Die Ohnmacht der Obrigkeiten

24. Oktober 2008 18:52

Ob Notenbanken, Staaten oder Opec: Ihr Kampf gegen die Märkte ist aussichtslos

Nun steht sie da, die US-Notenbank: Acht Mal wurden in eineinhalb Jahren die Zinsen gesenkt, Billionen von Dollar in die Geldmärkte gepumpt, Notkredite vergeben und sogenannte Vermögenswerte, die keine mehr sind, den Banken und Versicherungen abgenommen. Die Finanzmärkte und - weit wichtiger - die Realwirtschaft zeigen sich von Ben Bernankes Tatendrang und dem seiner Amtskollegen völlig unbeeindruckt. Mehr noch: Sie trauen den von aller Welt beklatschten Aktionen nicht.

In weiten Kreisen ist nämlich die Überzeugung verbreitet, dass auch Bernanke nicht zu den Göttern zählt, die Sünden erlassen können. Manche Notenbanken werden ihre Taten - ebenso wie die anderen selbsternannten Heilsarmeen - eines Tages büßen. Im Klartext: Die Macht der Notenpresse ist eine begrenzte. Mit der Rettung des Versicherungskonzerns American International Group (AIG), der Übernahme von Ramschpapieren der Investmentbank Bear Stearns und anderen Maßnahmen hat sich die Bilanzsumme der Fed innerhalb eines Jahres auf 1,77 Billionen Dollar verdoppelt. Weitere Aktionen - Stützungen des Geldmarktfonds und Aufkauf von Unternehmensschuldverschreibungen (Commercial Paper) - sind im Anrollen.

Bald wird Bernanke auch noch den Staat finanzieren und dessen riesiges Budgetloch mit frisch gedrucktem Geld füllen. Die Kreativität mag beeindruckend sein, doch die Risiken für die Weltwirtschaft sind enorm. Auch wenn die Inflation derzeit nicht im Brennpunkt steht, wird die Geldentwertung durch diese Politik langfristig negative Folgen bringen. Und überdies nähern sich die Möglichkeiten der Fed bald dem Ende: Kommende Woche wird ein weiterer Zinsschritt auf 1,5 Prozent erwartet, womit die USA fast beim Nullniveau angelangt wären, mit dem Japan jahrelang vergeblich sein Glück versuchte. Auch Bernanke wird kapitulieren müssen.

Derzeit offenbaren sich die Grenzen der Politik wie selten zuvor. Selbst die einflussreichen Scheichs sind nicht in der Lage, den Ölpreis unter Kontrolle zu halten. Da rauft sich die Opec überraschend schnell zusammen und beschließt eine Förderkürzung - und die Talfahrt des Energieträgers beschleunigt sich. Der Ölpreis hat sich innerhalb von drei Monaten mehr als halbiert. Wenn die Märkte einmal einen Trend ausgemacht haben, lassen sie sich nicht so leicht abhalten.

Da mag viel Spekulation und Panik mit im Spiel sein, doch die Grundstimmung wird gar nicht so falsch in Kurse übersetzt, wie manche Beobachter meinen. Die Nachfrage nach Öl wird angesichts des globalen Wirtschaftsabschwungs deutlich zurückgehen, was eben auf den Preis drückt. Der in den letzten Monaten verzeichnete weltweite Absturz bei den Autoverkäufen ist ein recht guter Indikator dafür.

Das gleiche Bild zeigt sich an den Aktien- und anderen Warenmärkten. Hedgefonds und andere Investoren ziehen ihre Gelder ab, weil sie Kredite begleichen müssen oder Financiers höhere Sicherheiten verlangen. Das wirbelt die Währungen kräftig durcheinander, weil Niedrigzinskredite in Yen jetzt rückabgewickelt werden müssen und damit die japanische Währung nach oben getrieben wird.

