Phasenschmeichler

27. Oktober 2008, 17:00
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Die Winterzeit ist da - endlich - Die eine Stunde erleichtert in den ersten Tagen das Aufstehen - Das tut der Schlafphasenwecker nicht - ein Selbsttest

Endlich aufwachen ohne das Gefühl, man hätte die Nacht unter einer Straßenwalze verbracht. Ins Büro tänzeln voller Elan und Tatendrang, bestens gelaunt und sprühend vor Ideen, freundlich und fröhlich. Das waren die Erwartungen angesichts des Schlafphasenweckers von aXbo.

Die Beschreibung, die den Wecker in die Redaktion begleitet, klingt viel versprechend. aXbo-Anwender würden nicht aus der Tiefschlafphase gerissen werden und sanft erwachen. Ein Traum für Leute wie mich, die jeden Morgen aufs Neue ungläubig auf den Wecker starren und nur unter Aufbringung aller Kraft der Versuchung widerstehen können, einfach zu „verschlafen".

Drücken, Drehen, Scrollen

Also raus mit dem Ding aus der knallorangen Schachtel. Runde Ecken, durchsichtiges Zahlendisplay und seidig matt glänzende Oberfläche sehen nett aus. Als konsequente Gebrauchsanweisungsverweigererin wird der aXbo-Wecker sofort ans Netz gesteckt und dann folgen intuitives Drücken, Drehen, Scrollen am Bedienrad. Zeit, Datum und Wecker zu programmieren ist kein Problem. Der Sensor, der den besten Moment für ein sanftes Erwachen überwachen soll, wird in einer Art Schweißband um das Handgelenk gelegt.

Die erste Nacht naht. Der Radiowecker mit dem Ö1-Morgenprogramm wird als Sicherheitsnetz auch weiterhin eingeschaltet bleiben - man weiß ja nie. Die Wecktonvarianten des aXbo-Schlafphasenweckers reichen von blechernem Vogelgezwitscher über Gitarrenakkorde bis zu nervtötendem Trommelwirbel.
Um zwei Uhr wird es langsam Zeit, schlafen zu gehen. Und dann erweist sich ein Blick in die Gebrauchsanleitung als doch sehr hilfreich, um den Wecker tatsächlich aktivieren zu können. Nach knapp fünf Minuten dann endlich Licht aus, ein letzter Blick auf den Radiowecker und gute Nacht.

Alles wie gehabt

Die eingestellte Weckzeit unterschreitet der aXbo am folgenden Morgen um rund zwanzig Minuten und beginnt mit der Beschallung. Damit ist klar, wann meine Tiefschlafphase vorüber war. Das Erwachen unterscheidet sich nicht von allen anderen Tagen, an denen mich Mozart und Igor Strawinsky aus dem Bett geklimpert, posaunt und gegeigt haben. Die Musikqualität ist nicht so gut, gerädert bin ich trotzdem und so wanke ich wie gehabt müde, grantig und planlos in die Redaktion.

Ich gebe dem aXbo noch eine zweite und eine dritte Chance - es ändert sich nichts an der morgendlichen Qual. Die vierte vergeigt er, indem er sich einfach über Nacht selber in den Schlaf begibt - ausgerechnet am jenem Morgen, an dem der gute alte Radiowecker erstmals nicht als doppelter Boden dienen muss. Vermutlich war der Akku leer, jedenfalls hatte ich an diesem Morgen das angenehmste Aufwachen während der gesamten Testphase und zum ersten Mal konnte ich ein Gefühl des Ausgeruhtseins feststellen - kein Wunder. Die folgende, unvermeidliche Morgenhektik, um doch noch einigermaßen rechtzeitig ins Büro zu gelangen, zapfte die eben gesammelten Energien wieder ab und so begab ich mich müde, grantig und planlos ins Büro.

Die Macht der Suggestion

Auf Nachfrage bei Schlafforschern wurde mir erklärt, dass die Wirkungsweise dieser Wecker nicht getestet wurde. „Getestet wurde die subjektive Qualität von Schlafphasenweckern und dabei stellte sich heraus, dass ein Großteil der Befragten eine bessere Aufwachqualität erleben", erklärt Gerda M. Saletu-Zyhlarz, Ärztin für Psychiatrie und Neurologie und Leiterin der Schlafambulanz an der Universitätsklinik für Psychiatrie in Wien.

Eine andere Schlafforscherin streitet jede Wirkungsweise kategorisch ab. Demnach wecken diese Geräte erst auf, wenn man ohnehin schon erwacht ist, da es im Schlaf mehrmals zum so genannten „Mikro-Erwachen" kommt. Es sei vor allem die Macht der Suggestion, die Menschen das Gefühl gibt, mit einem Schlafphasenwecker leichter auf zu wachen.

Ich für meinen Teil freue mich, in Zukunft wieder mit Geigen und Flöten zu erwachen und denke darüber nach, gelegentlich vor Mitternacht ins Bett zu gehen, um meine Schlafphasen etwas zu erweitern. (ham/derStandard.at/27.10.2008)

Informationen:
aXbo

  • Bei der Redakteurin leider völlig wirkunslos - der Schlafphasenwecker.
    foto: axpo

    Bei der Redakteurin leider völlig wirkunslos - der Schlafphasenwecker.

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