Kopf des Tages: Peter Michaelis

22. Oktober 2008 20:02

Der perfekte Gentleman mit Beraterheer

Der 62-jährige Alleinvorstand der Staatsholding ÖIAG, Peter Michaelis, ist nicht gerade das, was man einen bunten Hund nennt. 25 Jahre lang arbeitete er für die Düsseldorfer Mannesmann AG - zuletzt als Hauptabteilungsleiter im globalen Vertrieb von Atecs Mannesmann, einem Hersteller von Automobilteilen und Navigationssystemen. Nebenbei kümmerte sich der passionierte Jäger auch um die konzerneigenen Jagdgründe im Zillertal.

Auch privat ist der Leutnant der Reserve und Schatzmeister des Preußischen Johanniterordens ein Vorbild an Kontinuität. Der Vater dreier Kinder ist mit einer Schulfreundin aus der gemeinsamen Zeit auf Schloss Salem verheiratet. Dort ist er auch heute noch Mitglied des Absolventenvereins.

Dass er einst im oberösterreichischen Schwanenstadt geboren wurde, hört man nicht, Michaelis spricht so perfekt Hochdeutsch, dass man seine Wurzel nicht ahnt. Höflichkeit und gutes Benehmen sind charakteristisch für ihn. Michaelis ist sicher auch einer der selten gewordenen Österreicher, die einen perfekten Handkuss hinhauchen können.

Nach seiner nicht eben steilen Karriere bei Mannesmann holte die schwarz-blaue Regierung den bekennenden Wirtschaftsliberalen 2001 zur ÖIAG. Dort löste er den unliebsamen "roten" Rudolf Streicher ab. Michaelis erarbeitete sich bald den Ruf, ohne Berater nicht auszukommen. Zu viele und zu teure habe er bei den Privatisierungen engagiert, und vor allem nur in eigener Sache denkende Investmentbanker.

Seit 2006 sitzt Michaelis, den viele als Technokraten ohne Visionen bezeichnen, der lieber die Vorgaben anderer ausführt, als selbst welche zu entwickeln, an der Spitze des AUA-Aufsichtsrates. Der Verkaufsprozess, von dem er sich so viel erhofft hat, endete mit lediglich einem Angebot vom Favoriten Lufthansa. Eine Schlappe für einen Manager, der zu einem der Spitzenverdiener der Republik gehört.

In Regierungskreisen denkt man immer lauter darüber nach, Michaelis vor Ablauf seines 2010 endenden Vertrags zu ersetzen. Eine Doppelführung, also das Vieraugenprinzip, gehöre wieder installiert. Weder er noch AUA-Chef Alfred Ötsch, ebenfalls unter Schwarz-Blau auf den Chefsessel gehievt, dürften das Debakel um die Privatisierung der Airline überleben.

Nicht zuletzt, weil seine Aufgabe, die Staatsbeteiligungen systematisch zu verkaufen und die ÖIAG aufzulösen, in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise obsolet geworden sind. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.10.2008)

Kommentar posten
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Hadik
12.11.2008 14:02
Ein Versager - von A wie AUA bis Z wie Zusperr-Post

Dieser Mann hat von A bis Z - von A wie AUA bis Z wie Zusperr-Post - versagt und gehört endlich abgelöst. Da kann er noch so "so perfekt Hochdeutsch sprechen, dass man seine Wurzel nicht ahnt" (also Bühnendeutsch spricht er nicht, schon eher Piefkinesisch).

pudelweiss
28.10.2008 15:49
also,...

den mann holte die schwarz(blaue) regierung......
der ohne berater nicht auskommt.......der die befehle anderer ausführt .(zb schüssel-aufträge?)...

der mann ist kein kapazunder, ...
das hätte ich auch so können,
nur so perfekt hochdeutsch kann i net, mia kennt ma meine "wurzeln" no aun !

Ansaschmeh
28.10.2008 11:05
Der..

..gehört aus dem Amt gesteinigt !!

