Eine Ameise sucht das Ende des Meeres

24. Oktober 2008, 19:39
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Usatschows Erzählung ist melancholisch - Ihr Kind könnte ins Grübeln kommen

Philosophische Fragestellungen für Kinder? In einem Bilderbuch? Warum nicht, muss sich Andrej Usatschow gedacht haben. Geschichte ohne Ende und Anfang heißt sein Kinderbuch, in dem eine Ameise von existenziellen Fragen gebeutelt ist: "Das Meer ist so groß, und ich bin so klein ... in meinem ganzen Leben werde ich nicht einmal sein Ende sehen können. Was soll ich denn auf dieser Welt?", fragt sie sich - und beginnt bitterlich zu weinen. Wenig später reißt sie noch einen Elefanten, der ihr helfen will, mit in die Sinnkrise. Rettung bietet ein Tunfisch, der meint, er habe immer gedacht, das Meer "sei hier zu Ende".

Die Freude, das Ende gefunden zu haben, währt nur kurz, denn: Wenn das das Ende ist, wo ist der Anfang? Gedacht ist das Buch für Kinder ab vier Jahren. Ob sie den gesamten Sinn der Geschichte erfassen können, ist fraglich. Die vorlesende Person ist sicher mehr als bei anderen Vorlesegeschichten gefordert. Auch wer ein Buch sucht, das sein Kind zum Lachen bringt, sollte schnell ein anderes zur Hand nehmen. Usatschows Erzählung ist melancholisch. Die gezeichneten Tiere widerspiegeln ihre Gefühle perfekt, die Umgebung, die Palmen, das Meer, sind im Gegensatz zu Ameise und Co zurückhaltend gemalt. Letztere treten dadurch noch stärker in den Vordergrund. Der schwierige Inhalt und die gut komponierten Zeichnungen (von Alexandra Junge) machen aber gerade dieses Buch so liebenswert. Ihr Kind könnte jedenfalls ins Grübeln kommen. (Peter Mayr, DER STANDARD Printausgabe, 25./26.10.2008)

  • Andrej Usatschow und Alexandra Junge, "Geschichte ohne Ende und Anfang". € 13,40 / 32 S. NordSüdVerlag, Zürich 2008
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    Andrej Usatschow und Alexandra Junge, "Geschichte ohne Ende und Anfang". € 13,40 / 32 S. NordSüdVerlag, Zürich 2008

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