"Gehirn, nicht Gebärmutter qualifiziert"

26. Oktober 2008, 17:00
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Weibliche Führungskräfte erörtern die Frage ob und wie Frau denn anders führe als ihr männliches Pendant - Eine Diskussion über Kommunikation, Bauchgefühl und Quote

Entscheidungsfindung, Intuition, Kommunikation, was weibliche und männliche Führungskräfte von einander lernen können, Karriere und Familie und die Quotenfrau - das waren die Knackpunkte bei einem von der WKS Bank veranstalteten Round Table zum Thema "Frauen führen anders! Nur wie?". Gastgeberin Ilse Vigl, Vorstandsdirektorin der WSK Bank, Doris Felber, sie führt seit 15 Jahren die Bäckerei Felber, Elisabeth-Joe Harriet, Schauspielerin, Kabarettistin und Kulturmanagerin und Gabriele Petrovic, kaufmännische Generaldirektorin der Statistik Austria diskutierten unter der Moderation von ORF-Moderator Martin Ganster.

Die Frau als kommunikatives Wesen

In der WSK Bank gibt es 65 Prozent weibliche Mitarbeiter, Abteilungen wie IT, Buchhaltung oder Personal werden von Frauen geführt. "Ich versuche sehr viel kommunikativ tätig zu sein und verwende etwas mehr als die Hälfte meiner Zeit um mit den Mitarbeitern zu sprechen", schildert Ilse Vigl. Sie sei viel im Unternehmen unterwegs um herauszufinden wo Dinge zu verbessern seien, wo es Missverständnisse oder Unzufriedenheiten gebe. "Viele Kollegen sehen das nicht als Arbeit an", kritisiert sie. Der Haken: Den Erfolg von Kommunikation sieht man nicht sofort. Für die Vorstandsdirektorin ist Kommunikation als Führungsstil extrem wichtig, "die Mitarbeiter wissen dadurch wie ich ticke". Sie ist überzeugt, dass für Männer Kommunikation eine nicht so wichtige Rolle spielt.

"Wenn zwei Frauen fünf Minuten miteinander reden, wissen sie mehr voneinander, als wenn zwei Männer zwei Tage Zeit haben", stimmt ihr Elisabeth-Joe Harriet mit einem Augenzwinkern zu. Frauen hätten pro Tag ein Reservoir von 7.000 Wörtern, Männer 2.000 Wörter, das heiße Frauen könnten auch verschwenderischer damit umgehen.

Die Persönlichkeit macht den Unterschied

Für Gabriele Petrovic kommt es dagegen auf den Menschen an, wie der Führungsstil aussieht: "Männer können auch so kommunikativ wie Frauen sein und umgekehrt." Sie selbst betrachte das Unternehmen als ihre Familie, die Finanzen wie ihr Privatvermögen. "Ich bin in meinem Führungsstil sehr pointiert, die 855 Mitarbeiter wissen, wie etwas gemeint ist, wenn ich mit ihnen rede." Für sie ist Offenheit im Umgang miteinander das Um und Auf.

Die Frage ob es ein typisch weibliches Führungsverhalten gebe beantwortet auch Doris Felber damit, dass es um die Persönlichkeit gehe, egal ob Frau oder Mann. Auch sie zieht einen Vergleich zur Familie: "Gute Führungskräfte kommen aus Familien, in denen sie geliebt worden sind", ist sie überzeugt. "Ich selbst entscheide viel aus dem Bauch heraus. Davon, ob jemand für eine Filialleitung geeignet ist, überzeugt sie sich vor Ort und im persönlichen Kontakt. Für sie gilt: ausreichend überlegen, aber dann schnell entscheiden.