Finn McCool
24.10.2008 16:35
...erarbeitete sich bald den Ruf, ohne Berater nicht auszukommen.

...Nach seiner nicht eben steilen Karriere bei Mannesmann holte die schwarz-blaue Regierung den bekennenden Wirtschaftsliberalen 2001 zur ÖIAG.

...den viele als Technokraten ohne Visionen bezeichnen, der lieber die Vorgaben anderer ausführt, als selbst welche zu entwickeln.

...Eine Schlappe für einen Manager, der zu einem der Spitzenverdiener der Republik gehört.

mit einem Wort, ein echter Leistungsträger. Solche Leute gehören schnellstens steuerlich entlastet. Leistung muss sich wieder lohnen!

Die Marslady
24.10.2008 17:23
@Finn McCool, meine volle Zustimmung!

Wenn ein "richtiger Kapazunder" an der Spitze der ÖIAG stehen würde, dann wäre sicher so manches anders gelaufen...auf jeden Fall wären professionelle Meisterwerke über die Bühne gegangen.

Alaska Saedelaere
24.10.2008 15:03
Ein bißchen viel Gehalt für die Manieren eines Oberkellners

Fipo1
24.10.2008 13:47
Nicht alleine schuld .....

Da ist zuerst einmal der Ötsch, der ohne Abfertigung oder Prämie abgelöst gehört. Dann wären für mich als nächste die Aufsichtsräte der AUA dran, die ja schließlich zum Teil in mehreren Gremien abkassieren, wie Michaelis, Wieltsch, um nur zwei zu nennen. Verantwortung würde bei mir etwas anders aussehen.

AllesWieImmer
23.10.2008 20:22
vormoderner Habitus

... es nervt, wenn solche vormodernen Habituskonstrukte noch immer wirken: Dieser Herr lebt von der Magie seiner Distinktionsgesten bzw. davon, dass das Publikum dieser Magie noch immer erliegt ... Ich denke, die Zeiten sollten vorbei sein, da man sich von solch lächerlichen Attitüden, solchen Posern (die ihre Posen habitualisiert haben) blenden läßt!

der postbote
23.10.2008 13:52
wow, da würde ja ein echter kapazunder engagiert

was sind unsere politiker bloß für nichtskönner...

Roman Santos
23.10.2008 13:40
sehr gut formulierter Artikel

.....muss ich schon sagen. Nicht immer bin ich mit dem was von Standard Redakteuren geschrieben wird einverstanden - mit der Finanzkrise scheinen jetzt aber die Journalisten mehr nachzudenken bevor sie was schreiben - oder sie lassen sich nicht mehr so leicht von der "Führungsebene" aus der Wirtschaft manipulieren und vor dem Karren spannen.
Ich hoffe, dass viele neutrale und nicht eingefärbte Artikel bald die kritische Masse erreichen und damit vielleicht einen Aufstand der Anständigen bewirken welche diese "Managertypen" wie Michaelis und Ötsch von denen wir leider viel zu viele haben, zum Teufel schicken. In dieser Gesellschaft sind sie dann besser aufgehoben.

Die Marslady
23.10.2008 12:17
Einen perfekten Handkuss hinzuhauchen ist zwar für Damen charmant...

aber für den heiklen Job an der Spitze der ÖIAG eindeutig zu wenig. Also doch nur ein treuer "Diener seiner Herren".
Die Spitzenposition bei der ÖIAG hätte schon einen ausgewiesenen "Kapazunder" sprich Topmanager - CEO erfordert. Vor allem hätte ein echter "Kapazunder" kein so ein Riesenheer von "Beratern" benötigt, um die Lage realistisch einschätzen zu können.
Vor allem hätte ein echter "Kapazunder" keinen zweitrangigen, branchenfremden CEO an die Spitze der AUA berufen.
Also kein Ruhmesblatt der verblichenen Schwarz-Blauen Regierung unter Schüssel, Grasser & Co.

