Politiker und Manager haben zu verantworten, dass die AUA verschenkt werden muss
Als Prophet ist Hannes Androsch bisher nicht aufgefallen. Das könnte sich ändern: Im August meinte er im Gespräch mit dem Standard, er würde "nicht einmal einen Euro" in die AUA stecken. Und: Verschenken könne man die Airline immer noch. In genau dieser Lage ist die AUA jetzt: Die Lufthansa ist als einzige Interessentin übriggeblieben und bietet für 43 Prozent der AUA-Anteile einen Euro - und die Übernahme eines Teil der Schulden von inzwischen 900 Millionen Euro. Als Treppenwitz der Geschichte könnte am Ende des Privatisierungsprozesses sogar eine völlige Verstaatlichung stehen.
Schuld an der Misere ist einerseits das Management, allen voran AUA-Chef Alfred Ötsch und die ÖIAG mit ihrem Boss Peter Michaelis. Ötsch ist eine noch viel größere Belastung für die AUA als dies der inzwischen abgelöste Martin Huber für die ÖBB war. Ötsch vertrieb fähige Vorstandskollegen und ließ noch im Frühling mit Sätzen wie "Die AUA ist saniert" aufhorchen. Nicht nur Scheich Mohammed Bin Issa Al Jaber fühlte sich belogen und stieg dann doch nicht bei der AUA ein. Michaelis sah all dem zu und hat bisher nicht gerade mit strategischem Denken im weitverzweigten ÖIAG-Reich auf sich aufmerksam gemacht.
Zum anderen ist die Politik schuld an dem Desaster. Dass Ötsch und Michaelis in solche Positionen gelangen konnten, haben sie der Personalpolitik während Wolfgang Schüssels schwarz-blauer Regierung zu verdanken. Schüssel und Karl-Heinz Grasser holten diese Manager, die auf teure Berater setzen, zumal sie auch nicht aus der Luftfahrtbranche kommen.
Noch amtierende Politiker der SPÖ/ÖVP-Regierung haben mit ihren Entscheidungen die Situation der AUA zudem dramatisch verschlechtert. Im Zuge des Wahlkampfes frönten die Politiker dem Patriotismus. Finanzminister Willy Molterer (ÖVP) sprach von der "rot-weiß-roten Heckflosse", die für den Standort Österreich wichtig sei. Verkehrsminister Werner Faymann (SPÖ) setzte eine Sperrminorität (25 Prozent plus eine Aktie) für einen "österreichischen Kernaktionär" durch, der sich bisher nicht finden ließ. Wer soll "fürs Nichtmitredenkönnen" investieren, fragt sich nicht nur Androsch. Schließlich stehen 47 Prozent der Aktien in Streubesitz. Wer die Mehrheit der AUA möchte, müsste den Kleinaktionären ein Übernahmeangebot machen.
Dass die Fluglinie einen finanzkräftigen Partner braucht, ist schon seit Jahren klar. Bei der AUA hat man geglaubt, die guten Osteuropaverbindungen reichten aus, um überleben zu können. Im internationalen Wettbewerb ist die AUA aber zu klein. In Europa gab es rundherum Zusammenschlüsse und Fusionen. So gingen größere Fluglinien wie die KLM etwa mit der Air France zusammen. Auch die belgische Sabena gibt es längst nicht mehr, die Swiss hat sich der Lufthansa angeschlossen. Iberia und Alitalia suchen dringend Partner.
Die AUA ist, gemessen an ihrer Größe, mehr verschuldet als die flügellahme Alitalia. Dass die italienische Fluggesellschaft jeden Tag zittern muss, ob ihre Flugzeuge überhaupt noch vom Boden abheben können, erscheint als Menetekel für die AUA.
Inzwischen geht es der gesamten Luftfahrtbranche schlecht, auch den Billigfliegern. Ist ein Ticket bei einer anderen Airline günstiger, wird dort gebucht. Auch bei den Österreichern hört der Patriotismus bei der Geldbörse auf.
Die Zeiten, in denen einem AUA-Investor Bedingungen gestellt werden können, etwa dass Wien Drehkreuz bleibt und Osteuropa-Verbindungen erhalten bleiben, sind vorbei. Die Finanzkrise hat die Lage zusätzlich verschärft. Die AUA muss inzwischen wie die Alitalia froh sein, wenn sie überhaupt jemand geschenkt haben will. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.10.2008)