Bitter-Blocker für besseren Geschmack

27. Februar 2003, 10:01
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Ausschüttung des Proteins Gustducin wird blockiert

London/New York - Die in New York ansässige Biotech-Firma Linguagen hat neue Zusatzstoffe entwickelt, die Medikamenten und Nahrungsmitteln ihren bitteren Geschmack nehmen. Die laut eigenen Angaben natürlichen Substanzen könnten nicht nur Pharmaunternehmen in der Entwicklung besser schmeckender Medizin unterstützen, auch Nahrungsmittel-Produzenten könnten von der Innovation profitieren. Bitter-Blocker sollen helfen, den hohen Anteil an Geschmacksstoffen wie Salz, Zucker und Fett, die den meisten verarbeiteten Lebensmitteln zugesetzt werden, zu reduzieren. Linguagen hat für ihre Substanzgruppe bereits ein Patent erhalten. Nahrungs- und Pharmaindustrie hätten bereits Interesse bekundet.

Linguagen wurde von Robert Margolskee von der Mount Sinai School of Medicine in New York gegründet. Margolskee entdeckte die spezielle Reaktionskaskade, die zur bitteren Geschmackswahnehmung führt. Erkennen demnach Geschmacksrezeptorzellen im Mund bittere Substanzen wie z.B. Naringin in Grapefruits, Koffein oder dem Schmerzmittel Ibuprofen, wird eine Serie von Reaktionen, darunter die Freisetzung des Proteins Gustducin, ausgelöst. In der Folge wird ein Nervenimpuls an das Gehirn mit der Information "bitter" gesendet. Unternehmens-Forscher testeten eine große Bandbreite von Substanzen, um zu sehen, ob sie die Ausschüttung von Gustduin blockieren können. Die in Frage kommenden Bitter-Blocker testeten sie neben Mäusen auch an sich selbst, berichtet das Fachmagazin New Scientist. "Der Geschmack von Kaffee wurde mit den Zusatzstoffen milder und lieblicher", erklärte der Leiter der Experimente Stephen Gravina.

Geringe Menge

Bei den Bitter-Blockern handelt es sich um Nukleotide, einer Familie von Molekülen, die auch DNA und RNA aufbauen. Sie kommen natürlicherweise in Nahrungsmitteln vor. Ein Vorteil für Linguagen, da die Substanzen als Zusatzstoffe in kleinen Mengen in Medikamenten oder Lebensmitteln nicht der Genehmigung durch die US-Zulassungsbehörde FDA unterliegen. Ein weiterer Vorteil sei, dass man nur eine sehr geringe Menge benötige, um die Wahrnehmung des bitteren Geschmacks zu unterbinden.

Linguagen sieht für die neuen Bitter-Blocker eine rosige Zukunft. Sei deren Wirksamkeit und Sicherheit erst einmal bewiesen, sollen sie zu einer gesünderen Ernährung beitragen. Vor allem die Nahrungsmittelindustrie soll durch die Produktion von Lebensmitteln mit besserem Geschmack von der Substanzgruppe profitieren. So könnten etwa gesunde Lebensmittel wie Broccoli und Soja wohlschmeckender gemacht werden. Dabei werden die Zusatzstoffe aber die Wahrnehmung, dass ein Lebensmittel verdorben ist, nicht verhindern, betont Linguagen-Forscher Richard McGregor. Für die Wahrnehmung von schlechtem Geruch und saurem Geschmack sind verschiedene Rezeptoren und chemische Botenstoffe verantwortlich. (pte)

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