Kurssturz bei der HypoVereinsbank

27. Februar 2003, 23:13
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HVB-Aktienkurs bricht ein - Gerüchte um Verkauf der Tochter BA-CA nur halbherzig dementiert - mit Infografik

Wien - Spekulationen über die bevorstehende Ausgabe einer "Zwangswandelanleihe" der HypoVereinsbank (HVB) haben den Aktienkurs des zweitgrößten deutschen Geldinstituts am Donnerstag noch tiefer in den Keller geschickt. Das Papier fiel zwischenzeitlich auf den Rekordtiefstand von 8,13 Euro, erholte sich aber im weiteren Tagesverlauf wieder etwas. Insgesamt machte der Verlust aber noch immer knapp zehn Prozent aus. Zum Zeitpunkt des Umtausches von Aktien der Bank Austria in solche der HVB (Februar 2001) im Verhältnis eins zu eins wurde die HVB-Aktie noch zu 63,7 Euro gehandelt.

"Zwangswandelanleihe" im Brennpunkt

Ein Bericht im Handelsblatt, wonach die HVB dringenden Kapitalbedarf habe und die Ausgabe einer "Zwangswandelanleihe" im Ausmaß von drei bis vier Mrd. Euro plane, wird von der HVB dementiert. Das sei rechtlich gar nicht möglich, versicherte Rene Beutner von der Presseabteilung dem STANDARD. Das Institut verfüge schließlich nur über ein von der Hauptversammlung genehmigtes Kapital von insgesamt 1,08 Mrd. Euro. Ob von dieser Ermächtigung zur Kapitalbeschaffung Gebrauch gemacht werde, sei aber noch offen.

Fest stehe nur, dass die Kernkapitalquote (siehe Wissen) von derzeit 5,6 Prozent bis Jahresende auf sieben Prozent angehoben werde soll. Derzeit würden alle Möglichkeiten dafür geprüft. In diesem Zusammenhang wurde von Vorstandschef Dieter Rampl angekündigt, dass alle Beteiligungen der HVB auf dem Prüfstand stünden. Ob das auch für die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) gelte, wurde von der HVB mit dem Hinweis, die Österreich-Tochter sei ein "integraler Bestandteil der HVB Group", nur halbherzig dementiert. Hinter vorgehaltener Hand wurde versichert, dass man in München stark auf das Geschäftsfeld Österreich sowie Mittel- und Osteuropa setze, da in diesem Bereich die besten Expansionschancen gegeben seien.

BA-CA-Verkauf unwahrscheinlich

Als Anzeichen dafür, dass ein Verkauf der BA-CA als unwahrscheinlich gilt, wird die Bestellung von BA-CA-Chef Gerhard Randa zum Chief Operating Officer (COO) und damit zum zweitwichtigsten Mann im HVB-Vorstand genannt. Außerdem werden BA-CA-Vorstand Willi Hemetsberger beste Chancen eingeräumt, als Nachfolger von Stephan Bub in den Konzernvorstand der HVB aufzurücken.

Zwei weitere BA-CA-Spitzenmanager klettern die Karriereleiter ebenfalls eine Sprosse höher. Vorstandsdirektor Wolfgang Haller soll in Zukunft gleichzeitig bei der HVB als Bereichsvorstand (zweite Managementebene) für Informationstechnologie und Organisation fungieren. Und der Ressortleiter Treasury der BA-CA, Johann Strobl, soll in gleicher Funktion für das Marktrisikomanagement der HVB verantwortlich sein.

Dass die AVZ-Privatstiftung, mit 5,2 Prozent drittgrößter Aktionär der HVB, durch den bereits angekündigten Dividendenausfall Ertragsprobleme bekommt, wird von einem AVZ-Sprecher dementiert. Die übrigen AVZ-Beteiligungen würden ausreichende Erträge abwerfen, um den Technologiefonds der Gemeinde Wien zu dotieren. (gb/DER STANDARD Print-Ausgabe, 28.2.2003)

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