Stiller Abgang einer Stillen

28. Februar 2003, 10:42
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Andrea Kuntzl tritt als SP-Bundesgeschäfts-
führerin zurück und will sich als Familiensprecherin wieder der inhaltlichen Arbeit widmen

Wien - Nachdem die nächste Zukunft der SPÖ mit dem Verbleib in der Opposition entschieden ist, sei es sei Zeit für "persönliche Weichenstellungen" gewesen, begründete Andrea Kuntzl ihren Rücktritt als SP-Geschäftsführerin. "Ich habe mich entschieden, dass ich mich nach drei Jahren von Organisationsfragen freispielen möchte und daher aus dem Parteimanagement ausscheide", sagte Kuntzl im Gespräch mit dem STANDARD. Sie wolle "wieder mehr inhaltlich-konzeptiv arbeiten" und ihren Schwerpunkt auf die parlamentarische Tätigkeit - Kuntzl ist seit Dienstag Familiensprecherin ihrer Partei - verlagern. Dass Kuntzls Abgang erst der Anfang eines größeren Umbaus der Parteizentrale ist, wird in der SPÖ heftig bestritten. Ebenso das Gerücht, dass Kuntzl intensivem Mobbing ausgesetzt gewesen sei und nun das Handtuch geworfen habe.

Sie selbst wollte sich dazu nicht näher äußern und meinte lediglich: "Das politische Pflaster ist oft kein nobles. Das war aber kein Grund für die jetzige Entscheidung."

Zwei Punkte ihrer Bilanz hob Kuntzl besonders hervor: "Das Projekt Netzwerk Innovation, wo es gelungen ist, mit über 1000 Experten, Leuten aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen sehr interessante Politikvorschläge auszuarbeiten. Und mein Nachfolger übernimmt ein finanziell saniertes Haus, wo es wieder mehr Bewegungsspielraum gibt."

Wer das sein wird, ist noch offen. Zuletzt wurde immer wieder der burgenländische Klubobmann Norbert Darabos genannt. Die Salzburger SP-Chefin Gabi Burgstaller brachte dagegen Josef Broukal ins Spiel, der sich vor allem um die Kommunikation nach innen und außen kümmern sollte. Kuntzls Rücktritt sei für sie überraschend gekommen, versicherte Burgstaller, die erst vor zwei Tagen ein "Kommunikationsgenie" als Ergänzung für das Parteimanagement gefordert hatte. "Es war nicht mein Anliegen, dass jemand geht", sagte Burgstaller. Broukal ließ umgehend ausrichten, dass er nicht SP-Geschäftsführer werden will.

Parteichef Alfred Gusenbauer bedauerte Kuntzls Rücktritt. Ihr Schritt sei aber "als persönliche Entscheidung zu akzeptieren", sagte Gusenbauer. Er bedanke sich "ausdrücklich für ihren vorbildhaften Einsatz in den letzten drei Jahren". (kob/DER STANDARD, Printausgabe 28.02.2003)

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    Ex-SP-Bundesgeschäfts-
    führerin und frischgebackene Familiensprecherin der SPÖ Andrea Kuntzl.
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