Landtagswahl: Absolute und Denkzettel für SVP

27. Oktober 2008, 17:58
85 Postings

Volkspartei liegt erstmals seit 60 Jahren unter 50 Prozent, konnte Mandatsabsolute aber halten

Blaues Auge für die Volkspartei in Bozen: Sie liegt seit 60 Jahren erstmals unter 50 Prozent, konnte ihre Mandatsabsolute aber halten. Große Sieger der Landtagswahl sind die Freiheitlichen, die ihre Stimmen verdreifachten.

Bei der Landtagswahl in Südtirol hat die Südtiroler Volkspartei (SVP) am Sonntag herbe Verluste erlitten. Die seit 1948 mit deutlicher absoluter Mehrheit regierende Sammelpartei sackte um gut sieben Punkte ab und musste sich mit 48,1 Prozent der Stimmen begnügen. Eindeutiger Wahlsieger sind die an der FPÖ ausgerichteten Freiheitlichen, die ihre Stimmen mit gut 14 Prozent fast verdreifachen konnten und zur zweitstärksten Kraft im Landtag aufrückten. Auch ihr Parteivorsitzender Pius Leitner konnte mit 32.000 Vorzugsstimmen sein Ergebnis von 2003 verdreifachen. Im 35-köpfigen Bozener Landtag konnten die Freiheitlichen damit ihren Mandatsstand von zwei auf fünf erhöhen.

Im Duell der zwei Selbstbestimmungsparteien gaben die Wähler dem Original den Vorzug vor der Kopie: Eva Klotz, die seit 25 Jahren im Landtag für das "Los von Rom" kämpft, erhielt mit 4,9 Prozent mehr als doppelt so viele Stimmen wie ihr langjähriger Parteikollege Andreas Pöder, dessen Union für Südtirol sich mit 2,3 Prozent begnügen musste.
Berlusconis "Volk der Freiheit" musste sich nach parteiinternen Fehden mit 8,3 Prozent zufrieden geben. Für die Lega Nord, die mit einer eigenen Liste antrat, fiel mit 2,2 Prozent ebenso ein Restmandat im Landtag ab wir für die faschistische Unitalia (1,9 Prozent).

Enttäuschung gab es bei den als interethnische Kraft antretenden Grünen: Mit nur 4,9 Prozent verloren sie offenbar einen Teil ihrer Stimmen an die ebenfalls gemischtsprachige Liste des Partito Democratico, der mit sechs Prozent einen Achtungserfolg erzielte. Der grüne Spitzenkandidat Hans Heiß machte "den erwarteten Rechtsruck für den Verlust des dritten Mandats verantwortlich".

SVP verliert in Landgemeinden

Für die erfolgsverwöhnte Südtiroler Volkspartei gestaltete sich die Auszählung der Stimmenzettel zu einem Wechselbad der Gefühle. Die zweistelligen Einbrüche in vielen Landgemeinden drückten die Partei zunächst unter die 45-Prozent-Marke. Die Ergebnisse aus den Städten korrigierten das Ergebnis wieder nach oben - offenbar durch Stimmen etlicher italienischer Wähler. Bis zuletzt musste die Partei um ein Restmandat zittern, das ihr mit 18 Sitzen im Landtag doch noch eine knappe Mehrheit sichert.

Landeshauptmann Luis Durnwalder, der trotz der aufwendigen Kampagne sein persönliches Wahlziel von 100.000 Vorzugsstimmen verfehlte, konnte der Niederlage noch positive Aspekte abgewinnen: "Wenn man bedenkt, dass wir bei den Parlamentwahlen im April auf 44 Prozent abgerutscht waren, ist dieses Plus von vier Prozent positiv zu werten." Allerdings könnte die SVP auch mit der Absoluten nicht alleine regieren. Das Autonomiestatut verpflichtet sie dazu, auch die italienische Sprachgruppe an der Landesregierung zu beteiligen. Voraussichtlicher Koalitionspartner dürfte erneut der Partito Democratico sein, der mit zwei Mandaten im neuen Landtag vertreten ist.

Zu den Neulingen im Landtag gehört auch SVP-Obmann Elmar Pichler Rolle, der mit 25.000 Vorzugsstimmen auf Platz drei landete. Dass sich Landeshauptmann und Parteiobmann nicht mögen, gilt als eine der Ursachen für die Verluste der Sammelpartei, deren Flügelkämpfe offenbar zahlreiche Wähler nervte. Deutliche Verluste musste die SVP auch in der Heimatgemeinde des Landeshauptmannes hinnehmen. In Pfalzen im Pustertal verlor sie 13,4 Prozentpunkte und kam auf 58 Prozent.

Die Freiheitlichen hatten der Regierungspartei im Wahlkampf "Geldverschwendung, Freunderlwirtschaft und Machtmissbrauch" vorgeworfen. Ihren Wahlkampf hatten sie unter dem Slogan "Einheimische zuerst" mit stark fremdenfeindlichen Tönen geführt. (Gerhard Mumelter aus Bozen/DER STANDARD, Printausgabe, 28.10.2008)

  • Bessere Tage: 1947 hatte das Edelweiß noch Strahlkraft.

    Bessere Tage: 1947 hatte das Edelweiß noch Strahlkraft.

  • Artikelbild
Share if you care.