Guinea übernimmt am Samstag Vorsitz im Sicherheitsrat

27. Februar 2003, 14:01
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Haltung des Landes in der Irak-Frage noch unentschieden

Conakry - Der westafrikanische Staat Guinea übernimmt am Samstag von Deutschland den Vorsitz im UN-Sicherheitsrat. Das Land zählt in der Irak-Frage zu den Unentschiedenen und wird von den beiden gegensätzlichen Lagern - Washington und London einerseits und Paris andererseits - heftig umworben. Guinea hat 7,7 Millionen Einwohner, darunter 85 Prozent Muslime, und beherbergt Millionen Flüchtlinge aus Liberia und Sierra Leone. Es zählt zu den ärmsten Ländern der Erde.

Beobachter sehen die Regierung von Präsident General Lansana Conte in einem Zwiespalt. Denn einerseits betrachteten viele Staaten der Region die Vormachtstellung der USA mit Argwohn. "Für Afrikaner ist es schwierig, diesen Krieg wegen Diktatur, Rechtsverletzungen und Korruption im Irak zu rechtfertigen", schreibt der Onlinedienst Guineenews. "Dies ist in fast jedem afrikanischen Land alltägliche Realität. Warum greift Amerika nicht die Diktatoren hier an?"

Der Experte Ross Herbert vom renommierten Südafrikanischen Institut für Internationale Beziehungen glaubt jedoch, dass wirtschaftliche Fragen letztlich den Ausschlag für die Haltung Guineas im Sicherheitsrat geben werden. "Sie brauchen Geld, ähnlich wie die Türken", sagt Herbert.

Vor einer offiziellen Entscheidung des Landes haben Vertreter der USA, Großbritanniens und Frankreichs in den vergangenen Wochen Gespräche mit der Regierung von Guinea geführt. "Wir sprechen mit Leuten. Wir versuchen nicht, Stimmen zu kaufen", sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums am Mittwoch in Washington. Die USA sind größter Abnehmer der Bodenschätze des Landes. London kündigte Unterstützung für westafrikanische Flüchtlinge in Höhe von vier Millionen Pfund (5,8 Millionen Euro) an, wovon das meiste Guinea erhält. Frankreich ist größter Zahler von Entwicklungshilfe und hat aus Kolonialzeiten gute Beziehungen in die Region. "Wir sind für die Fortsetzung von Inspektionen, aber nicht unbegrenzt", sagte UNO-Botschafter Mamady Traore in der Sicherheitsratssitzung am 14. Februar. (APA/AP)

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