Gegensteuern ist in dieser Situation angebracht, die Möglichkeiten sind aber begrenzt. Wichtiger als die gewaltigen Interventionen für Banken und Finanzmärkte wäre, die notwendige Marktbereinigung zuzulassen und somit die Voraussetzungen für eine rasche Bodenbildung zu schaffen. Die diversen Obrigkeiten als Retter sind aber ziemlich unglaubwürdig. Hat nicht Alan Greenspan mit der zügellosen Geldpolitik den Boden für Spekulationsblasen und damit die jetzige Krise aufbereitet?  (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25./26.10.2008)

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Fritz Wunderlich
27.10.2008 14:26

Von welchen Märkten fantasiert der Neoliberale? Es gibt keine Nachfrage nach den Aktien, was sagste nu? Betet Schnauder nicht jahrelang den neoliberalen Greenspan an? Jetzt gibt er ihm einen Tritt, statt selber einen zu bekommen?
Und Hedgefonds sind keine Investoren, sondern Spekulationfonds.
Eigentlich eine Unverschämtheit, das der nach all seinen Propagandastückerln für den freien und unregulierten Markt noch schreiben darf.

Ordnung_ohne_Herrschaft!
27.10.2008 14:47
Es gibt keine Nachfrage nach den Aktien ???

wohl doch -- sonst wären nicht heute bis 14,15 uhr zb 811.307 aktien der telekom austria gehandelt worden.

was mich sehr interessieren würde: _wer_ kauft momentan (wohl eher nicht die "kleinen sparer") und spekuliert drauf, mit der momentanen panik langfristig das grosse geschäft zu machen?

Fritz Wunderlich
27.10.2008 15:46

Wie heißt es so schön, wenn sie einen Boden finden, das heißt, einen der darauf spekuliert, das sie wieder steigen, wenn nicht, kann man die Börse schließen.

Der Unbekannte
27.10.2008 13:43
Ja,Greenspan...

der hat ordentluch was damit zu tun. Das habe ich schon mal vor zwei Jahren gehört, als propagiert wurde, daß Greenspans Hintermänner (als Illuminaten genannt -> Big BUSH and Family) eine Plan zum Weltweitenfinanzchaos planen. Das war zwar nur in einem USA Blog zum Thema Illuminaten zu lesen, trat aber jetzt definitiv ein. Und jeder hat fleißig Mitgemacht. Heuschreken etc. Da kann man ja wirklich nur mehr "WAHNSINNIG" lachen. Und wir machen da voller Freude mit.

Tom93
27.10.2008 00:01
Marktbereinigung zulassen?

sie wollen also unbedingt, daß der heilige freie markt alles regelt? fein, dann nehmen sie damit auch den zusammenbruch unseres globalen finanz- und kreditsystems in kauf, denn nichts anderes bedeutet die von ihnen ersehnte "marktbereinigung"!

aber alles ist besser, als das der böse, BÖÖÖÖÖÖSE staat eine rolle in der wirtschaft spielt. da soll lieber die welt in scherben gehen, bevor andreas schnauder abstriche bei seiner dogmatischen marktgläubigkeit machen muß! es gibt keine alternative zu den jetzigen interventionen. sehen sie es ein, herr schnauder. es bleibt nur zu hoffen, daß das banksystem unter staatlicher aufsicht oder kontrolle bleibt, damit wir nicht so bald wieder in eine solche katastrophale situation kommen!

FriedaKistner
26.10.2008 18:25
Nette Ausrede

Die Obrigkeiten nutzen Ihre Ohnmacht als faule Ausrede. Sie könnten sehr wohl etwas ändern. Aber Posten, Macht und Geld "hindern" Sie daran.
   
Wer will schon seine Pfründe zugunsten einer besseren Lösung aufgeben, oder gar seine Position gefährden, wenn man den Steuerzahler für die Finanzierung der Fehler heranziehen kann?
   
Solange Politiker Ihre Macht gegen Geld eintauschen, und sich von Lobbyisten beeinflussen lassen, muss sich Niemand wundern, dass es so weitergeht, wie bisher.

Gilgamesch
27.10.2008 10:44

mit wenigen worten auf den punkt gebracht. ein grünes stricherl von mir ...

