"Viszerales" Fett des Bauchs gefährlich

27. Februar 2003, 10:18
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Herz-Kreislauf- Erkrankungen als mögliche Folge

Saalfelden - Übergewicht, eine gefährliche Körperfett-Verteilung, zu viel Cholesterin, Bluthochdruck und Rauchen sind die wichtigsten Gefährdungsmomente für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Daraus können komplizierte Risikoberechnungen abgeleitet werden. Doch am einfachsten ist das Maßband. Das erklärte Mittwoch Abend bei der Fortbildungstagung der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden der Grazer Stoffwechselexperte Univ.-Prof. Dr. Hermann Toplak.

"Die Atherosklerose gab es schon immer. Sie hat nur in jüngerer Vergangenheit mehr Bedeutung bekommen. Erwischen tut's einen jeden", warnte der Fachmann.

Am Beginn der Gefäßverkalkung steht eine Störung der Funktion der Auskleidungs-Schicht der Arterien, des so genannten Endothels. Mit der Zeit - so der Experte - bilden sich Fett-Plaques, welche aufreißen und zu tödlichen Gerinnseln (Herzkranzgefäße/Herzinfarkt oder Gehirn/Schlaganfall) führen können.

Fettstoffwechsel

Toplak: "Dahinter steckt der Fettstoffwechsel. Die eigentlichen genetischen Störungen hier sind selten." Leberzellen besitzen auf ihrer Oberfläche Rezeptoren, welche das "böse" LDL-Cholesterin aus dem Blut holen sollen. Der Experte: "Diese Rezeptoren werden von den Eltern vererbt." Werden hier Schäden weiter gegeben, wird zu wenig Cholesterin aus dem Blut entfernt und abgebaut. Gleichzeitig "glauben" die Leberzellen, dass zu wenig Cholesterin vorhanden ist und produzieren davon auch noch mehr.

Toplak: "Einer von 500 Menschen hat bei uns eine solche familiäre Hypercholesterinämie. In der Steiermark gibt es davon rund 2.000 Menschen." Sie sind besonders von der Atherosklerose bedroht.

Das "viszerale" Fett des Bauchs

Bei der Mehrheit der Menschen erzeugen jedoch Lebensstilfaktoren solche Fettstoffwechselstörungen. Toplak: "Das hat etwas damit zu tun, wie das Fett am Körper verteilt ist." Gefährlich ist das "viszerale" Fett des Bauchs. Das entspricht der Fettverteilung bei vielen Männern. Frauen sind seltener betroffen.

Toplak: "Es fließt zu viel Fett durch unseren Körper, auch die Muskeln verfettten. In allen Zellen ist mehr Fett enthalten." Dabei entwickelt sich auch eine so genannte Insulinresistenz als Vorstufe zum Diabetes. Dabei steigt bereits das Herz-Kreislauf-Risiko. "Wenn wir schwerer werden, steigt unsere Gefährdung eine Herz-Kreislauf-Erkrankung", sagte Toplak.

Bauchumfang

Das wichtigste Merkmal ist dabei nicht das Gewicht oder die Blutfettwerte, sondern der Bauchumfang. Der Grazer Experte: "Ein Mann sollte nicht mehr als 100 Zentimeter Bauchumfang haben, eine Frau nicht mehr als 90 Zentimeter Bauchumfang."

Frauen und Männer sind allerdings gleich bedroht. Toplak: "Frauen bekommen genau so viele Herzinfarkte wie Männer, sie bekommen sie nur später. Doch 80 Prozent der Lipidsenker (Cholesterinsenker, Anm.) werden in Österreich Männern verschrieben. Wir behandeln also unsere Frauen ausgesprochen schlecht."

Daraus leitet sich laut Toplak: "Wir müssen uns gesund ernähren und durch Training genug Fett verbrennen. Bei vererbten Störungen sollte auch medikamentös behandelt werden." (APA)

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