Illinois: Wieder Häftling in Todeszelle

27. Februar 2003, 11:36
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Erstes Todesurteil seit Begnadigungsaktion von Ex-Gouverneur

Charleston/USA - Erstmals seit der Begnadigung aller zum Tode verurteilten Häftlinge in Illinois hat ein Gericht in dem US-Staat wieder die Todesstrafe gegen einen Angeklagten verhängt. Die Geschworenen in Charleston verurteilten Anthony Mertz am Mittwoch wegen der Ermordung einer 21-jährigen Studentin im Jahr 2001. Die Verteidiger warfen den Geschworenen vor, ihr Urteil als Zeichen der Missbilligung der Begnadigungsaktion von Exgouverneur George Ryan gefällt zu haben.

"Es ist, als ob sie sagten 'Wir zeigen es Gouverneur Ryan. Wir füllen die Todeszellen wieder auf'", sagte Anwältin Paula Phillips. Ryan hatte alle 167 Todeskandidaten des Staats unmittelbar vor seinem Ausscheiden aus dem Amt im Jänner begnadigt und die Strafe für die meisten in lebenslange Haft umgewandelt. Zur Begründung sagte er, das System sei "willkürlich und unberechenbar und daher unmoralisch".

Sein Nachfolger Rod Blagojevich hat erklärt, er werde das von Ryan 2000 verhängte Moratorium für Hinrichtungen beibehalten, er plane aber keine weiteren Begnadigungen. Blagojevich setze sich im Parlament von Illinois für Reformen ein, bevor Hinrichtungen wieder aufgenommen würden, sagte sein Sprecher Tom Schafer. Seit 1977 wurden in Illinois 17 Fälle aufgedeckt, in denen Unschuldige zum Tode verurteilt worden waren. (APA/AP)

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