Neue MacBooks ohne FireWire: "Man zeigt den Mac-Guys den Mittelfinger"

23. Oktober 2008, 10:38
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Apple hat seine EinsteigerInnen-Serie ohne die beliebte und bekannte Schnittstelle ausgeliefert - Unverständnis bei KundInnen und ExpertInnen

Apples neue MacBooks sind dünn, sexy und stylisch - für viele KundInnen wieder ein tolles Produkt, das Kaufanreize bietet. Doch auf der anderen Seite schlagen nun IT-ExpertInnen Alarm: FireWire fehlt. Ein Alptraum für Support-Dienstleister oder wie es Tom Koch von Omnitech gegenüber Wired bezeichnet: "Ich repariere Mac seit 15 Jahren, and diese Entscheidung ist für mich als würde man alle Mac-Guys den ausgestreckten Mittelfinger vors Gesicht halten."

Kein FireWire

Apple hat bei seiner High-End-Version - dem MacBook Pro - sehr wohl einen FireWire-Anschluss integriert, nicht aber bei den billigeren MacBooks. Das Fehlen eines entsprechenden Anschlusses, den Apple 1995 in den Markt brachte und seit dem sehr zu seiner Verbreitung beigetragen hatte, bedeutet nun für viele UserInnen, die externe Geräte, von der Festplatte bis zum Camcorder besitzen, ein großes Ärgernis. Andere Probleme ergeben sich beim Backup: Wurden Daten gesichert und das MacBook stürzte ab, konnte über FireWire und Apples Time Machine die Information schnell  wiederhergestellt werden. Nun muss man dies über USB erledigen - Time Machine erweist sich aber im Zusammenspiel mit USB als weniger zuverlässig. Koch weist zudem darauf hin, dass die Backup-Applikationen hin und wieder USB-Laufwerke nicht erkennen. KundInnen, die ihre alten Daten auf ein neues MacBook transferieren wollen, haben nun mehr Arbeit. Ohne FireWire bleibt nur das Ethernetkabel.

Noch größere Probleme

Abseits dieser Entwicklungen und Auswirkungen für die PrivatkundInnen, gibt es noch ein weitaus größeres Thema dahinter: der IT-Support und Fehlerbereinigungen. Aufgrund des fehlenden FireWire-Anschlusses wäre es wesentlich schwieriger ein fehlerhaftes MacBook wieder auf Vordermann zu bringen. Vor allem die Möglichkeit über den "FireWire Target Disk Mode" ein MacBook als externe Festplatte zu nutzen und dann über diesen Weg Probleme schneller lösen zu können, wird von US-ExpertInnen heftigst diskutiert und der Wegfall kritisiert. Denn die einzige Alternative, die nun bliebe, wäre die Festplatte auszubauen, was wiederum eine potenzielle Gefahr für Daten darstelle.

Wurde auf den Bildungssektor vergessen?

Während sich Steve Jobs bei der Präsentation der neuen Modelle auch darüber freute, dass Apple bei SchülerInnen und StudentInnen äußerst beliebt sei, hat man beim Konzern allem Anschein nach ein bisschen auf die Bildungseinrichtungen vergessen - zumindest sehen dies die US-AnalystInnen so. Zum einen seien die Preissenkungen nicht groß genug ausgefallen, auch wenn Apple ja ein eigenes Rabattsystem für den Bereich "Education" bietet und zum anderen sei der Wegfall von FireWire ein Schuss ins Knie gewesen. "Ich arbeite in einem großen Schulbezirk, in dem Macs nicht wirklich geliebt werden", schreibt Russ Tolman, ein IT-Pro im Apple Support Forum. "Ein wesentlicher Punkt warum wir sie dennoch überzeugen konnten, war die Möglichkeit über FireWire schnell und einfach Probleme zu beheben und Software zu managen. Auch die Diagnose und Fehlerbehebung über den Target Disk Mode. Ich würde mich freuen zu hören, wie wir dies nun machen sollen...Schulen mit einem kleinen Budget werden auf billigere PCs umsteigen."

Hinweise und Kritik schon vor dem Start

Die Aufregung um die fehlende FireWire-Unterstützung dürfte Apple jedoch nicht wirklich überraschen. Wi eWired berichtet, hatten zahlreiche ExpertInnen schon vor der Veröffentlichung auf die Problematik aufmerksam gemacht. Sehr frühe Bilder der neuen Hardwaregeneration, die im Internet aufgetaucht waren, zeigten bereits das Fehlen der Ports. Aber allem Anschein nach, dürfte Apple darauf nicht reagieren wollen oder konnte es auch nicht mehr. Es bleibt derzeit absolut unklar, wieso Apple diesen Schritt vollzogen hat, von offizieller Seite war bislang nichts dazu zu hören. Es findet sich derzeit lediglich ein Auszug aus einer E-Mail von Steve Jobs an einen verärgerten Kunden im Netz darin heißt es auf die Frage wieso FireWire weggefallen ist, wo er doch nun seinen Camcorder nicht mehr anschließen und seine Filme nicht mehr editieren kann, kurz und knapp: "Alle neuen Camcorder der letzten Jahren unterstützen USB 2. Steve"

Eine mögliche Antwort

In seinem Blog-Eintrag schriebt Chuqui einige durchaus interessante Ideen zum Thema: "Die Antwort (warum Apple auf FireWire verzichtet, Anm. der Red.) ist für mich sehr einfach. USB 2.0 hat den Connectivity-Wettkampf im billigeren Marktsegment gewonnen. Auch das MacBook Pro hat nur mehr einen Firewire 800 port; Firewire 400 ist nun erledigt. Der Hitnergrund ist klar: im Low-end-Bereich ist die Zukunft USB. Will man High-end-Performance gibt es noch immer FireWire...Ja, USB 2.0 ist langsamer. Wenn Performance wirklich so wichtig ist, dann sagt ihnen Apple das MacBook ist nicht das richtige für sie. Es ist, alles in allem, eine große Anzahl von Performacne-Kompromissen für sehr viel weniger Geld als ein MacBook Pro... Ich denke es ist die richtige Entscheidung für Apple."(red)

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Apple

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    Keine Schnittstelle, großer Ärger. Jahrzehntelang pushte Apple FireWire nun fehlt der Anschluss. Sehr zum Ärger von AdministratorInnen und Support-Dienstleistern.

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