Fußballmütter und "Hockey Moms": Frauen entscheiden

22. Oktober 2008, 10:22
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Vor vier Jahren gingen bereits neun Millionen mehr Frauen als Männer zur Wahl - Obama liegt auch bei den Wähler­innen in Umfragen vorn

Washington - Noch haben sich viele nicht auf ihren Favoriten festgelegt. Klar ist nur eines: Bei der US-Präsidentschaftswahl spielen die Frauen eine entscheidende Rolle. Vor vier Jahren gingen bereits fast neun Millionen mehr Frauen als Männer zur Wahl, dieses Jahr haben sich noch mehr Wählerinnen registrieren lassen. Für den Demokraten Barack Obama und den Republikaner John McCain werden die weiblichen Stimmen deshalb immer wichtiger. Die Meinungsforscher gehen davon aus, dass sich die meisten am 4. November für den demokratischen Kandidaten entscheiden werden.

Frauen bevorzugen Demokraten

In fast allen Umfragen auf Bundesebene liege Obama in der Gunst der Frauen weiter vorn als sein republikanischer Kontrahent McCain, heißt es in einer Analyse des Center for American Women and Politics (CAWP) an der Rutgers University im Bundesstaat New Jersey. Seit 1992 haben die Demokraten bei den Frauen die Mehrheit. Der Republikaner Ronald Reagan errang in den 80er Jahren zwar die meisten weiblichen Stimmen - bei den Männern lag er allerdings noch weiter vorn.

Männer und Frauen hätten unterschiedliche politische Prioritäten, erklärt die Politikwissenschaftlerin Allyson Lowe von der Chatham University in Pittsburgh. "Das schlägt sich auch in ihren parteipolitischen Vorlieben nieder." Frauen seien eher als Männer bereit, der Regierung eine stärkere Rolle zuzubilligen, sagt die CAWP- Leiterin Debbie Walsh. "Wirtschaftlich sind Frauen schwächer als Männer, sie haben im Alltag oft mehr zu kämpfen. Deshalb sehnen sie sich stärker nach sozialer Sicherheit." Eine Sehnsucht, die traditionell eher die Demokraten als die Republikaner erfüllen.

Sarah Palin als Köder

Die Nominierung der republikanischen Vizekandidatin Sarah Palin hatten viele als Schachzug verstanden, mit dem McCain Frauen ködern wollte - insbesondere jene, die der erfolglosen demokratischen Bewerberin Hillary Clinton nachtrauerten. Die Gouverneurin von Alaska steht nicht nur für konservative Familienwerte und den Kampf gegen die Abtreibung. Palin gilt in den USA auch als "Hockey Mom": eine resolute fünffache Mutter, die ihre Kinder nach der Schule zum Hockeyspielen fährt. Von den Republikanern wird dieses volksnahe Image behutsam gepflegt.

"Soccer Moms" für Bush

Seinen ersten Wahlsieg im Jahr 2000 hatte Georg W. Bush auch den sogenannten "Soccer Moms" zu verdanken, wie die Politologin Lowe erklärt. So bezeichnen die Meinungsforscher jene Frauen aus der Mittelschicht der Vorstädte, die ihre Kinder am Nachmittag zum Fußballplatz kutschieren. Sie verfochten traditionelle Familienwerte, die sie eher bei den Republikanern vertreten sahen. 2004, als die gleiche Gruppe Frauen wieder für Bush stimmte, wurde sie von den Meinungsforschern in "Security Moms" umgetauft. In den Umfragen hatten die Bush-Wählerinnen angegeben, dass ihnen nun die Sicherheit ihrer Familien und der ganzen Nation wichtiger sei als alles andere.

"Soccer"- und "Security"

"Gleiche Frauen, neues Etikett", sagt Lowe. "Sie haben zweimal für Bush gestimmt, aber aus unterschiedlichen Gründen." Die Frage ist, ob die einstigen "Soccer"- und "Security"-Mütter nun zu "Hockey Moms" nach dem Vorbild von Palin werden und Anfang November McCain ihre Stimme geben. Jüngste Umfragen sprechen eher dagegen. Ihnen zufolge stehen für die parteipolitisch unentschlossenen Wählerinnen weniger Familienwerte oder der Kampf gegen die Abtreibung auf der Agenda als viel mehr das Gesundheitssystem und der Wohnungsbau.

Die 47-jährige Christine, die in Colorado drei Kinder aufzieht, will für Obama stimmen. "McCain will bis zum bitteren Ende im Irak bleiben", sagt sie. "Aber wir brauchen eine Abzugsstrategie." Außerdem befürwortet die Hausfrau, die sich als Unabhängige in die Wählerlisten eintragen ließ, das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche. "Wir brauchen die Möglichkeit für sichere Abtreibungen, keine Hinterhofabbrüche." Für "Hockey Mom" Pailin will die "Soccer Mom" deswegen auf keinen Fall stimmen. (Von Karin Zeitvogel)

  • Seinen ersten Wahlsieg im Jahr 2000 hatte Georg W. Bush auch den sogenannten "Soccer Moms" zu verdanken.

    Seinen ersten Wahlsieg im Jahr 2000 hatte Georg W. Bush auch den sogenannten "Soccer Moms" zu verdanken.

  • Potenzielle WählerInnen jubeln Sarah Palin zu. Die Gouverneurin von Alaska steht nicht nur für konservative Familienwerte und den Kampf gegen die Abtreibung.

    Potenzielle WählerInnen jubeln Sarah Palin zu. Die Gouverneurin von Alaska steht nicht nur für konservative Familienwerte und den Kampf gegen die Abtreibung.

  • In fast allen Umfragen auf Bundesebene liege Obama in der Gunst der
Frauen weiter vorn als sein republikanischer Kontrahent McCain.

    In fast allen Umfragen auf Bundesebene liege Obama in der Gunst der Frauen weiter vorn als sein republikanischer Kontrahent McCain.

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