese argumentation ohne gröberer kopfschmerzen zu stande bringen; sie haben den österreichertest klar bestanden.
ansonsten würde mich noch interessieren, wie die stimmung in der bim danach war. war man betroffen, belustigt, zustimmend? waren sie der einzige der sich aufgeregt hat? etc. etc. ... mfg

readymate
07.11.2008 12:33
Zwischen

"ein(em) Fehlverhalten" und einem sich als unerbittlicher Blockwart aufspielen gibts aber schon noch einen Unterschied...!

Dass Ihnen das Verhalten dieses Schwarz Gerhards keine "Kopfschmerzen" bereitet zeigt eher, dass Sie den "Österreichertest klar bestanden" haben...!

.

Gerhard Schwarz 
11.11.2008 00:01

Hab Sie schon verstanden - Sie finden Nazisprüche alltäglich. Ich nicht.

Mr. Spock
07.11.2008 17:48

Tut mir leid, aber es scheint, dass zig-Blockwarte in der Strassenbahn waren und nur 2 Menschen, die Zivilcourage hatten.

Gerhard Schwarz 
05.11.2008 01:19

Sorry, ich war überhaupt nur 15 Minuten (vor Abfahrt Stubentor plus Fahrzeit bis zur Oper) in diesem Zug. Hab außer von einer Frau von niemandem Unterstützung feststellen können. Die waren sauer, weil ich ihre Feier gestört hab.

huach zua
10.12.2008 07:36

Verstehe ich voll und ganz! Ich finde Personen die Ihre Blockwartmentalität vertreten widerlich.

Klar war es kein sehr intelligenter Sager ... aber im Grunde ist es doch sch.... egal was über die Lippen eines Straßenbahnfahrers kommt.

Die Aktion zeigt nur daß manche Leute im Leben nicht gefordert sind um noch die Energie zu haben sich wegen so einem Blödsinn aufzuregen.

Gerhard Schwarz 
10.12.2008 12:53

Ihre Dünkelhaftigkeit bezüglich der Strassenbahnfahrer ist unfassbar. Ab welchem sozialen Status ist es "nicht egal", was jemand sagt? Blockwartementalität äußert sich in der opportunistischen Anpassung und Anbiederung an den mainstream durch feige hinterhältige Denunziation zum eigenen Vorteil und nicht im Widerspruch dagegen. Weder in dieser Strassenbahn noch überhaupt kann ich Mut zum Widerspruch gegen Unakzeptables bei der Mehrzahl der passiven Mitläufer feststellen sondern eher eine Ansammlung von charakterlosen "Blockwarten". Zum Denunziantentum befragen Sie wohl eher den oder die Typen, die durch die YouTube Veröffentlichung für eine ungeheure Skandalisierung des Vorfalles sorgten.

Der kleine Lord
18.02.2009 12:42
Ihre Einstellung ist einfach nur lächerlich!

Mehr ist zu Ihrer Geisteshaltung nicht zu sagen! Situationsabhängige Abwägung von Umständen ist wohl nicht Ihr Ding, Hauptsache linkslinke Stereotypen dreschen und sich im Gutmenschentum suhlen bis es so zum Himmel stinkt, dass es auch Ihnen auffällt. Erbärmlich!

frank franki
05.11.2008 00:25

das ganze scheint mir ein ziemlich dummer und ordentlich fehlgeschlagener versuch einer kabarettistischen einlage in alkoholschwangerem umfeld gewesen zu sein. die fristlose entlassung ist aus dieser sicht natürlich übertrieben. Dafür können sie ja aber nichts, wie ihnen hier ständig unterstellt wird. wie hätte die wiener linen sonst reagieren können, nachdem der vorfall publik wurde? so tun, als wäre nix passiert?
im gegenteil herr schwarz, ich halte ihre reaktion für richtig und notwendig, denn nicht alle finden den mut dafür!
bemerkenswert finde ich ebenfalls, wie hier in manchen posts probiert wird, anstatt den auspruch zu recht zu verurteilen, ihnen die alleinige schuld zu geben.

Mr. Spock
07.11.2008 17:46

Die Fristlose ist die einzige Moeglichkeit, die die Wr. Linien haben. Ansonsten wuerde es heissen: die Wr. Linien distanzieren sich nicht von NS-Gedankengut.

Man kann auch aus Dummheit einen Job verlieren.

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