Männliche und weibliche Seiten

Das Bauchgefühl in Führungsfragen will Harriet den Männern zwar nicht absprechen, Frauen seien da aber möglicherweise begabter. "Als Führungsperson muss man einen weiblichen und einen männlichen Teil in sich haben, denn Männer und Frauen können von einander sehr viel lernen", ist sie überzeugt. Sie fragt sich ob das "weibliche Hinterfragen" immer so gut sei, Männer seien da viel selbstbewusster - das könnten Frauen zum Beispiel von Männern lernen. Egal ob weibliche oder männliche Führungskraft - Authentizität, eine natürliche Autorität, Humor und das richtige Auftreten seien die Zutaten für eine Führungsposition. Als typisch weiblich sieht sie die Tendenz Dinge etwas länger zu beschreiben um auf den Punkt zu kommen. "Haben Frauen aber einmal eine Strategie, treffen sie darauf folgende Entscheidungen umso schneller", kontert Vigl.

Entscheiden Männer also zwar rascher, aber unüberlegter und ist die Finanzkrise daher männlich? "Betrachtet man es so, dass in der Bankenbranche Frauen mit nur 13 Prozent in Führungsetagen vertreten sind, könnte man zu diesem Schluss kommen", so Vigl, allerdings hätte das auch Frauen passieren können, ist sie überzeugt. In der Branche sei man einfach dazu gezwungen die Erträge kurzfristig zu maximieren. Sie glaubt nicht, dass Männer deswegen risikofreudiger sind.

Vereinbarkeit Karriere und Familie

In den mittleren Führungsetagen gebe es schon sehr viele Frauen, so der Tenor der Diskussionsrunde, aber der letzte Funke bis ganz nach oben fehle noch. Obwohl 50 Prozent der WU-Absolventen Frauen sind, sind nur fünf von 100 Geschäftsführern weiblich.
Harriet sieht den Grund dafür darin, dass Frauen häufig nicht so ehrgeizig seien, überhaupt bis ganz oben zu kommen und dabei auch weniger Ellbogentechnik einsetzten. Zustimmung kommt von Vigl: "Frauen sagen mir oft, dass sie gar nicht bis ganz nach oben wollen, sie entscheiden sich bewusst für mehr Lebensqualität und damit für eine Karriere auf mittlerer Ebene."

"Ich finde es unmöglich, dass Frauen vorgeworfen wird, sie behindern einen Betrieb durch Karenzzeiten", so Harriet. "Ich als Unternehmerin kann es mir finanziell nicht leisten, eine Frau anzustellen, wenn sie in zwei Jahren in Karenz geht", widerspricht Felber. Von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf hält sie, die selbst vier Kinder hat, scheinbar nicht viel.

"Es gibt nicht nur Kind oder Beruf", widerspricht Petrovic heftig, es sei eine ganz persönliche Entscheidung, wie man damit umgehe. Vereinbarkeit sei zwar schwierig und eines bleibe dabei immer auf der Strecke, aber Karriere sei auch eine Sache der Definition, es müsse nicht immer bis ganz nach oben gehen. "Außerdem geht es nicht immer um Kinder, viele pflegen auch ihre Eltern im Alter", argumentiert sie.

Zukunft der Frau in Führungspositionen

Im neuen Nationalrat sitzen nun weniger Frauen als zuvor. Ist die Quote ein probates Mittel Frauen in die höheren Etagen zu rücken? "Ich will einen Job nicht weil ich eine Gebärmutter habe, sondern weil ich ein Hirn habe", so Petrovic. Für sie zählt einzig und allein die Qualifikation darüber, wer welche Position bekommt und das sei auch gut so für das Unternehmen. "Die Quote schadet Frauen", zeigt sich auch Felber überzeugt. In Ämtern oder Ministerien finde man Frauen oft nur wegen der Quote. Ganz anders sieht das eine Teilnehmerin aus dem Publikum: "Vom Gesetz her ist die Quotenfrau ausgezeichnet qualifiziert. Die weibliche Ablehnung derselben ist nur eine sehr gute männliche Strategie." (mat, derStandard.at, 26.10.2008)

  • Auf dem Weg in die Führungsetage helfen sowohl weibliche als auch männliche Eigenschaften
    foto: business frauen center kärnten

    Auf dem Weg in die Führungsetage helfen sowohl weibliche als auch männliche Eigenschaften

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