Der perfekte Gentleman mit Beraterheer
Der 62-jährige Alleinvorstand der Staatsholding ÖIAG, Peter Michaelis, ist nicht gerade das, was man einen bunten Hund nennt. 25 Jahre lang arbeitete er für die Düsseldorfer Mannesmann AG - zuletzt als Hauptabteilungsleiter im globalen Vertrieb von Atecs Mannesmann, einem Hersteller von Automobilteilen und Navigationssystemen. Nebenbei kümmerte sich der passionierte Jäger auch um die konzerneigenen Jagdgründe im Zillertal.
Auch privat ist der Leutnant der Reserve und Schatzmeister des Preußischen Johanniterordens ein Vorbild an Kontinuität. Der Vater dreier Kinder ist mit einer Schulfreundin aus der gemeinsamen Zeit auf Schloss Salem verheiratet. Dort ist er auch heute noch Mitglied des Absolventenvereins.
Dass er einst im oberösterreichischen Schwanenstadt geboren wurde, hört man nicht, Michaelis spricht so perfekt Hochdeutsch, dass man seine Wurzel nicht ahnt. Höflichkeit und gutes Benehmen sind charakteristisch für ihn. Michaelis ist sicher auch einer der selten gewordenen Österreicher, die einen perfekten Handkuss hinhauchen können.
Nach seiner nicht eben steilen Karriere bei Mannesmann holte die schwarz-blaue Regierung den bekennenden Wirtschaftsliberalen 2001 zur ÖIAG. Dort löste er den unliebsamen "roten" Rudolf Streicher ab. Michaelis erarbeitete sich bald den Ruf, ohne Berater nicht auszukommen. Zu viele und zu teure habe er bei den Privatisierungen engagiert, und vor allem nur in eigener Sache denkende Investmentbanker.
Seit 2006 sitzt Michaelis, den viele als Technokraten ohne Visionen bezeichnen, der lieber die Vorgaben anderer ausführt, als selbst welche zu entwickeln, an der Spitze des AUA-Aufsichtsrates. Der Verkaufsprozess, von dem er sich so viel erhofft hat, endete mit lediglich einem Angebot vom Favoriten Lufthansa. Eine Schlappe für einen Manager, der zu einem der Spitzenverdiener der Republik gehört.
In Regierungskreisen denkt man immer lauter darüber nach, Michaelis vor Ablauf seines 2010 endenden Vertrags zu ersetzen. Eine Doppelführung, also das Vieraugenprinzip, gehöre wieder installiert. Weder er noch AUA-Chef Alfred Ötsch, ebenfalls unter Schwarz-Blau auf den Chefsessel gehievt, dürften das Debakel um die Privatisierung der Airline überleben.
Nicht zuletzt, weil seine Aufgabe, die Staatsbeteiligungen systematisch zu verkaufen und die ÖIAG aufzulösen, in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise obsolet geworden sind. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.10.2008)