Vermutungen im Fall Natascha Kampusch wird nachgegangen

5. Oktober 2006, 15:53
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Vor fünf Jahren verschwand die Zehnjährige - ein Wiener Detektiv glaubt die Leiche in einem Schotterteich im Burgenland zu finden

Wien - Vor fünf Jahren, am 2. März 1998, einem Montag, ist in Wien ein zehnjähriges Mädchen verschwunden. Natascha Kampusch hatte sich in der Früh auf den Weg zur Volksschule gemacht und ist dort nicht angekommen. Trotz intensiver Suche in ganz Österreich und sogar in Ungarn und fand sich von der kleinen Brillenträgerin keine Spur. Bis heute hat sich daran nichts geändert.

In ein Auto gezerrt

Eine Zwölfjährige wollte beobachtet haben, dass das Mädchen auf dem Weg zur Schule vom Rennbahnweg in der Donaustadt zur Brioschigasse in einen weißen Kleinbus gezerrt wurde. Dafür gibt es sonst offenbar keine Zeugen, obwohl die Strecke zu diesem Zeitpunkt sehr belebt war. Die Polizei überprüfte in der Folge erfolglos mehr als 700 Kleinbusse in ganz Österreich. Taucher durchsuchten Schotterteiche, Kriminalisten gingen tausenden Hinweisen nach, von Hubschraubern aus wurde mit Wärmebildkameras nach dem vermutlich meist gesuchten Kind Österreichs geforscht.

Kind hatte Reisepass bei sich

Da Natascha ihren Reisepass bei sich hatte und mit ihrem Vater öfters zu Besuch bei Bekannten in Ungarn gewesen war, wurden die Ermittlungen auch in dieses Land ausgedehnt. Öffentlichkeit und Exekutive standen damals noch unter dem Eindruck des knapp zwei Jahren zuvor aufgeflogenen Dutroux-Skandals in Belgien. Befürchtet wurde deshalb, dass die Zehnjährige von einem Kinderschänder entführt worden sein könnte. Nachdem der Fall Thema der Fernseh-Sendung "Aktenzeichen XY - Ungelöst" war, ging ein Hinweis ein, wonach sich das Kind in Ungarn befinde. Die Überprüfung ergab aber, dass es sich nicht um Natascha handelte.

Verdächtigungen

Der Fall Natascha hat 2001 sogar einem oststeirische Politiker eine Verurteilung eingebracht. Martin Wabl - kurzzeitig Präsidentschaftskandidat - hatte nach Eigenrecherchen seine Version der Tat kundgetan, in der er die Mutter Nataschas mit deren Verschwinden in Zusammenhang brachte. Die Frau klagte auf Widerruf und Unterlassung, Wabl wurde in erster Instanz verurteilt.

Wiener Detektiv auf der Spur

Ein Wiener Detektiv ist nach eigenen Ermittlungen überzeugt, dass zwei bestimmte Personen mit dem Verschwinden des Kindes in Zusammenhang stehen und die Kriminalisten des Sicherheitsbüros von einem falschen Zeit-Weg-Diagramm ausgegangen seien. Eine der von ihm verdächtigten Personen besitze ein Grundstück mit Teich in Niederösterreich. Der Detektiv urgierte dort Grabungen. Mit den Erhebungen im Fall Natascha hat das Bundeskriminalamt mittlerweile die Kriminalabteilung Burgenland beauftragt. Und derzeit geht es um die Frage, ob auf dem bezeichnete Grundstück gesucht werden soll oder nicht.

Grabungen

Die Staatsanwaltschaft Wien wollte nach Angaben von Erstem Staatsanwalt Helmut Kellner graben lassen. Der Antrag sei vom Gericht zunächst als nicht zielführend abgelehnt worden. Die Anklagebehörde hat dagegen Beschwerde erhoben, der schließlich stattgegeben wurde. Wann das Vorhaben in Angriff genommen wird, steht laut Kellner noch nicht fest. Es müssten erst "erhebungsmäßige und technische Voraussetzungen" geschaffen werden. Grundsätzlich gebe es ja "immer neue Versuche, den Fall zu klären, und immer neue Erhebungen in verschiedene Richtungen", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. "Aber bisher nichts Greifbares." (APA)

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