17+4
26.10.2008 14:46
dann ist Zeit, dass diese Märkte sozialisiert werden,

nämlich dass jeder an diesen Märkten teilhaben kann.
Z.B. muß die Börse für den Strassenverkauf freigegeben werden, ebenso bei Rohstoffen usw.

So, wie es in der Realwirtschaft eingentlich kaum mehr einen Großhandel gibt.

also dann ...
26.10.2008 12:00
ziemlich n a i v e r kommentar ! die "wohlgefühlte" wirtsch.journaille ... die jahrelang die NEO-LIBERALEN MANTRAS nach-leierten ... haben nicht mal das KERNPROBLEM begriffen : das g e l d s y s t e m !

es gibt KEIN GELD..... n u r KREDIT
" " KEINE ZINSEN ... n u r KREDIT (!)
d.h.
die Krise ist DIESEM (für die banker + kapitalisten
"perfekten") GELD-SYSTEM immanent ( ! )
= geldschöpfung aus dem NICHTS ...
nachzu - "lernen" - ab ca. min. 23:
http://www.videogold.de/warum-die... dnung-ist/

die ENTSCHEIDENDEN fragen sind :
(der rest ist kosmetik)
- 1.) w i e s o ...verschuldet sich der staat PRIVAT (die FED ist eine PRIVAT-bank!),
wenn er über das gelddruck-monopol verfügt ?
(nona ... geht es hier um fundamentale interessen einiger mächtiger !)
- 2.) w i e s o ... wird GELD über KREDIT = SLAVERY geschöpft ?
- 3.) w i e ... ist dieses GELDSYSTEM nachhaltig
zu ersetzen ?

also dann ...
26.10.2008 16:20
ergänzung : ein paar kennziffern "erläutern" mit welcher BLASE wir es zu tun haben ...

. . . in 1000 mrd $ :
- staats-schulden : 2004.../...2007
deutschland........... 2,0..../...2,2...... + 10 %
- finanz-schulden :
hedge-fonds ...........1,0..../...2,0...... + 100 %
Credit default sw. ....8,4.../..62,2...... + 770 %
derivat-verträge ...258,0.../596,0...... + 131 %
...im vergleich BIP - welt .....54,3
.........................- usa ......13,8
................deutschland........ 3,4
- - -
fremdkapital der banken : BIP des landes ...
deutsche bank 0,9 / UBS 4,9 / ING 2,9 / RBS 1,3.
- -
hebel : Deutsche Bank 53, UBS 47, ING 49
usw

die DB...
hat mit dem hebel von 53 (SCHULDEN !)
eine eigenkap.rendite von ca. 30 % eingefahren !
http://www.jjahnke.net/rundbr46.... tml#herbst

mikesh713
 
26.10.2008 15:20
leider richtig

dem kann ich nur beipflichten. Die Frage nach einem auf lange Frist tragbaren Geld- und nicht Kreditsystem ist allerschnellstens zu beantworten.

Ausserdem: Wie kann man eigentlich von Wirtschaftswachstum reden, wenn ein solches "Wachstum" ueber Jahrzehnte hinweg nur auf Kredit gekauft wird?? Diese sogenannte Krise, in der wir uns jetzt befinden ist doch nichts anderes als eine Rueckkehr zu realistischen Werten.

also dann ...
26.10.2008 18:02
ja ... ob es zu einer raschen änderung dieses systems kommt, darf bezweifelt werden ...

z u e r st ...
muss das volk noch bluten, sodass ihnen auch noch das weisse aus dem auge ... herausgezogen wird !
und dann ein krieg ... gegen den iran vielleicht...
sodaß (siehe die beiden weltkriege ü vietnam ü irak ...+++) man mit dem geld-sastem-spiel...
wieder von vorne anfangen kann ...
w a n n
lernen die politiker ... aus der geschichte ?
falls nicht... wird es bald zu umstürzen kommen ...
der unmut über die "bedienung" des kapitals am volk ist schon sehr stark zu spüren !

