KRIMI
Dank des Oligarchen

24. Oktober 2008, 18:19
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Leif Davidsens "Der Russe aus Nizza" - Das Netz der Oligarchen, welche leisetreten, um nicht dasselbe Schicksal zu erleiden wie Chodorkow

Manchmal zahlt sich eine gute Tat aus. Ohne den russischen Oligarchen, den Marcus Hoffmann in Nizza davor bewahrt hat, von Gangstern zusammengeschlagen zu werden, hätte Marcus sein darauf folgendes Abenteuer nicht überlebt. Dabei begann alles so harmlos. Seine Frau Nathalie hat beschlossen, ihre Vergangenheit in Russland nicht länger zu verdrängen und eine Urlaubsreise auf der Wolga zu buchen. 300 Kilometer von Moskau entfernt macht man einen Landgang im Städtchen Uglitsch. Hier gibt es keine Glitzermeilen, die Kinder betteln, die Gebäude sind vernachlässigt. Natalie verschwindet, Marcus verlässt das Schiff, um nach ihr zu suchen.

Polizisten schlagen ihn zusammen und rauben ihn aus. Die dänische Botschaft in Moskau ist weit, Hilfe nicht zu erwarten. Obdachlose Kinder bieten Marcus Unterschlupf in einem Keller. Als Marcus entdeckt, dass Nathalie keine Russin, sondern eine Tschetschenin ist, begreift er die historische Verstrickung der erbitterten Gegner und erkennt, dass Nathalie in Wirklichkeit auf der Suche nach ihrer Schwester, einer zum Selbstmordattentat bereiten "Schwarzen Witwe", gewesen ist. Leif Davidsen schildert das Netz der Oligarchen, welche leisetreten, um nicht dasselbe Schicksal zu erleiden wie Chodorkowski, aber dennoch ein Staat im Staate sind. Viel ist zu lesen über politische Entwicklungen, offizielle Perspektiven werden infrage gestellt. Bildend und spannend - leider in einer mühsam kleinen Schrift. (Ingeborg Sperl, DER STANDARD/Printausgabe, 25./26.10.2008)

Leif Davidsen, "Der Russe aus Nizza". Deutsch: Anne-Bitt Gercke. € 20,50 / 477 Seiten. Zsolnay, Wien 2008

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    foto: zsolnay
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