Fahndung nach Mörder von Pukanić mit Phantombild

26. Oktober 2008, 17:43
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Polizei hat Phantombilder des mutmaßlichen Mörders des Verlegers veröffentlicht - Medien spekulieren über eine Beteiligung des Clans von Zemun

Zagreb/Belgrad - Ein schlanker, etwa 1,80 Meter großer, unrasierter, hohlwangiger Mann mit Hakennase, dunklerer Hautfarbe und braunen Augen, der eine Trainingsjacke und eine blaue Kappe trug und an einen Arbeiter erinnerte, sei unmittelbar vor dem Attentat auf den Verleger und Journalisten Ivo Pukanić am Tatort im Zentrum Zagrebs gesichtet worden, gab die kroatische Polizei am Wochenende bekannt. Gleich nach der Veröffentlichung von zwei Phantombildern riefen dutzende Menschen bei den Ermittlern an, die den Mann mit den scharfen Gesichtszügen gesehen haben wollen.

Wegen der sehr komplexen Beziehungen des Herausgebers von Nacional zur kroatischen Unterwelt und zur Staatsspitze und der vielen einflussreichen Menschen, die sich Pukanić mit seinen Artikeln zu Feinden gemacht hatte, konzentrierten sich die Untersuchungen des kroatischen Innenministeriums in der Anfangsphase auf den oder die Vollstrecker und nicht auf die möglichen Auftraggeber. Es wird nicht ausgeschlossen, dass mit dem Anschlag auf Pukanić, bei dem auch dessen Marketingleiter Niko Franjić ums Leben kam, flüchtige Mitglieder des serbischen Clans von Zemun beauftragt worden sind. Dieser hatte vor fünf Jahren den serbischen Reformpremier Serbiens Zoran Djindjić ermordet. Die serbische Tageszeitung Press behauptet, dass bei dem Attentat auf Pukanić der militärische Plastiksprengstoff PEP 500 verwendet worden sei, den der Clan, der sich aus ehemaligen Soldaten serbischer Sondereinheiten zusammensetzt, bei den Abrechnungen in der serbischen Unterwelt benutzt hatte.

Die Polizeibehörden von Serbien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro und Mazedonien haben Zagreb jegliche Unterstützung bei der Aufklärung der Morde zugesagt. In der Regel haben Täter unmittelbar nach spektakulären Mordanschlägen in Serbien und Montenegro das Land verlassen und sind in der Region untergetaucht. Das wird auch im Fall Pukanić für sehr wahrscheinlich gehalten, zumal man weiß, dass kriminelle Gruppen in der Region zusammenarbeiten.

In Kroatien werden Parallelen zu Serbien gezogen, das nach dem Attentat auf Djindjić den Ausnahmezustand verhängte und im Rahmen der massiven Polizeiaktion "Säbel" kurzfristig die gesamte serbische Unterwelt "aufmischte" . Trotzdem ist bis heute nicht bekannt, wer die Ermordung von Djindjić in Auftrag gegeben hat. Die Morde an drei serbischen und einem montenegrinischen Journalisten sind nie aufgeklärt worden. In Kroatien kam der Nationale Sicherheitsrat aber zu dem Schluss, dass es keine rechtliche Grundlage für die Verhängung des Ausnahmezustands gebe. (Andrej Ivanji/ DER STANDARD, Printausgabe, 27.10.2008)

  • Ein Mann dieses Aussehens wurde laut Polizei kurz vor dem Attentat am Tatort gesehen.
    foto: der standard

    Ein Mann dieses Aussehens wurde laut Polizei kurz vor dem Attentat am Tatort gesehen.

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