"Mobilfunkkunden hassen Langsamkeit"

25. Oktober 2008, 10:31
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2010 soll die sogenannte "Long Term Evolution" (LTE) an den Start gehen und den Nutzern einen mobilen Temporausch bescheren

Europas Teststrecke der mobilen Kommunikationszukunft ist vier Kilometer lang und geht von der Zentrale der deutschen T-Mobile zur Zentrale der Deutschen Telekom, zweimal das gemächlich dahinfließende Väterchen Rhein überquerend. Im VW-Van, mit dem sie bewältigt wird, spielt sie sich für den Betrachter kaum greifbar, dafür umso schneller ab, die Long Term Evolution (LTE).

Wie Surfen über Festnetz-Breitband

Internetfernsehen, eine Videoübertragung ins Konferenzzentrum von T-Mobile, der Download von Riesenmengen Fotos, ein Multiplayer-Autorennspiel lässt sich in dem fahrenden Van bei hochauflösender Bildqualität ohne merkbare Übertragungsverzögerungen mobil empfangen und nutzen. Die nächste Generation der Mobilfunktechnologie soll bei der Internetnutzung auf mobilen Endgeräten (wie Notebooks oder Handys) ein Plug-and-play-Feeling ermöglichen, das sich anfühlt wie Surfen über Festnetz-Breitband.

Start 2010

Seit wenigen Wochen demonstriert T-Mobile International gemeinsam mit Netzausrüster Nortel, dass die LTE-Mobilfunktechnik schon in den Startlöchern ist. Bereits 2010 soll in Deutschland und Österreich - in Sachen mobiler Datennutzung in Europa führend - das Netz für die nächste Generation mobiler Breitbandtechnologie aufgebaut und gestartet werden.

"Kunden hassen Langsamkeit", nennt der Österreicher Günther Ottendorfer, Technikchef bei T-Mobile, einen der Gründe, warum nach den ebenso als "superschnell" gepriesenen mobilen Netztechniken der dritten Generation 3G (UMTS, HSPA) die vierte Generation so rasch vorangetrieben wird. Für die Netzbetreiber ist es die Chance, bei sinkenden Preisen für die Datennutzung durch steigenden Datenverkehr mehr Umsätze zu generieren.

Neue Geräte wie Apples iPhone oder das seit dieser Woche in den USA verkaufte Google-Handy G1, aber auch handliche Netbooks wie der Asus EeePC reizen die Kunden vermehrt, Internet mobil zu nutzen. Vor allem jüngeren Nutzern gefällt es, Angebote wie die Videoplattform YouTube nicht nur vorm PC zu Hause konsumieren zu können.

Nicht nur am Handy

"Mobil 'always on' sein können, das ist der Trend", sagt Ottendorfer. Nicht nur für Handys oder Notebooks ermöglichten sich durch noch schnellere Netzwerktechnologien wie LTE breitere Anwendungen. "Man könnte damit zum Beispiel auch noch einfacher mit einer Digitalkamera aufgenommene Bilder sofort auf seinen Heim-PC oder eine Fotoplattform übertragen." Oder im Urlaub schnell einmal einen Krimi auf einen E-Book-Reader. Dank der Leistungskapazität der vierten Netzwerkgeneration geht das in einem Bruchteil der heute gewohnten Zeiten. Der Download eines Kinofilms etwa, der derzeit rund 90 Minuten dauert, ist dann in knapp vier Minuten möglich.

Fehler wie bei der UMTS-Einführung (horrende Lizenzgebühren, fehlende Endgeräte) werde man bei LTE nicht wiederholen. "Anders als bei UMTS, das von den Herstellern ohne Rücksicht auf das, was schon vorhanden war, entwickelt und uns dann vorgesetzt wurde, sitzen wir, die Provider, bei LTE in den Standardisierungsgremien", sagt Ottendorfer. Netzausrüster, Betreiber und Endgerätehersteller arbeiteten dieses Mal Hand in Hand.

Eins soll das Mehr an Leistung für Kunden jedoch nicht bringen: mehr Ausgaben. "Die bestehenden Tarifsysteme werden sich weiterentwickeln. Unter Umständen erhält der Nutzer mehr Leistung für gleiches Geld, formuliert Ottendorfer noch ein wenig vorsichtig. (Karin Tzschentke aus Bonn/ DER STANDARD, Printausgabe, 25. Oktober 2008)

  • Rasante Verfolgungsjagden nicht mit, sondern im Auto: Das Mobilfunknetz der nächsten Generation macht's möglich.
    foto: t-mobile

    Rasante Verfolgungsjagden nicht mit, sondern im Auto: Das Mobilfunknetz der nächsten Generation macht's möglich.

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