Bertel Mann
 
23.10.2008 15:43
Wer weiss was er sonst noch geküsst hat um den Job zu kriegen

Denn wegen seiner Fähigkeiten wird's wohl nicht gewesen sein...

Steuerzahler2000
23.10.2008 12:03

"Weder er noch AUA-Chef Alfred Ötsch, ebenfalls unter Schwarz-Blau auf den Chefsessel gehievt, dürften das Debakel um die Privatisierung der Airline überleben".
Ich denke, dass die beiden das ganz gut ´überleben´ - die haben ihre Schäfchen schon lange im Trockenen !

Minimonk
23.10.2008 16:25

darauf kann man einen lassen.

Die Marslady
23.10.2008 12:24
@Steuerzahler2000,

in Anbetracht der eklatanten Fehleinschätzungern
der beiden inkompetenten Herren wäre es wohl angebracht, ihre sogenannten Abfertigungen und ev. "Golden Handshakes" ab sofort einzufrieren.
Es geht doch nicht an , dass
diese beiden Herren, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden, so mir nichts und dir nichts "wohlgepolstert" sich elegant verabschieden können.
Das wäre in anderen Ländern mit mehr Moral absolut unvorstellbar.

Childerich von Bartenbruch
23.10.2008 11:31
war da nicht noch irgendwas ....

... in berlin?

W.Hammerl
23.10.2008 11:29

Mag sein, dass er einen perfekten Handkuss beherrscht, von Verhandlungstaktik versteht er jedenfalls nichts. Ansonsten würde er nicht bei jeder Gelegenheit öffentlich betonen, dass die AUA unbedingt einen ausländischen Partner, sprich die Lufthansa braucht.

hungrybear
23.10.2008 11:18
Waidmanns Dank !

wasweißich?
23.10.2008 11:01
stellt sich in der ÖVP eigentlich ab und zu jemand der Sinnfrage des Daseins dieser Partei?

ScroogeMcDuck
23.10.2008 10:59
vae austria

mit politischer farbe hat das ganze ja nix mehr zu tun.
bei den roten führt der typische karriereweg vom schulsprecher zum bundeskanzler
bei den schwarzen wird ein einfacher abteilungsleiter ohne kredentien mal in bester cindarella manier auf den goldenen thron gesetzt.
wies bei den blau/orangen oder gruenen aussehen wuerde möchte ich mir gar nicht vorstellen. um nix besser, das ist klar.

traurig ist, dass so ziemlich sich hierzulande die gesamte führungs"elite" (hahahaha) nur durch diletanz auszeichnet. das nenne ich ironie.
was gibt es außerdem schöneres, wenn die hand, die ienen füttert genauso drauf ist wie man selbst? herrliches beamtendasein zu managerbezügen - champagner für alle!!!

AllesWieImmer
23.10.2008 10:24
Jägerlatein

... was mir in letzter Zeit auffällt ist die Häufung von Jägern & Jägerinnen die solche "kapitalen Böcke" abschießen!?

Doc Steel
23.10.2008 13:39
ist ja auch hirschbrunft

da sitzt man mit anderen gleichgesinnten nächtelang am hochsitz oder wirtshaus und wartet auf einen einser hirsch. zwischendurch nuckelt man am flachmann oder am krügerl und bemerkt wie schön doch die welt sein kann, wenn man nicht in so einem stickigen büro mit komischen daten konfrontiert wird.

Franz A.
23.10.2008 10:13
Grosskoalition

Ist die grosse Koalition schon am Arbeiten? Habe ich was verpasst?

Muessen schon wieder ueberall 2 hochverdienende "Manager" hingestellt werden, damit beide Parteien "was davon haben"?

angelo6
23.10.2008 10:07
so schaut schwarze Wirtschaftskompetenz aus

Michaelis, Huber, Ötsch & Co. haben Östereich nachhaltig geschädigt!

gustav99
23.10.2008 11:08
schwarze Wirtschaftskompetenz

das ist jetzt "die Zeit der Ernte" (ÖVP2006)

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