"Far Cry 2": Dschungelkampf in idyllischen Bildern

25. Oktober 2008, 10:56
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Afrika spielt nicht selten die Rolle sehnsuchtsvoller Projektionen einer Mediengesellschaft. Ein ideales Feld für Videospiele

Afrika ist immer für eine Hauptrolle gut. In Literatur und Film wurde die Exotik, das Gefährliche, Unbekannte schnell zum gern aufgesuchten Schicksalsplatz. Afrika ist Tarzan, ist wildromantische Kulisse für tragische Liebe oder Thema halb authentischer Kriegsinszenierungen à la „Blood Diamond" mit Leonardo DiCaprio. Afrika spielt nicht selten die Rolle sehnsuchtsvoller Projektionen einer Mediengesellschaft. Ein ideales Feld für Videospiele.

Ego-Shooter

Afrika als klassische Heimat von Abenteuerfiktionen spiegelt sich - mit allen dazugehörigen Klischees und Übertreibungen - auch im Ego-Shooter Far Cry 2 (Ubisoft, für PC, XBox 360, PS 3, ab 16 Jahre, ab 50 Euro). Wie es sich für einen Mainstream-Titel gehört, geht es dabei vor allem um das optische Spektakel. Pittoreske Lichtspiele werden in stimmungsvoll herausgearbeiteten Savannen-, und Dschungellandschaften zur Sensation. Die offene Spielwelt soll einer Größe von 50 Quadratkilometern entsprechen. Auf die effektvolle Inszenierung von Feuer wurde besonderer Wert gelegt.

Jeep, GPS und Landkarte

Das anfängliche selbstständige Erkunden dieser Welt per Jeep, GPS und Landkarte vermittelt tatsächlich das Gefühl eines Aufbruchs in ein Abenteuer. Als Söldner übernimmt man Aufträge der Rebellengruppen, wird aber von beiden als Feind behandelt. Spielziel ist das Ausschalten eines Waffenhändlers.

Far Cry 2 könnte untergehen wie Crysis

Erster Enthusiasmus wird aber schnell gebremst: Immergleiche Kontrollposten sind auszuschalten, weite Fahrwege zurückzulegen, und die Geschichte krankt am wenig abwechslungsreichen Handlungsaufbau. Der Kampf gegen die eigene Malaria-Erkrankung (Tabletten besorgen und schlucken) und klischeehafte, aber liebevoll realisierte Figuren einer afrikanischen Konfliktzone steuern ein bisschen entgegen. Das Afrika von Far Cry bietet zwar noch mehr Stimmung und Tiefe als die ähnlich aufgebaute Welt von Mercenaries 2. Die Liebe zum Detail, die GTA_4 schafft, bleibt aber unerreicht. Als eher mühsam erweist sich auch die Multiplayer-Spielvariante. Call of Duty 4 bleibt hier das Um und Auf, Far Cry 2 könnte untergehen wie Crysis.

Ansichtssache

Wie authentisch eine Kriegsfiktion als virtuelle Welt sein darf, ist, wie immer, Ansichtssache. Diamanten als Währung und rivalisierende Rebellenparteien erinnern an die Bürgerkriege in der Elfenbeinküste. Die Realität der Kindersoldaten bleibt natürlich für ein Spiel, das Gewalt derart leicht und oberflächlich behandelt, völlig unmöglich darzustellen. (Alois Pumhösel, DER STANDARD Printausgabe, 25. Oktober 2008)

 

 

  •  Wie es sich für einen Mainstream-Titel gehört, geht es bei "Far Cry 2" vor allem um das optische Spektakel

    Wie es sich für einen Mainstream-Titel gehört, geht es bei "Far Cry 2" vor allem um das optische Spektakel

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