poldus bellus
26.10.2008 14:27
interessant

ist nur 3

also dann ...
27.10.2008 22:11
hmhm ... d a z u ...müssen sie aber 1.) + 2.) "geschnallt" ...haben ?!

poldus bellus
28.10.2008 00:35
echt ?

kaum

also dann ...
28.10.2008 20:35
a h s ... again ?

poldus bellus
28.10.2008 21:32
wozu

linkslinken Unfug erkenn ich, wenn ich ihn seh.

also dann ...
31.10.2008 02:20
aber geh ...

wien 1220
 
25.10.2008 21:41
OK, Gegenfrage:

Was schlagen Sie vor, damit nicht infolge der Krise 2 bis 3 Mrd. Menschen hungern oder sogar verhungern? Was schlagen Sie vor, damit nicht in Kürze 200 oder gar 300 Millionen Europäer so leben müssen, wie wir es aus Teilen der 3. Welt kennen. Eines ist sicher: Wenn nichts getan wird, ist es im Laufe des nächsten Jahres so weit.

Wenn man so genau weiß, was alles falsch ist, sollte man vielleicht auch ein Rezept haben, um genau diese katastrophalen Folgen zu verhindern. Sicher, der Boden wäre bei Nichtstun rasch erreicht, aber es spricht alles dafür, dass die Wirtschaft dort dann auch die nächsten 3 bis 4 Jahre bleibt. Ob die betroffenen Menschen so lange durchhalten werden/können?

PS: Die Manager kommen auch in diesem Fall über die Runden

mikesh713
 
26.10.2008 18:45
also

das Problem eines uebermaessigen und auf lange Sicht nicht tragbaren Wachstums ist ja nicht auf den Finanz- und Wirtschaftsbereich beschraenkt. Ist es denn denkbar, dass sich auch der Mensch sich auf ein unrealistisches Niveau vermehrt hat?

Ihr Gedankengang ist schon richtig, es mus etwas getan werden. Es sind aber alle (also auch schmerzhafte) Moeglichkeiten offen.

José Atento
26.10.2008 10:49

Im Prinzip ist es so, dass eine tiefe Rezession zwar sehr schmerzhaft wäre, aber dass diese relativ bald überwunden wäre.

Wenn jetzt vom Staat zu viel des Guten getan wird, dann wird es eher eine lange Rezession mit der Gefahr in eine Depression, ähnlich wie in den 30er Jahren, abzugleiten. Auch die drohende Hyperinflation wäre eine große Gefahr.

wien 1220
 
26.10.2008 19:10

Was ist relativ bald? 5 Jahre sind ein durchaus realistischer Zeitraum.

5 Jahre ohne Einkommen, können sie sich vorstellen was das bedeutet und wie die Betroffenen wohl darauf reagieren werden?

José Atento
26.10.2008 21:31
Die Variante 2 (Depression) wäre eher die 5- Jahres Variante.

Sonst sind Rezessionen in ein oder zwei Jahren erledigt.

Der Arbeitsmarkt ist in dieser Zeit sehr angespannt. Wer sich zuvor nicht übermäßig verschuldet hat, kann das mit sozialer Unterstützung durch den Staat ganz gut überstehen. Für die großen Schuldner ist es schmerzvoller, da sie ihren Standard deutlich zurückschrauben müssen. Aber deshalb gibt es die Rezession. Die Übertreibungen müssen bereinigt werden. Diese werden sich in der nächsten Konjunkturerholung überlegen, ob sie nochamls so "leichtsinnig" agieren. Das muss man auch lernen.

Viel Chaos wäre uns erspart geblieben, hätten die ZBs das hin und wieder zugelassen.

Wir können mit Rezessionen nicht mehr umgehen, leider. Schon gar nicht mit einer Depression.

her wig
26.10.2008 07:40

Na gut, Sie haben recht, folgen wir weiterhin dem gewohnten Kurs. Er hat uns zwar in die Krise geführt, aber die Versprechungen sind noch so gut wie eh und jeh.

wien 1220
 
26.10.2008 19:17

Wäre Bürgerkrieg die bessere Lösung?

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