Best of Beuschel

28. Oktober 2008 17:00
  • Artikelbild
    Foto: Schreiners Gastwirtschaft

    Schreiners Gastwirtschaft
    Westbahnstraße 42
    1070 Wien
    Tel.: 01 / 990 37 83 oder
    0664 / 351 02 09.
    Email: wirt@schreiners.cc

    Zwei Vor-, zwei Hauptspeisen,
    ordentlich Wein, Wasser und Kaffee: 96 Euro

     

Harald Fidler widmet sich in Schreiners Gastwirtschaft dem Inneren des Tieres. Kann es an Thomas Schreiners Schnitttechnik liegen, dass ihm Herz und Lunge hier so besonders schmeckten?

Und: Bitte um Beuschl-Tipps!

******

Ungern widerspreche ich Posterinnen und Postern, aber das kann ich so nicht stehen lassen: "warum sich die gastrokritiker neuerdings......so ums beuschel reissen, verstehe ich auch ned ganz", schrieb Bianca Hohn  zu Reinhold Reiterers Gastbeitrag über das Haberl & Fink's: "in jedem zweiten artikel von Corti, Fiedler und jetzt Reiterer nieren, leber, hirne, zungen."

Erstens verstehen wir uns in diesem kleinen Essblog nicht als Gastrokritiker, sondern als praktizierende Dilettanten, siehe Beipacktext, und überlassen das Profikritikertum etwa dem geschätzten Kollegen Corti. Zweitens reiss ich mich nicht erst neuerdings so ums Beuschel, sondern praktisch von Kindesbeinen an. Und drittens liegt es nicht alleine daran, dass mir "jakobsmuschel und trüffelrisotto auch irgendwann auf den keks gehen". Sonst müsste ich der Innereien auch längst überdrüssig sein. Ich mag sie halt, und schreib darüber.

Es geht auch nicht darum, eine neue Sau durchs Dorf zu treiben, sie zu essen reicht vollkommen. Ergibt doch durchaus Sinn, dass sich Menschen um den Rest des Viehs abseits der Filets kümmern, oder? Dass ich Ihnen mit dem Innereienmenü im Gut Purbach den Gusto auf dieses Lokal verdorben habe, tut mir Leid. Auch für Sie, Max Stiegl geht nämlich beileibe nicht nur mit ausgefransteren Teilen des Tieres ziemlich gut um.

Blätter statt Streifen

Vor allem möchte ich Ihre Liste möglicher Wirtshausbesuche nicht gleich weiter einschränken. Aber vom Beuschel (schon wieder!) in Schreiners Gastwirtschaft in der Westbahnstraße muss ich kurz schwärmen. Ob's wirklich am Schnitt lag? Nicht streifig kamen Herz und Lunge daher, sondern blättrig dünn. Die Form ergab sich eher aus der Not: Er bekam ziemlich kleine Organe geliefert, begründete der Chefe sein Schnittmuster.

Frau Schell stach der Apfel-Honig-Essig etwas zu sehr hervor, mir war er grad recht, laut Schreiners Beobachtungen übrigens ein durchaus verbreitetes geschlechtsspezifisches Geschmacksempfinden. Auch die Kapern fand ich ziemlich passend, obwohl meine Experimentierfreude gerade beim Beuschel nicht sehr ausgeprägt ist. Ein bisschen Sauerrahm natur auf die beiden Knödel passte mir viel, viel besser als allzu rahmiges Rahmbeuschel, da bin ich ganz einer Meinung mit Herrn Reiterer. Das Finksche muss ich demnächst selbst probieren, hab ich nach seinem Beitrag endgültig beschlossen. Aber, keine Sorge, Herr oder Frau Hohn, nochmal Fink/Haberl kommt dann nicht.

Und sonst beim Schreiner? Beef tatare zur Vorspeise klassisch und sehr gut, angesichts des durch örtliche Entschleunigung angestauten Hungers aber Frau Schell und mir Vielfraß sowieso ein bisschen zu klein. Etwas langweilig fand meine Tischnachbarin das Kürbisrisotto mit Entenbrust. Kommt davon, wenn man nicht das Beuschel wählt.

Beuschl-Tipps

Geschätzte Posterinnen und Poster, verraten Sie mir doch bitte, wo Sie Ihr bestes Beuschel bekommen haben. Damit diesem Blog nicht womöglich die inneren Werte ausgehen.

