Mit dem Handy papierlos abheben

24. Oktober 2008, 09:58
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Das "papierlose" elektronische Ticket, von den meisten im Büro oder daheim ausgedruckt, nähert sich der tatsächlichen Papier-losigkeit: Lufthansa schickt Passagieren die Bordkarte jetzt aufs Handy.

Seit geraumer Zeit arbeiten Fluglinien an der Papierlosigkeit, seit diesem Sommer gehört das Flugticket aus Papier bei allen IATA-Airlines endgültig der Vergangenheit an. Billigflieger haben von Anfang an auf Online-Buchungen und papierlose E-Tickets gesetzt, da die elektronische Abwicklung billiger kommt und obendrein den Mittelsmann (das Reisebüro) und seine Provision weitgehend ausschaltet.

Ansprüche

Netzwerkcarrier wie die heimische AUA oder die deutsche Lufthansa waren da etwas zurückhaltender, da Tickets zwischen verschiedensten Airlines und deren IT-Systemen reibungslos funktionieren müssen, und das konnte Papier lange Zeit am besten. Obendrein bleiben Reisebüros ein wichtiger Vertriebskanal, die Online-Buchung wird daher etwas zurückhaltender betrieben. Rund ein Fünftel macht bei Lufthansa weltweit der Online-Vertrieb aus.

Boarding

Papier begleitet aber, trotz kompletten elektronischen Buchungs- und Check-in-Prozesses, weiterhin in Hülle und Fülle das Fliegen: Die meisten Empfänger eines E-Tickets drucken dieses vorsorglich aus und geben es zu ihren Reiseunterlagen; falls sie vom Online-Check- in Gebrauch machen, muss auch der Boardingpass ausgedruckt werden - ansonsten wird am Flughafen eine Bordkarte aus gutem altem Papier ausgegeben.

Papierlos

Die Lufthansa setzt jetzt darauf, die gesamte Abwicklung wirklich papierlos zu machen. Das E-Mail- und internetfähige Handy ist dafür der optimale Ersatz. Auch Passagiere aus Wien können seit einigen Wochen diese Möglichkeit nutzen: online daheim einchecken - und mit dem Handy direkt zum Gate.

Reduktion

Bemühungen dazu habe es schon 2000 gegeben, erklärt Ulf Lengemann, bei Lufthansa für den Passagierprozess von Buchung bis Einsteigen zuständig. "Aber nach 9/11 wurden die Projekte wieder ad acta gelegt." Informationsträger wie Kredit- oder Vielfliegerkarten wurden in der Nachdenkpause zur Seite geschoben, "denn die Fluginformation muss für Passagier und Personal in Klartext lesbar sein".

Was übrig blieb und ab 2007 getestet wurde, waren Handys - genauer: die Smartphones, die eine mobile Bordkarte über mobiles Internet empfangen und den Bar-code, die maschinenlesbare Kombinationen aus Punkten und Strichen, auch anzeigen können. Für Menschen gibt es dazu weiterhin den Volltext mit allen Angaben zum jeweiligen Flug.

Zeitersparnis vor Abflug

Der Vorgang ist einfach: Ab 23 Stunden vor Abflug können Passagiere selbst online einchecken, am PC oder via Handy, und erhalten dabei eine gültige Bordkarte. Der Weg zum Check in entfällt, allenfalls muss noch Gepäck abgegeben werden, aber insgesamt ist dies eine beträchtliche Zeitersparnis.

Wer am papierenen Relikt festhalten will, kann die Bordkarte ausdrucken; wer unbeschwert zum Gate gehen will, lässt sich eine mobile Bordkarte per Mail oder SMS aufs Handy schicken. Die SMS selbst ist ein Link, über den im Handy-Browser die Bordkarte angezeigt wird. Obwohl die Mail samt dem gültigen Barcode an andere weitergeleitet werden kann, kann nur einer einchecken: Sobald der Code vom Scanner erfasst wurde, wird er für weitere Versuche gesperrt. Die mobile Karte gilt auch für Sicherheitskontrollen und Lounges am Flughafen.

Früher Start in Wien

Zehn Prozent aller Passagiere, rund 100.000 die Woche, nutzen bereits den Online-Check-in; und wiederum fast zehn Prozent davon, derzeit 9000, verzichten auf das Papier und setzen auf ihr Handy, sagt Aage Dünhaupt, Pressesprecher der Lufthansa. Derzeit gibt es die mobile Bordkarte in Deutschland, sowie in Wien, Amsterdam und London, Anfang November kommen zwölf weitere Stationen dazu.

Führen solche Rationalisierungen zu Reduktion beim Bodenpersonal? "Natürlich gibt es diese Sorgen", sagt Michael Knauf, der die Fluggastdienste der Lufthansa in Frankfurt leitet. "Aber wir treten dem entgegen, es hat in Frankfurt noch nie Personalreduktionen gegeben." Das Ziel: das Passagierwachstum mit demselben Personalstand und derselben Anzahl an Schaltern zu bewerkstelligen- und die Wartezeiten zu verringern. (Helmut Spudich / DER STANDARD Printausgabe, 24.10.2008)

  • Artikelbild
    foto: lufthansa
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