Opposition trotz Mobilisierung im Dilemma

26. Oktober 2008, 17:38
41 Postings

Unklare Strategie gegenüber Berlusconi auch nach dem Massenaufmarsch in Rom

Sie kamen mit 6000 Bussen, 61 Sonderzügen und zwei Schiffen. Aus allen Teilen Italiens strömten am Wochenende Hunderttausende nach Rom, um an der Großkundgebung der oppositionellen Demokratischen Partei, des Partito Democratico, gegen die Regierung Berlusconi teilzunehmen. Zwei lange Züge mit Fahnen und Transparenten bewegten sich auf den Circus Maximus zu, wo Parteichef Walter Veltroni den autoritären Regierungsstil des Premiers kritisierte und ihm vorwarf, Italien "in den Ruin zu führen" .

Die Veranstalter sprachen von mehr als 2,5 Millionen Teilnehmern. Der Erfolg der Großkundgebung nährt in der frustrierten Opposition neues Selbstvertrauen und verschafft Parteichef Veltroni parteiintern größeren Handlungsspielraum.

Doch das Dilemma des Partito Democratico bleibt auch nach dem Massenaufmarsch am Circus Maximus bestehen. Ungelöst bleibt die Frage, ob Veltroni den Bruch mit seinem Verbündeten, dem kompromisslosen Berlusconi-Gegner und ehemaligen Staatsanwalt Antonio Di Pietro, kitten soll, wie es eine Mehrheit im Partito Democratico will. Das Wahlbündnis zwischen Veltroni und Di Pietros gemäßigter Partei "Italien der Werte" war erst vor wenigen Tagen offiziell aufgelöst worden. Di Pietro, der einstige Held der Antikorruptionsoffensive "Mani Pulite" (Saubere Hände), nutzte die Kundgebung, um Unterschriften für eine Volksabstimmung gegen das Immunitätsgesetz zu sammeln.

Unklar bleibt, wie Veltroni, der vom Premier völlig ignoriert wird, dem politischen Abseits entkommen will. Regierungschef Silvio Berlusconi quittierte die Großkundgebung als "Manöver zur Überdeckung interner Konflikte" und kritisierte die Linke als "nicht dialogfähig" . "Wir ziehen unser Programm unbekümmert durch" , so der Cavaliere. Er könne sich auf eine "schon fast peinliche Zustimmung von 70 Prozent" stützen, versicherte Berlusconi.

Warnung vor aggressivem Stil

Die Mailänder Tageszeitung Corriere della Sera warnte den Premier am Sonntag indessen vor einer Fortsetzung seines "aggressiven Stils" . Angesicht der Rezession und der rapide steigenden Arbeitslosigkeit könnten im Land mit den niedrigsten Löhnen innerhalb der EU "vielversprechende Umfragen schon bald in Resignation, Wut und Misstrauen umschlagen" .

Genau darauf wartet Walter Veltroni. Nach dem Erfolg der Großkundgebung rüstet sich der bisher glücklose Parteichef für eine neue Kraftprobe mit Berlusconi bei den Europawahlen im Frühjahr. (Gerhard Mumelter aus Rom /DER STANDARD, Printausgabe, 27.10.2008)

  • Tausende Busse, Dutzende Sonderzüge und zwei Schiffe brachten die Anhänger der oppositionellen Demokratischen Partei nach Rom.
    foto: gerhard mumelter

    Tausende Busse, Dutzende Sonderzüge und zwei Schiffe brachten die Anhänger der oppositionellen Demokratischen Partei nach Rom.

  • Die Veranstalter sprachen von mehr als 2,5 Millionen Teilnehmern bei der Kundgebung.
    foto: gerhard mumelter

    Die Veranstalter sprachen von mehr als 2,5 Millionen Teilnehmern bei der Kundgebung.

Share if you care.