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 39
1 2
oberkellner patzig
 
04.11.2008 11:45
beuschel et al

Puristisch zubereitet wird das Beuschel in der Schwarzen Katze (1180), wenig gebunden und mit viel frischen Wurzelwerkstreifen serviert.
Wenn dort die Zunge noch auf der Karte ist: Das war/ist für mich überhaupt das allerallerbesteste Gericht 08 gewesen: Kalbszunge mit Erdäpfelpüree und roten Rüben.
In der Resi Tant´ in Dornbach (neben dem Herkner) hatte ich ein Stichfleisch, das war für mich schon sehr grenzwertig, da die Konsistenz der Fleischeinwaage unbeschreibbares Schaudern erzeugt hat. Aber der Saft!!! Hui war der gut.
Ein Tipp für eine feine Pajata (Zwölffingerdarm eines Milchlamms mit gestockter Milch vom mütterlichen Schaf): Rom, Via Monte Giordano 12, Antica Taverna.

kuchlmensch
03.11.2008 18:24
Markthallenverlust

Bin selber Bruckfleisch und Beuschlproduzent für den Familienbedarf.....habe aber große Schwierigkeiten, seit die Landstraßer Markthalle geschlossen und der Miedler nur mehr am Großmarkt praktiziert, an die nötigen Grundsubstanzen zu kommen,besonders Bruckfleisch ist nicht aufzutreiben! Bitte höflichst um Bezugsquellennachweise!
In der Aufzählung der Innereien fehlt mir der gegrillte Darm (in allen größeren westlichen Chinatowns über die Gassn käuflich - oder sagt man take away?) und etwas, was , gut gemacht, in Griechenland und der Türkei sehr würzig schnmeckt, nämlich Kokoretzi, das ist Darm mit Schafsinnereien gefüllt, sozusagen Lammbesucherl gegrillt. Habe ich bis jetzt noch in keinem levantinischen Beisl in Wien gesehen!

Extasy
30.10.2008 19:29
Das beste Beuschel

seit langem habe ich vergangenen Sonntag im "Dornbacherhof" in 2392 Dornbach im Wienerwald gegessen. Ein perfekt abgeschmecktes und auf den Punkt gegartes Rahmbeuschel mit 2 frischen flaumigen Semmelknödeln.
Es ist wirklich schön, dass der junge Koch dort die hohe Tradition der Wiener Innereienküche beherrscht und hochhält, sodass auch noch meine Enkel diese Spezialitäten kennenlernen werden.
Geheimtipp für Herrn Fidler!

Rudi Hermann
03.11.2008 12:27
Kunststücke

Meine liebe Innereien Gemeinde,
ich bin sicher,einmal hat der Mayer und ein anderes mal,der Müller das "beste" Lüngerl.
Wie mehrmals beschrieben,die Omi hat es immer am besten gemacht.
Ich bereite es öfter zu,aber gleich wird es nie.
R.H.

teddy baer
30.10.2008 12:47
bitte bedient euch endlich einer normalen schreibe;

solche sätze wie:
"Nicht streifig kamen Herz und Lunge daher, sondern blättrig dünn." -
kann ich schon nicht mehr lesen. Weiters wage ich zu bezweifeln, dass Herz und Lunge noch "irgendwo daherkommen" - so tot wie die sind.

also bitte, endlich wieder normaleres journalistendeutsch. wir wissen eh, dass ihr alle umwerfende Typen seid, und wir Leser lieben Euch dafür. Aber bitte hörts endlich mit dem "es kommt etwas daher...." auf. Das ist ja wirklich schon zum .....
mit lieben Grüßen auch an den Kollegen Corti.

kuchlmensch
06.11.2008 16:01
Schreibe klingt wie Speibe

Und ist fast so ekelhaft wie "Edelfeder", ansonsten haben Sie durchaus Recht - mit dem Daherkommen nämlich. Vielleicht haben Herr Fidler und seine Tafelrunde zu oft das Märchen vom Schlaraffenland gelesen - da kommen die Speisen ja wirklich daher, auf vier Beinen oder in den Mund geflogen! -

Der Wählerwille
 
04.11.2008 19:08
das sind völlig normale und richtige sätze

wohingegen "die schreibe" völliger schwachsinn ist.

grandcru
30.10.2008 15:27
na geh, teddy..

was mir auf die nerven geht, ist diese verhauptwortung von zeitwörtern wie Schreibe, oder Denke usw...

Knieriem
29.10.2008 20:24
Innereienpardiese

..gibt es leider nur mehr wenige. M.E. ist die Abneigung, die heutzutage gegen Innerein herrscht, rational nicht wirklich zu erklären. Cholesterin? Zu viel gefürchtet ist auch gestorben, vor allem aber lustarm! Innerer "Schauer", weil es anders schmeckt? Vielleicht! Manche haben ja mit jedem Nahrungsmittel, das nicht nach Chemie schmeckt und bunt ist Probleme. Manche glauben wahrscheinlich sogar, daß Hendln ohne Innerein auf die Welt kommen, oder? Zubereitung? Mag sein, daß manche lustlos, mit viel Mehlpappe zubereitete Innerein, die Erinnerung bestimmen. Das beste Beuscherl hat meine Oma gemacht - die war aber selbst sehr, sehr heikel. Sonst gibt es immer wieder urtypische winer Innerein (Bruckfleisch) z.B. beim "Alten Heller".

