"Es ist für AUA wichtig, einen Partner zu finden"

22. Oktober 2008, 18:45
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UniCredit-Analyst Paul Wessely rechnet mit einer Verlängerung des AUA-Privatisierungsauftrags. Damit könnte man Air France-KLM wieder ins Spiel bringen, sagte er im STANDARD-Interview

STANDARD: Verkauf an die Lufthansa oder staatliche Hilfe: Was würde der AUA mehr helfen? Oder gibt es noch andere Möglichkeiten ?

Wessely: Aus meiner Sicht ist die wahrscheinlichste Variante, dass am Montag der Privatisierungsauftrag noch einmal verlängert wird.

Wenn man sagt, man lässt die Regierung einspringen, dann ändert sich in der Strategie bei der AUA nicht viel. Es würde bedeuten, dass Geld zugeschossen wird und dann alle die "grauslichen Maßnahmen", wie AUA-Chef Alfred Ötsch gesagt hat, durchgeführt würden. Das heißt gesundschrumpfen. Das wirtschaftliche Umfeld wird in nächster Zeit nicht besser werden, daher ist es vom strategischen Standpunkt aus für die AUA wichtig, einen Partner zu finden.

STANDARD: Eine Einigung mit Lufthansa wäre nicht möglich?

Wessely: Die Frage ist, wie viel die Lufthansa bieten wird, und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie als letzte Bieterin übermäßig viel zahlen würde. Wenn die Regierung den Privatisierungsauftrag verlängert, würde das Air France zugute kommen, die ja gesagt hat, prinzipiell sei sie noch immer interessiert, aber es sei einfach zu schnell und es gebe zu wenig Informationen. Wenn Air France bei den Verhandlungen dabei ist, ist es besser, dann würde die Lufthansa vielleicht auch mehr bieten, um Air France draußen zu halten.

STANDARD: Ist Air France-KLM wirklich noch an der AUA interessiert?

Wessely: Die AUA ist für die Air France komplementär, denn sie ist in Mittel- und Osteuropa sehr stark. Aber mit den derzeitigen Entwicklungen kann man verstehen, wenn Air France sagt, unter diesen Umständen ist es uns zu gefährlich, die Katze im Sack zu kaufen, wir brauchen noch etwas Zeit.

STANDARD: Wie viel Kapital müsste der neue Aktionär zuschießen? Und wie sehen Sie die weitere Kursentwicklung?

Wessely: Wenn man sagt, dass die AUA die nächste Saison überstehen kann, abhängig auch, was sie noch an Abschreibungen bis Ende des Jahres machen muss, sind wir in einem Bereich von mindestens 250 Millionen Euro. Das kommt darauf an, was die AUA effektiv an Minus macht und was für Abschreibungen durch die Flotte schlagend werden. Das ist vielleicht auch einer der Unsicherheitsfaktoren, der die Air France abgehalten hat. Die AUA-Aktie wird weiter sehr volatil bleiben. (Gabriele Kolar, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.10.2008)

Zur Person

Paul Wessely ist Aktien-Analyst bei der UniCredit Group.

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    Paul Wessely

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