Andritz mit Gewinneinbruch

27. Februar 2003, 13:48
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Unternehmenschef Leitner auf Bilanzpressekonferenz "vorsichtig optimistisch" - Streubesitzanteil soll erhöht werden

Wien - Gut aufgestellt sieht sich der börsenotierte Grazer Anlagenbauer Andritz für das heurige Geschäftsjahr 2003. Vorstandsvorsitzender und Mitgesellschafter Wolfgang Leitner sprach auf der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag von "guten Projektaktivitäten" und versprühte "vorsichtigen Optimismus", verwies aber auf die Abhängigkeit von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung und dem politischen Verlauf im Mittleren Osten.

Der Umsatz sei heuer vom um 16 Prozent auf rund 1,3 (Vorjahr 1,21) Mrd. Euro gestiegenen Auftragseingang gut abgesichert, was der historisch höchste Auftragsstand von 904 (740) Mio. Euro zeige. Andritz erwarte demzufolge leichte Steigerungen bei Umsatz und Ertrag, wozu auch "einige Projekte auf der Kostenseite" beitragen sollen.

Kursanstieg solide

Die Kursentwicklung der Andritz-Aktie, die seit 21. Jänner 2002 im ATX der Wiener Börse gelistet ist, bezeichnete Leitner angesichts der Abwärtsentwicklung an den internationalen Finanzmärkten als "solide". Andritz habe 2002 einen Kursanstieg von 7,9 Prozent verzeichnet, deutlich über dem ATX, der nur um 0,85 Prozent zugelegt hat. Um mehr Investoren, insbesondere größere Fonds, für Andritz zu interessieren, sollen der Streubesitz (derzeit 16 Prozent) und die Liquidität der Aktie erhöht werden.

Eine Kapitalerhöhung sei angesichts der guten Eigenkapitalquote von 25 Prozent nicht geplant, Leitner rechnet aber mit der Verkaufsbereitschaft einiger Großaktionäre. Als zunächst angepeilte Streubesitzquote nannte Leitner 35 bis 40 Prozent, er sehe aber keinen Grund, nicht über 50 Prozent free-float-Anteil zu gehen. Größter Einzelaktionär bei Andritz ist Carlyle Europe (31 Prozent), Leitner hält über die Certus Beteiligungs-GmbH eine Sperrminorität von 25 Prozent, die UIAG hat 13 Prozent. Je 6 Prozent gehören GE Capital und der Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) und 3 Prozent dem Andritz-Management.

"Komplementäre" Akquisitionspolitik

Die seit zehn Jahren von Andritz verfolgte "komplementäre" Akquisitionspolitik zur strategischen Verbesserung der Geschäftsfelder (Papier/Zellstoff, Umwelt/Prozesstechnik, Stahl und Futtermitteltechnik) werde fortgeführt. Die Realisierung von "zwei Handvoll" interessanter Akquisitionsmöglichkeiten hänge von der Verkaufsbereitschaft der Eigentümer ab. Die Größe der Projekte liege zwischen 5 und 200 Mio. Euro, "wir zahlen in der Regel aber keine strategischen Preise", hielt Leitner fest. Die Sachinvestitionen werden 2003 mit rund 25 Mio. Euro wieder in der Höhe der Abschreibungen liegen.

Die Mitarbeiterzahl von Andritz ist mit den Akquisitionen im Vorjahr von 4.550 auf 4.600 gestiegen, auf vergleichbarer Basis aber um 3 bis 4 Prozent gesunken.

Positive Zukunftssaussichten

Die Zukunftssaussichten für die Andritz-Divisionen beurteilte Leitner positiv. Die langfristige Tendenz sinkender Zellstoffpreise wirke sich auf das Investitionsverhalten positiv aus. Größere Vorhaben seien mit Zellstoff aus Eukalyptusholz in Brasilien, Südafrika und Australien/Neuseeland zu erwarten. China wolle in den nächsten Jahren bei Zellstoff und Stahl seine Kapazitäten stark ausweiten. Der Stahlbedarf Chinas (25 Prozent des Weltstahlverbrauchs), das derzeit noch drei Viertel seines Stahlverbrauchs importiere, steige jährlich um 17 Prozent. Bis 2007 wolle China seine Edelstahlkapazität auf 3 Mio. Jahrestonnen aufstocken, um in diesem Bereich, der doppelt so rasch wie bei Kohlenstoffstahl wächst, autark zu werden. Andritz ist im Stahlanlagenbau auf die Kaltverarbeitung fokussiert.

Zum Thema Asbestklagen aus den USA habe Andritz im Zusammenhang mit zugekauften US-Beteiligungen bisher 30 Klagen im Haus, von denen im Vorjahr 5 bis 10 beendet wurden, ohne dass es zu einer Verurteilung oder einem Zahlungsvergleich gekommen wäre. "Nach unserer Einschätzung haben wir kein Asbestrisiko", sagte Leitner, weshalb auch kein Rückstellungsbedarf bestehe. Andritz habe selbst niemals Asbest erzeugt oder geliefert, abgesehen davon gebe es Versicherungen und Regressmöglichkeiten gegen die früheren Eigentümer der US-Beteiligungen.(APA)

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Andritz

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    Der Vorstandsvorsitzende der Andritz AG, Wolfgang Leitner

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