Blanca Hohn
29.10.2008 17:50
als ich den titel dieser kolumne sah, dachte ich mir "machen die das jetzt justament, oder..."

und ja, sie machen :-) also, jetzt eine kolumne auf ein posting von mir hin, das ist echtes web 2.0...

ich dachte mir schon, dass sie die inneren teile des tieres immer schon mochten, herr fiedler. gut, aber könnte man angesichts der massierung von eingeweidenbeschreibungen hierorts nicht eine eigene kolumne für freunde der tierischen entgiftungsorgane ("schmecks extrem") machen und eine ebensolche für anhänger der konventionell nicht-vegetarischen ernährung ("schmecks normal")?

ich find das konzept von schmecks an sich nämlich gut und würde daher gern in diesem rahmen über hundsordinäre lammrücken, schweinsschultern und rinderhüften in allerlei saucen und gemüsen lesen, beuschelbanause der ich bin.

schmecks
30.10.2008 08:18

ich kann spontan berichten: die gebratenen steinpilze bei herzogs gestern waren einfach großartig, die perlhuhnbrust ebenso, auch wenn die pilzpolenta drunter nicht wirklich schön aussah, geschmeckt hat sie prachtvoll. aber, aus Ihrer sicht: auch die brust enthielt ein stück entenleber. das beuschel meines tischnachbarn war mir übrigens bisschen zu rahmig-dick. falls Sie das wissen wollten :)
ich fürchte, für zwei schmecks-schienen fehlen uns die kapazitäten, aber wir versuchen wieder ein paar beuschelfreie folgen. piemont kommt ja auch wieder.
besten gruß,
fid

dieglut
 
30.10.2008 05:57
Spalter!

Florian Holzer
30.10.2008 00:52

schmecks extrem ist super.

Rose Bud
29.10.2008 17:44
Lammbeuscherl...

...im Gut Oberstockstall in Kirchberg am Wagram (NÖ) ist eine Erfahrung.

Pacman
29.10.2008 14:52
Haas

also das beste käuflich zu erwerbende hatte ich im Haas Beisl in der Margaretenstraße. Das beste überhaupt gab's bei meiner Oma selig im Burgenland, jetzt leider nicht mehr :-(

skaldjur
29.10.2008 12:29

der schreiner war in seinen anfängen grandios. klasses essen zu vernünftigen preisen. feine wirtsleut. angenehmes publikum, das was von wein verstand und deshalb nicht ständig lauthals über wein diskutieren musste. und dann - zack - fiel die schickeria ein. aus wars. das essen blieb gut, wurde aber kleiner, die preise wurden zum teil verdoppelt. die dilettantischen fachsimpeleien über wein an den nebentischen wurden laut und abendverderbend. die schickis waren da. vielleicht gut für die wirtsleut, ich vergönns ihnen auch, aber i, i geh nimmer hin.

Peter Hammer 06
11.11.2008 14:02
Genauso ist es,.....

...in den Anfängen ein gemütliches Wiener Beisl.
Mit der Gemütlichkeit war es aus als man:
*) Gäste von Tischen "weg bat!!", um für Schickimickis Platz zu haben.
*) Man Mittags nicht mehr kochte,dafür aber plötzlich einen zweiten Koch "brauchte".
*) Schnitzel nur mehr vom Hendl machte.Unsere deutschen Gästen wollen ein Wiener (Kalb-wahlweise Schwein) aber kein Wiener Hendlschnitzel.
*) Dazu noch die Preisgestaltung (Abendmenüs usw.)
Schade,aber die Gästekarawane wird weiterziehen, ich bin (leider!) schon weit weg.

host mi?
30.10.2008 08:26
ein grünes stricherl von mir

habs genauso erlebt.
war anfangs begeistert und oft dort.
aber wie sie sagen, preise verdoppelt und die schicki mickis haben sich eingefunden.
vermute die neue chefin hats konzept so gedreht, leider.
geh auch nicht mehr hin, bin meines geldes kein feind, obwohl ein mal im jahr werd ich mirs noch geben.

Florian Holzer
30.10.2008 00:54

man muss um seine lokale kämpfen. apriori-kapitulation ist kein zeichen von moralischer überlegenheit.

a0123
29.10.2008 12:17

Lercherl von Hernals hat auch sehr gute Beuschel!

slartibartfass23
29.10.2008 10:33
das beste beuschl....

hab ich beim HERZOG im 15. bezirk gegessen. auch das bruckfleisch ist dort sehr empfehlenswert!

mahlzeit!

schmecks
29.10.2008 11:14

hoffe, er hat noch eins für mich, bin dieser tage wieder einmal dort. letztes mal leider bruckfleisch schon aus.
besten gruß,
harald fidler

Gehoarg
29.10.2008 09:53
off topic

kapier ich da irgendwas nicht oder sollte man die frau schell kennen??!

schmecks
29.10.2008 11:15

nö, die saß mit mir am tisch. besten gruß

Frau Holler
29.10.2008 08:49
na geh

schon wieder beuschel, schon wieder so eine hüttn, die eh überall rauf und runter gehudelt wird. fallt euch echt nix anderes ein als dauernd in die immer gleichen beiseln zu rennen? nachbetrachtungen ob die vorschreiberlinge eh recht hatten in ihrer beurteilung sind so ca. das streberhafteste. setzen! aber in einer neuen bude. danke!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 39
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.